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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 11)

bringung des Kalküberzuges unerlässlich. Der Bewurf bestand aus Kalk,

der nach dem Löschen nur 2-3 Tage lagerte. Dieser Kalk wurde für

die erste Lage mit Häckerling, für die zweite mit feinst gehacktem und

gesiebtem Werg gemischt (vStrohkalkc und wWergkalku). Für die

Oberfläche der zweiten, zu Tage tretenden, feineren und sorgfältig geglätteten

 Kalklage findet sich der Terminus ÜIPLQ, die vAnsichtu 1).

Das Brennen des Kalkes geschah offenbar stets in ziemlich unvollkommener

 Weise, da es nöthig erscheint, nach dem Löschen die Kalkmilch

 durch einen Korb in die Grube zu schütten, um die ungebrannten

Kalksteine abzusondern.

Zur Anfertigung der tauglichen größeren oder kleineren Pinsel, in

Federkiele oder mit gewichsten Seidenfäden an hölzerne Stiele gebunden

(Grundirpinsel), Endet sich genaue Vorschrift.

Auf den Kalkgrund wird die Zeichnung mit hellem oder dunklem

Ocker und mit Eisenroth angebracht, die einzelnen Flächen (für die Gewandung,

 die nackten Fleischtheile etc.) besonders polirt, die Umrisse

eingegraben (n. . . . mit einem Steinchen oder mit einem Bein, welches

du mit einem Messer zuspitzest, wenn du eines bei dir haste). Der

Technik des Fresko's entsprechend, eilt der Maler, um seine Arbeit fertig

zu bringen, ehe die Oberfläche vHaut ziehtu.

Charakteristisch für die Maltechnik, nicht nur der Fresken, sondern

auch der Tafelbilder ist das Arbeiten mit hellen Farben auf dunkler

Grundirung. Den Hintergrund und die Figuren finden wir zunächst mit

einer mehr oder weniger grünlich-grauen Farbe überzogen, dem Proplastna.

 Aufdiesem zeigt sich,mit dem entsprechenden Localton stufenweise

heller in's Helle gemalt, die Modellirung. Hiezu dient bei den Fleischtheilen

vornehmlich eine Mischung des Proplasmas mit der hellen reinen Fleischfarbe,

 der Glykasmus (beiSchäfer auch Glyzasmus). Den Gesichtern wird erst

zum Schlusse durch zarte, rothe Lasuren, durch Färbung der Lippen etc.

Leben verliehen und die dunklen Schatten des Fleisches durch eine leichte

Lage von reinem Bolus warm und durchsichtig gemacht. Dunkel in's

Helle gemalt zeigt sich nur Weniges, wie die Falten in den Gesichtern

der Greise und die Umrisse aller Formen. Zum Proplasma der Fresken

dient eine Mischung von grünem Lack (wahrscheinlich grüne Erde),

dunklem Ocker, Schwarz und Mauerweiß. Dieses Mauerweiß ist fein

geriebener nKalk von einer alten Kalkhütten, d. h. also Kalk, der schon

durch Aufnahme von Kohlensäure aus der Luft zu kohlensaurem Kalk

(z Kreide) geworden ist 9). Mit der Zunge untersucht der Künstler, ob

die gefundenen Kalkstücke auch vollständig verkreidet sind. (Kreide ist

geschmacklos.) Das gleiche Kalkweiß wird durch Dörren des gelöschten

') S. Schäfer, a. n. O. Note ') zu Q. 57.

') Identisch mit dem bianco San Giovnnni des Cenno Cennini. (II lihro delPartz,

cap. 57. Deutsch von A. llg in den Quellenschrifteu des Oesnerr. Museums, l.
            
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