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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

weil], ohne sich ganz aufzugeben. Ganz wohl fühlt aber auch er sich nur dann, wenn er 
vom Zufälligen zum Charaktervollen aufsteigen kann und mächtige, großformige Bildnisse 
zu schaffen vermag wie jene von Strindberg und Strauß. Diesen früheren Arbeiten reihen 
sich nun eine Menge von Bildnissen an, die wohl nicht immer ihrer selbst willen ent- 
standen. Manches davon erweckt trotzdem hohes Interesse und erhebt sich über den 
Alltag zum Bedeutungsvollen. 
Fritz Behn erreicht ein solches Ziel in seinem Dr. Solf mit starken, einfachen Mitteln, 
die weit zurückgreifen und doch unmittelbar wirken. 
KÜNSTLERHAUS. AQUARELLAUSSTELLUNG. Unter den jährlichen 
Veranstaltungen der Genossenschaft bildender Künstler Wiens bildet diejenige des 
Aquarellistenklubs auch in diesem Jahre die anspruchsloseste und darum die sympathi- 
scheste Gabe. Hier fehlt die Geste, große Kunst zeigen zu wollen, gänzlich und das von 
vornherein betonte kleinere Gebiet wird wohl gut repräsentiert. Es ist gute Aquarellisten- 
arbeit da zu sehen, Gouache, reines Aquarell, Zeichnung, Studie. Und gerade weil die Studie 
mit Stift und Farbe fast einen breiteren Raum einnimmt als die fertige, anspruchsvollere 
Bilderscheinung, darum ist der Eindruck der Wärme, Intimität da und ein günstigerer, an- 
regenderer Grundton. Wir dürfen es uns leider nicht verhehlen, daß oft das Beste, was in 
unserer Zeit geleistet wird, in Studien und vorbereitenden Arbeiten eingeschlossen liegt 
und daß das reife, ganze Kunstwerk heute seltener hervorgebracht wird wie jemals. Freuen 
wir uns darum der oft so vielversprechenden Skizzen, der anregenden wenn auch flüchtigen 
Naturausschnitte, die heute in ihrer Art doch oft mehr unmittelbares, persönliches Kunst- 
empfinden und Kunstvermögen offenbaren als die meisten fertigen und doch kein wahres 
Ganzes bietenden Bilder und Bildchen. . 
Gerade diese Schaustellung führt in ihren beiden stärksten Kollektionen den Reiz und 
den Jammer der österreichischen Kunst zufällig ganz deutlich vor Augen. 
Da ist der Rückblick auf das feine Naturstudium, das weiland Professor Ed. Lichten- 
fels in seinen Mappen hinterlassen hat. Die getuschten Federzeichnungen und Bleistift- 
studien gehen sogar auf seine frühe Lehrzeit zurück, als er mit Schindler, Ribarz, jettel, 
Ruß, den Zimmermann-Schülern, in der Ramsau und sonst im Waldgebirge, Baumschlag 
und Felsgestein studierte. Man begreift, daß die feine Begabung Verehrer fand. Man sieht 
sie nachwirken bis an das Lebensende in vielen schönen Blättern aus dem Karst und von 
der Adria, aus Ungarn und anderwärts. Man denkt an den ruhigen, wortkargen Akademie- 
professor, der unberührt von allen Stürmen, welche um ihn her die Grundfesten der Kunst- 
anschauungen bewegten, seine Lebensarbeit in solchen Blättern hinterlegte. Und seine 
Bilder? Wie wenige haben überhaupt die Staffelei als fertige Arbeit verlassen und wie weit 
blieben viele hinter dem Reiz dieser Studien zurück! Seine Selbstkritik war schärfer, als es 
seine Schöpferkraft vertrug. Die Studienblätter sind sein wertvollstes Vermächtnis an die 
Nachwelt. 
Ganz im Gegensatz hiezu bietet S. W. l-Iampel eine größere Zahl „fertigster" Bilder 
und Bildchen, angeordnet in einem Zusammenhang mit alten Spitzen, Stickereien und ver- 
blaßten Stolfresten. Aus dieser antiquarischen Stimmung heraus, die sich an den Anti- 
quitätenliebhaber und feinschmeckerischen Sammler wendet, sind auch die meisten raffiniert 
gerahmten und aufgemachten Miniaturen und Zeichnungen entstanden. Sie wetteifern mit 
den frühen deutschen und alten chinesischen Blättern an Präzision der Zeichnung und aus- 
gesuchter farbiger Pikanterie. Eine andere Folge treibt die Vorliebe für das verderbte und 
parfümierte Rokoko bis zur getreuesten Nachbildung alter Kupferstiche in Manier und Gegen- 
stand. Aber auch größere Arbeiten sind da. lnterieurs mit bunter irnpressionistischer 
Wirkung in pointillistischer Technik. Auch das kann der Künstler. Und doch vor lauter 
Können, Raffinement, bildhafter Vollendung bleibt das Eigene verkümmert; immer sprechen 
andere vernehmlich mit, immer ist die Erinnerung an alte fertige oder fremde gleichzeitig 
werdende Kunst störend am Werk, um ein starkes Eigenes nicht vertreten zu lassen, das
	        

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