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Full text: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 83)

 
ngewähnlichen Charakterpuppen aus Stoff wirken. als wciren sie aus den Bildern getreten. Die Wcindteppiche (Applikationen) führen fast immer in Fabelreiche. ir 
che Bezirke. die einen urvertraut und fremd zugleich umfangen. Großzügige Komposition. differenziert gestufte und sparsam instrumentierte Farbgebung zeichnen 
pisserien aus. Hier lebt eine Welt auf, die von Geschöpfen wie von einem andern Stern bevölkert ist. Wie sie die Erscheinungen auf ihren Teppichen beschwört, 
hafft geheimnisvolles Leben, das den Betrachter bannt. Die Sphäre des Kindlichen öffnet sich unversehens ins Archaische. Was die Dinge ..bedeuten", ist eins 
"em Wesen (sie bedeuten, indem sie sind), es geht immer über den bloßen Ausdruckswert der Form hinaus. Dieses Wesen tritt eindeutig. unverkennbar, ia herrisch 
', es ist da wie immer schon gewesen i und behauptet sein Dasein in einer Weise, daß es einen Raum unweigerlich bestimmt. Die Formen. aus denen es 
, sind Ballungen. Verdichtungen in einem großen Strömen. ihre Ränder diffus. Grenzen, die zugleich verbinden. Alles ist mit allem verknüpft. die Kreise 
igen ineinander. alles hat Atem und Aura, und jedes lebt aus seiner glühenden Mitte. speist sich aus einem gemeinsamen Strahlenherd. der unsichtbar bleibt 
ils haben diese ..Bilder" es auf Stimmung. Atmosphäre oder das leere Spiel mit Formen, Farben und Nuancen abgesehen. wenngleich der Spürsinn für alles 
1d das subtile Handwerk mit Selbstverständlichkeit eingesetzt werden. In den zuweilen hart. zuweilen auch sehr sensibel gefugten Flächen, die zugleich aucl" 
und Wesensebenen sein können. ist fraglose Kreatürlichkeit, unauflösbares Dasein schon gegenwärtig, noch ehe die Teile. die es bilden sollen, endgültig aus, 
nt und eins geworden sind: "geprägte Form. die lebend sich entwickelt". Zunächst ist nur das ,.Muster" gegenwärtig. das Unsichtbare, das im Sichtbaren sich 
will. eine "Seele". die sich ihren Leib erbildet. So kann selbstgefällige Perfektion, Mache. Nur-Gekonntes niemals aufkommen. Jeder Beginn ist ein neues 
is, ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Kinder solchen Geistes sind angesiedelt in einer anderen Realität, sie werden nicht erst transformiert, sondern 
echen dem tnnerikosmos, in dem sie leben und aus dem sie treten, wie sie sind. 
wnheitliche. in ihrer Vielfalt von einem starken Wesensgesetz durchwaltete und geordnete Welt breitet sich aus. ieder Ansatz eine Tur zu neuen Möglichkeiten 
iviel Beginn ist und so starke Konzentration auf ein geahntes Ziel, muß manches noch unentfaltete Gebärde bleiben. aber ein hohes Spiel. mit hoher Einfalt und 
m Einsatz gespielt, bedarf des Mutes zu manchem Sprung über den Abgrund. Sich selber nur als Medium zu sehen. in den Schatten zu treten vor dem, was da 
t werden Wlll. den großen Jahrmarkt nicht zu fliehen. sondern einfach links liegen zu lassen. bedarf der Demut. Einen Weg solcher Art zu wagen dazu hnt 
Aichinger beides: Mut und Demut. 
 
ga Aicninger. Biidertolge tOi, 
ide)rnitPflcinzenwimdiiermotir 
aus dem Faltbuchlein "Das 
ipiei-d" 
Helga ÄtChIhgEF. BlldCl'(ol- 
m) aus eitieqmurcherisamm. 
s 1963
	        

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