MAK
Seite 306. 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Flammer 19, 
hochherzigen Entschluß fafjte, ihr diese Sammlung zum 
Geschenke zu machen. Die Passion für Erstdrucke löste 
bei Wenzel die (Leidenschaft für Autographen ab und er 
mar auch in diesem Belang oom Glück begünstigt. Jst seine 
Sammlung auch umfänglich nicht sehr gro^, so meist sie 
doch kein Stück auf, das unroichtig oder uninteressant märe. 
Wir heben den schönen Brief Eessings an (Haler 
lllüller heroor, dessen faksimile mir hier zum grofjen 
Teile reproduzieren, (fig. 7) 
Der Brief ist datiert Wo Iffenbüttel, den 24. niärz 1777 
und füllt im Originale zroei Quartseiten. 
„Ich habe mich in Weimar und Jena herum getrieben. 
Zum Unglück hatte der Hat besuch, und ich mußte mich — 
begaffen lassen, und mie man es nennt, mich Reimen lassen. 
Die Orof3herzogin und die Großfürstin drückten sich über 
Goethes Cntfernung bei der Tafel so nachdrücklich 
aus, dafj ich schier in Verlegenheit gerieth, durch meine 
G -genroarf diesen Äußerungen zur Veranlagung dienen zu 
müssen. Goethe lacht zu der Sache, wie ich bemerkt zu 
haben glaube. Er weiß, daß er nicht die Schmach danon- 
getragen . . . 
Wir begegnen in der Sammlung weiters Caoater, 
Georg ITlelchior Kraus, Knebel, Kanzler lllüller, Charlotte 
fig. 8. Christophine Schiller, Porträt ihrer Scheuester tlanette. 
Goethe ist in der Sammlung mit manchem Pracht 
stück oertreten. So finden mir z. B. folgende hübsche, 
an die Gräfin Julie Egloffstein gerichteten Verse. 
Julien. 
freundlich toerden neue Stunden 
Zu oergangenen sich gesellen 
Blüten, Blumen mahl empfunden 
Bleiben ! kukt Immortellen. 
kroi0 D. 4. tan. 1819. 
Da ist ein Gedicht ohne Datum und Unterschrift, 
aber oon Eckermann als Goethe-Produkt beglaubigt. 
Das Gedicht, das oermutlich ungedruckt ist, beginnt mit 
den Worten: 
Das Kleinod und Vergif3ineinnicht 
Äls gegenwärtig — künftiges Glück 
Sie kehren gern zu Dir zurück. 
Sehr interessant sind auch die Briefe aus dem 
Goethe-Kreise. So schreibt beispielsweise Adolf lllüller 
unterm 22. Juni 17 . . an Hofrat Böttiger in Dresden: 
Buff, „Werthers fotte“. Charlotte oon Stein, Oeser, 
Seckendorff u. s. w. Besondere Erwähnung oerdient ein 
Brief oon Elisabeth Türckheim, Goethes Eilli, da Briefe 
oon ihrer Hand zu den grollten Seltenheiten gehören. 
Selbst in Sammlungen wie Paar und Bauet war kein Brief 
Eillis oorhanden. Seit der Auktion der Autographensammlung 
llleyer Eohn ist es der erste Brief, der oon Tilli wieder 
auf den Ularkt kommt. 
Schiller und sein Kreis füllen im Katalog zehn 
Seiten. Auf^er Briefen des Dichterfürsten an Körner, 
Hufeland, Hofrat Joh. Christian Stark, Couise Brachmann u. a. 
finden mir ein ungedrucktes JTlanuskript aus Tiesco. 
Es ist beinahe die oollständige Szene aus dem 
V- Akt VIII. Auftritt, welche Schiller im Jahre 1785 statt 
der Szene zwischen Bertha und Baurgagnino einrückte. 
Es ist Berthas lllonolog im Kerker. 
Die Szene beginnt:
	        
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