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MAK

Full text : Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

Avo

ein Gesamtkolorit bildet. Bald sind wuchtige

Bilder beisammen (Böcklins Meeresidyll, Zuloagas

spanischer Dichter,Kalckreuth, Kuehl), bald heitere

(Uprkas Bauernmadonna, Goltz, Darnaut, Graf,

Sigmundt, Hörmanns Znaim im Schnee), bald

tieftonige (Mediz, Germela, O'Lynch, Hänisch),

bald weisse (Segantinis „Böse Mütter", Monets

Koch in Leinenkostüm, Gallenscher Schnee, die

Helligkeiten Klimtscher Landschaften). Das

Mittelschiff jenes T vereinigt etwa 25 Rudolf

v. Alt, durchaus besten Schlages, und schliesst

mit Pochwalskis immer treßlicher werdendem

Kaiserbildnis ab. Und das letzte Kabinett links

ist mit 20 Waldmüller gefüllt, worunter die

„Klostersuppe" und eine Reihe seiner köstlichen

Altwiener Frauenporträts und manches Landschaftliche,

 worin sein malerischer Freiheitstrieb

 deutlich durchbricht. Die gemischten Säle

enthalten sehr gute Spezimina aller österreichischen

 Richtungen, von Schwind, Führich,

Schnorr, Danhauser, Amerling herwärts zu den



„sonnigen" (Pettenkofen , Leopold Müller,

Schönn), farbenwuchtigen (Canon) und lyrisch Vase, Zeit d" Ylmhnynasüe, mitReuef_

gestimmten (Schindler u. a.). Demnmon

Natürlich wird im Laufe der Zeit hier noch

Manches hinzuwachsen. In willkommener Vollständigkeit

 stellt sich die neueste Entwicklung dar; Freilicht und Freiluft, die jüngste

Generation. Hier sieht man am deutlichsten, dass durch das neuere Erwerbungssystem

ein organischer Zug geht, und man bedauert desto lebhafter, dass mit dieser Systematik nicht

früher begonnen wurde. Das Ausland ist begreiflicherweise schwächer vertreten. Einigen

Kunstfreunden von hoher Gesinnung verdankt die Sammlung wertvolle Geschenke.

Der Name des regierenden Fürsten von Liechtenstein ist mit vielen Perlen der Kunst

verknüpft; auch mit jener „Fredegonde" und dem grossen Andreas Achenbach. In

neuester Zeit verdankt man dem Triester Architekten Hummel (einem Schmidt-Schüler)

das kostbare Parisurteil, das uns auch das andere grosse Klinger-Werk gebracht hat. Es ist

unschätzbar, dass Wien diese beiden Hauptstücke moderner Malerei, Gesamtkunst vielmehr,

 gewonnen hat; sie stellen es als moderne Kunststadt mit in den Vordergrund. Das

Ausland ist ferner durch Walter Crane, Luigi Loir, Hahns marmorne judith, Rodins

Rochefort, mancherlei französische und englische Graphik u. s. f. vertreten. Es ist blos

ein Anfang, aber ein prächtiger. Nur vereinzelt kommt bisher die Plastik vor. Die grosse

Novität für Wien ist in der modernen Galerie Klingers „Urteil des Paris". Es ist bis 1886

gemalt und schwillt noch von den Pariser Anregungen des damals jungen Meisters. Man

merkt dies auch in den Typen, zum Beispiel dem eigentümlich stumpfen Profil der Venus,

die etwas von der Salome hat. Zum ersten Male versucht hier Klinger eine Wand zu

bauen, die er malerisch schmückt und plastisch umrahmt. Schon melden sich seine

schlanken Hölzer, die das Bild gliedern, und der mächtige Sockel, einstweilen nur aus

majolikaartig bemaltem Gips. Die Gesamtwirkung ist wundervoll. Die Wand ist in eine

helle, luftige Ferne aufgelöst, mit Berg und Hain und wehendem Himmelsblau. Und dieser

Raum rhythmisiert sich fast architektonisch durch die vier aufrechten Gestalten des

Hermes und der drei Göttinnen, die keine Gruppe, sondern ein abgewogenes Nacheinander

bilden. Zu der Architektonik des Ganzen gehört auch, dass die Szene auf der Terrasse des

troischen Königspalastes vor sich geht. Ihre dunkelblauen Säulen und Gesimse scheinen

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