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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 83)

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nguren sind vor der etwa Cuxuuuucruuiuug 
Meter breiten Fassade des Hospitalgebäudes 
in einer langen, in der Mitte von dem vor- 
springenden Mittelbau unterbrochenen Reihe 
angeordnet, die elf „Tugenden" links, vor 
dem Ostflügel, die elf „Laster" rechts, vor 
dem Westdügel des Bauwerkes - ursprüng- 
lich waren es je zwölf Allegorien l. Jede Folge 
wird angeführt von einer grandiosen Engel- 
gestalt, die „Tugenden" von dem Engel des 
glücklichen Todes, die „Laster" von dem 
Engel des beklagenswerten Todes. Die beiden 
Engel ilankieren den Treppenaufgang zur 
llospitalkirche und die Tür zur Familiengruft 
der Grafen Sporck. 
Die moraltheologisch-lehrhafte Absicht ist in 
der mahnenden Hinzufügung des sieghaft 
ausschreitenden, strahlend heiteren Engels und 
des in Trauer gebeugten weinenden Engels 
ergreifend zum Ausdruck gebracht. Sie sind 
die Schlüsselhguren zum Verständnis der 
tiefen Bedeutung der Allegorienreihe. Alle 
vierundzwanzig Figuren sind erhöht aufge- 
stellt, weithin sichtbar auf einer die Hospital- 
terrasse nach oben abschließenden Balustraden- 
mauer. Das machtvolle Formgefüge der 
schweren, wie von dumpfer Erregung be- 
wegten Gestalten erhält so einen Anflug von 
Leichtigkeit, ein Eindruck, den die gleich- 
mäßig additive Reihung weitgehend fördert. 
Alle Skulpturen waren ursprünglich polychrom 
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Die Skulpturen sind in den Jahren 171! 
entstanden. Ungewöhnlich für diese Zeit 
die Wahl des Themas und einzigartig 51 
monumentale Form. Auch überrascht 
einen Figurenzyklus wie diesen, einen so 
dringlichen Hinweis auf die Eitelkeit 
Welt, auf die himmlischen Früchte irdisc 
XYohlverhaltens und die zahlreichen ins L'n 
führenden Wege, in einem Park des 18. J 
hunderts anzutreffen. Die Existenz 5011 
Figuren scheint dem Zeitgeist zu wi 
sprechen. 
Tatsächlich gehort die Darstellung 
Tugenden- und Lasterallegorien nicht zu 
Aufgaben des Barock. Sie war ein wicht 
Anliegen des frühen und hohen Mittelal 
gewesen, zuerst, ganz allgemein, in der F1 
des Kampfes der „Tugenden" gegen 
„Laster", später, seit dem 12. Jahrhunt 
auch in einzelnen selbständigen Perso 
kationen, die sich in einem außerordent 
langsamen Prozeß herauskristallisiert ha 
und ihre erste, entscheidende, für lange 
beispielhafte Ausprägung schließlich an 
klassischen gotischen Kathedralen der Ilc 
France, in Amiens, Chartres und Paris, 
hielten. Sie treten hier, in Relieffeldern, sc 
in ausgedehnten Zyklen von ic zwölf Figi 
auf. Später vcrästelt sich die Entwickl 
mehr und mehr. Im 14. Jahrhundert wirc 
hauptsächlich von italienischen ÄIeistern 
stimmt, die klare, einfache, auch im klein 
Format monumentale Lösungen bevnrzu 
während die französischen Älcister die 1 
gorien mit Attributen überhäufen. Das s 
Mittelalter fügt dem Thema keine nr 
Ideen hinzu. In der Renaissance dagc 
erwacht ein lebhaftes Interesse dafür in 
Graphik und der Medaillenkunst. 
In allen Phasen des Mittelalters waren 
Allegorien in tausendfältigen Alawandlur 
dargestellt worden, in der Buch-, Glas- 
Wandmalerei, als Reliefs an Kapitellen 
Portalen der Kirchen, als Skulpturen 
Kanzeln, Altären und (Erabdenkmälern. (i 
ligurige plastische Darstellungen jedoch fir 
sich 7 vom Kampf der „Tugenden" g: 
die „I.aster" am Straßburger hIünster 
gesehen 7 bezeichnenderweise nirgends. Ä 
unter den Skulpturen der Renaissance wi 
man vergeblich nach ihnen suchen. Z 
erscheinen in dieser Epoche die rkllegt: 
als Grabmalliguren in verschiedener (är 
selbstverständlich wie stets beschränkt 
die theologischen und die Kardinaltugen 
und selten als architektonischer Schmuck, 
die Figuren der „Tugenden" am Ottheinri 
bau des Heidelberger Schlosses. Aus den 
genden zwei Jahrhunderten sind ein: 
freistehende, große Figuren bekannt -- 
Beispiel der „Betrug" und die „Treue" 
Schloßpark von Versailles und nochmals 
gleichen Allegorien, zusammen mit t 
„(Seschwätzigkeit", die sicher ein Pen 
hatte, im Schloßpark Seehnf bei Baml
	        

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