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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 3)

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perioden werden die Gobelins bei wiederholtem Gebrauche zu solchen 
Zwecken allerdings nicht gewinnen, unter welchem Hinblick es auch zu 
billigen ist, dass die großen rnonarchischen Höfe von Europa ihren zum 
Theil noch bedeutenderen Schatz an Gobelins einer solchen Benutzung 
nicht freizugeben pflegen. Aber in Paris beruht der rechte Anwerth von 
Kunstdenkmälern ganz wesentlich eben darin, dass dieselben sich in 
lebendigen Gebrauch umsetzen lassen. 
Die Union centrale des arts decoratifs mag alle Ursache haben, mit 
dem Erfolge dieser ihrer Ausstellung zufrieden zu sein; aber auch das 
Oesterr. Museum und die Lehranstalten, die in seinem Gefolge sich 
bethciligt hatten, werden noch lange Veranlassung haben, auf diese Aus- 
stellung mit stolzer Genugthuung zurückzublicken. 
Die Naturforrnen und die Ornamentik. 
Von Prof. Hans Macht'). 
Jegliche Culturentwicklung hat von Zeit zu Zeit ihre Krisen. Jede 
fortschreitende Thätigkeit des Menschen lebt sich früher oder später aus, 
um einer Regeneration, einer Auffrischung und damit einer neuen 
fruchtbringenden Periode entgegenzugehen. Die Verschiedenheit der An- 
schauungen und der Sinnesart der Einzelnen erklärt die in solchen 
Reformperioden häufig vorkommenden geistigen Kämpfe und die Er- 
regung der Gemüther. Selten stehen Antheilnehmende über den Parteien, 
welche einerseits keinerlei Wechsel im Bestehenden für möglich halten, 
andererseits mit Ungeduld den Anbruch eines neuen Morgens herbeisehnen, 
mit Begierde nach Mitteln suchend, sich für den neuen Tag zu rüsten 
um vorwärts zu dringen in ein anderes, heil- und friedenbringendes 
Gebiet. Freilich kann es auch kommen, dass die anscheinend hoch- 
bedeutsamen reformatorischen Bewegungen im Sande verlaufen. Es gibt 
eben auch falsche Krisen! 
Die klimakterischen Zeiten finden sich besonders häufig im Verlaufe 
der Weiterentwicklung der verschiedenen Arten bildschöpferischer Kunst, 
wobei die Krise nicht selten in mehr oder minder stürmischer Weise 
verläuft. 
Auf dem Gebiete jener Kunstübungen, welche sich damit befassen, 
bei der Hervorbringung von Erzeugnissen der Menschenhand dem Be- 
dürfnisse des Schönheitsgefühles Rechnung zu tragen, der Orname ntik 
im weiteren Sinne, vollzieht sich gegenwärtig, wie es den Anschein 
hat, wieder eine jener Wandlungen, bei welchen von Anfang an mit 
einem bestimmten Schlagworte der Angelpunkt der Sache bezeichnet 
wird. Laut und lauter, wie ein Noth- und Hilferuf, ertönt die Parole: 
Natur! Natur! 
') Vortrag, gehalten im k. k. Oeslerr. Museum am 3. November 1891.
	        

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