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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

Ohne den lehr- und vorbildhaften Charakter

in den Vordergrund zu stellen, wird die Auswahl

 der Objekte primär nach dem Gesichtspunkt

 besorgt, der Öffentlichkeit das graphische

 Werk des großen Meisters, das in Wiener

Privatsammlungen aufbewahrt wird, zugänglich

 zu machen. Den breitesten Teil nehmen dabei

 die Handzeichnungen Dürers aus der Albertinischen

 Sammlung ein. Diesen werden

Zeichnungen aus sonstigem Wiener und Grazer

Privatbesitz angesdnlossen, ergänzt durch Fotografien

 von wesentlichen, im Ausland befindlichen

 Zeichnungen Dürers. Den graphisduen

Techniken folgend, sdiließen sich Kupferstidie

und Holzschnitte an, wobei auch die dem Museum

 gehörigen Objekte präsentiert werden.

Wunder nimmt, daß Eitelberger bei einer solchen

 Auswahl damit rechnet, nur den gebildeten

Besucher des Museums anzusprechen und daß

nur der, der mit der Kunst und ihrer Entwicklung

 näher vertraut ist, sie würdigen kann.

Übrigens geht er dabei ganz mit dem Nürnberger

 Kunsthändler Sigmund Soldan konform,

der in einem Schreiben vom 19. Dezember

1870 i" Direktor Eitelberger davon unterrichtet,

daß er beabsichtige, die noch nicht publizierten

Handzeichnungen Dürers von den Reichstagen

zu Augsburg und Nürnberg in treuer Reproduktion

 CillfCh Durckverfahren herauszugeben. „Da

es aber nur ein kleiner und gewählter Kreis

von Kunstfreunden und Kennern ist, der Dürer

 in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen

weiß, so wird nur eine kleine Auflage veranstaltet."

 Vielleidit liegt auch hierfür der Grund

in der allgemeinen Einstellung der Zeit, deren

Begeisterung für die Kunst der vergangenen

Jahrhunderte zunächst noch ganz auf die Antike

 und die italienische Renaissance beschränkt

ist und erst ab den siebziger Jahren allmählich

auch die deutsche Renaissance miteinbezieht.

Daß in Wien zu dieser Entwicklung die Dürer-Ausstellung

 mit beigetragen haben mag, beweist

der unerwartet starke Besud1 der Exposition.

Insgesamt umfaßte die Ausstellung 264 Exponate,

 die in einem kleinen Katalog verzeichnet

sind. Weder aus den Akten noch aus den Mitteilungen

 oder sonstigen Aufzeichnungen aber

geht hervor, wer für die Zusammenstellung der

Ausstellung sowie für die Abfassung des Kataloges

 verantwortlich zeichnet, so daß sich der

Eindruck aufdrängt, das Museum als Ganzes betrachte

 diese Jubiläumsfeier als seine Aufgabe.

Besprechungen der Ausstellung sind in den Zeitschriften

 „Vasarnapi Ujsag" und „Organ für

christliche Kunst" erschienen und beurteilen die

Schau durchaus positiv 2".

Neben der Ausstellung und der Herausgabe

der Festpublikation veranstaltete das Österreichische

 Museum anläßlich des Dürer-Jubiläumsjahres

 von 1871 aber aud1 noch einen

Vorlesungszyklus über die Entwicklung des

Meisters. Diese Vorlesungen, seit jeher mit in

die vornehmsten Pfliditen des Museums einbezogen

 und in mehreren Zyklen veranstaltet,

fanden in einem der Ausstellungs- und Sdiauräume

 des Ballhauses statt. Erst mit der Eröffnung

 des neuen Gebäudes am Stubenring

hatte man hierfür im Zeitschriftensaal der

Bibliothek, der damals „Vorlesesaal" bezeichnet

 wurde, einen würdigen und entsprechenden

Raum gefunden.

Die Vielfalt der Veranstaltungen am Museum

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