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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 194)

In den Einlagen - sei es in Marmor oder Holz - betritt die italienische

 Arabeske wieder ein besonderes Feld. Hier muss durch den Gegensatz

 von dunkel und hell gewirkt werden und in geradezu musterhafter

 Weise sehen wir diesen Gegensatz in künstlerische Berechnung gezogen.

 Was wir heute mühsam durch Versuche erproben, lag den italienischen

 Künstlern gewissermaßen in Fleisch und Blut. Wie ganz anders

ist beispielsweise die dunkle Einlage in hellem Marmor behandelt, als die

Einlage von hellem Holz in dunkleres. Seitdem Teirich die schönsten

dieser Ornamente gesammelt und in mustergiltiger Publication veröffentlicht

 hat, ist auch dem dieser Richtung ferner Stehenden das Verständniss

für diese Decorationsart und die Gesetzmäßigkeit ihrer compositionellen

Anordnung klar geworden und die allgemeine und großentheils gelungene

Wiederaufnahme dieser Decorationsart in unserer Zeit hat zum großen

Theile in diesen Publicationen ihren Grund.

Die Verhältnisse von hell und dunkel und umgekehrt, wie solche in

den italienischen Holz- und Marmoreinlagen sich zur Beachtung darlegten,

fanden auch ihre Berücksichtigung in den Bücherornamenten, namentlich

den Titeleinfassungen.

Diese Titelverzierungen setzten sich in der Regel aus einzelnen Holzstöcken

 zusammen und sind deshalb häufig nicht ganz tadellos, aber desto

mehr zeugen sie in diesem ihrem mosaikartigen Flickgewande von dem

klugen Verständniss für die Composition im Allgemeinen und namentlich

für die feine Berechnung der weißen Ornamente in ihrer Wirkung auf

dem schwarzen Grund.

Ich übergebe die verschiedenartige weitere Behandlung der italienischen

 Arabeske in den gravirten und geätzten Arbeiten, in den gepressten

Lederarbeiten auf Buchdeckeln und Aehnliches und will im Gegensatz zu

diesen einen Blick auf die deutsche Arabeske werfen.

Die reine Pflanzenarabeske ist den Deutschen nie in dieser Vollendung

 wie den Italienern gelungen. Mag der einheimische gröbere Stein,

ein weniger feineres künstlerisches Verständniss, das Nachwirken der derben

gothischen Blätter daran Schuld haben - die Thatsache steht fest und

ist unleugbar. Entschiedenen Anlauf zu einer feineren Pflanzenarabeske

macht Heinrich Aldegrever, aber auch seine Pflanzen bleiben im Großen

und Ganzen weit hinter der italienischen Behandlung zurück und verlieren

 sich zuweilen aus der symmetrischen Ordnung und ergehen sich in

Verästelungen, die in ihren Unregelmäßigkeiten die systematische Anordnung

 verletzen; die bloße Beachtung der Wirkung zwischen Zeichnung

und Grund und ein Abwiegen dieses Verhältnisses in Bezug auf künstlerische

 Schönheit und Rhythmik ist noch lange nicht hinreichend, dieses

Ornament auch wirklich gefällig und anziehend zu machen.

Die Trophäenarabeske kommt in Deutschland weniger zur Geltung.
            
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