Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 133)

I Aktuelles Kunstgeschehen l Wien



Museum des 20. Jahrhunderts

Cornelius KoliglEmil Mayer

Innerhalb des österreichischen Ausstellungsbetriebes

war eine umfassende, informative Exposition von

Werken des 1942 geborenen Kärntner Obiektkiinstlers

 schon seit längerem fällig. Der Überblick,

den die locker postierte Ausstellung im Museum

des 20. Jahrhunderts bieten konnte, ergab ein

repräsentatives, die Denk- und Handlungsweise des

Künstlers deutlich aufschlüsselndes Gesamtbild,

obwohl einige qualitativ hervorragende Beispiele

aus Privatbesitz fehlten. Kolig, der zwischen 1962

und 1964 mit „Röntgengrafiken und Röntgenplastiken"

 sein künstlerisches Debüt feierte,

demonstrierte innerhalb dieser Schau - didaktisch

durchdacht - sämtliche wesentlichen Entwicklungsphasen.

 Sein experimentelles Vorgehen unterstreicht

dabei gleichermaßen Flexibilität und spontane

Reaktion im künstlerisch-formalen Prozeß wie im

Handhaben neuer Materialien und Techniken. Die

im Zentrum postierten Plexiglasobiekte bilden auf

Grund ihrer formalen Prägnanz und neuen Ästhetik

auch innerhalb des bisherigen Gesamtwerkes einen

echten Schwerpunkt. Elektromatorisch betriebene

Wasserplastiken bringen ergänzend dazu das

kinetische Element in die - trotz deutlicher

bildnerischer Bestimmung - weitläufigen, offenen

Beziehungen seiner neueren Arbeiten.

Von der Edition Tusch wurde aus Anlaß dieser und

der vorherigen Kolig-Ausstellung im Museum

Bochum ein attraktiv gestaltetes Buch herausgebracht,

 das neben Texten von Otto Mauer, Alfred

Schmeller, Karlheinz Roschitz, Gerhard Mayer,

Peter Spielmann, Kristian Sotriffer, Wilfried Skreiner,

Peter Baum und dem Künstler 40 Farbtafeln enthält.

Franz Hubmann, einer der besten österreidwisdien

Fotografen nach 1945 und in dieser Eigenschaft

auch einer der führenden Mitarbeiter des inzwisdwen

bereits legendären „Magnum", entdeckte in

Dr. Emil Mayer einen Lichtbildner, der in dokumentarischer

 Lebendigkeit zwischen 1908 und 1911 eine

größere Serie von „Line-Fotos" aus dem Wien

iener Jahre schoß, die mit denkbar großer

Signifikanz Atmosphäre und soziologische Struktur

der facettenreichen k. und k. Metropole festhielten.

Dr. Emil Mayer, in seinem Brotberuf Advokat in

Wien, wurde am 3. Oktober 1871 in Neu BYlSChOW

in Böhmen geboren. Er war Jahre hindurch Präsident

des Wiener Amateur-Photographen-Clubs, der ihm

1919 eine Bronzeporträtplakette widmete. Es ist

dies auch die einzige bildliche Darstellung

Dr. Mayers, die bisher gefunden werden konnte.

Mayer schied zusammen mit seiner Frau 1938

freiwillig aus dem Leben. Die wichtigste (und vetmutlich

 auch einzige) historische Publikation mit

Fotos van Emil Mayer ist der kleine Band

„Wurstelprater" von Felix Salten. Er erschien 1911

in Wien und verzeichnet 75 kleinformatige Bilder

(20. 3. bis Mitte Mai 1974) - (Abb. 1, 2, 3).

Galerie nächst St. Stephan

Maria Terzic

Eine Ausstellung mit Werkstattcharakter. Ein neuer

Querschnitt mit großem Anteil an Bleistiftzeichnungen

 und Skizzen. Terzic, Jahrgang 1945, neuerdings

 Lehrbeauftragter an der Hochschule für

angewandte Kunst in Wien, wäre im Documenta-Jargan

 den „individuellen Mytholagien" zuzuordnen.

Sein Werk repräsentiert den sensiblen,

seismographisch reagierenden Einzelgänger. Es

erstreckt sich von der ldeenskizze und der Notiz

über Fundstücke (und ihre Zusammenhänge) bis zu

Obiekten, Konstruktionen und Modellen. Einer der

interessantesten Vertreter iunger österreichisdier

Kunst (6. bis 27. 4. 1974) - (Abb. 4, 5).

Galerie Schottenring

Birgit Jürgenssen

Ausstellungsdebüt der iungen Wienerin mit fünfzig

Zeichnungen und mehreren Obiekten neuesten

Datums. Ein durchschlagender Erfolg bei Presse und

Publikum.

Stilistisch könnte man Jürgenssans sensible Zeichnungen

 in Mischtechnik und die derselben Denkund

 Vorgangsweise zwischen Realität und Traum

40

verpflichteten Obiekte als „Paetischen Realismus"

bezeichnen. Es ist eine durch und durch persönliche,

intime Welt, in der Poesie und Verfremdung, Ernst

und Ironie, Reales und Surreales einander ebenso

bedingen wie verbinden. Dem bildnerischen

Beharrungsvermögen und zeichnerischen Können

stehen Charme, Humor und gelegentliche Doppelbödigkeit

 zur Seite. Das Flair ihrer Blätter verrät

Anflüge von Wehmut und Romantik. Die Art und

Weise, in der Birgit Jürenssen im Spannungsfeld

von Mensch und Natur Gegenstände herausgreift,

sie umschreibt, bestimmt oder verändernd interpretiert,

 ist von einem Feingefühl getragen, das die

Freiheit besitzt, der Ratio zu entsagen. Die Realität,

die unser Leben individuell und relativierend bestimmt,

 wird von der Künstlerin teilnahmsvoll, doch

nicht tendenziös, gesehen. Wunsch und Hoffnung

sind darin ebenso enthalten wie kritische Seitenhiebe,

 Abschweifungen und das Recht des Andersseins

 (30 1. bis 9. 3. 1974) - (Abb. 6, 7).

Galerie Ariadne

Peter Sengl

Sengl, der 1973 vor allem in der deutschen Bundesrepublik

 ungewöhnliche Verkaufserfolge erzielen

konnte, ist weiterhin gut in Schuß. Seine neuen

Zeichnungen und Bilder unterstreichen einmal mehr

die höchst eigenständige Kombinationsgabe des

den „Wirklichkeiten" ursprünglich verwandten,

inzwischen allerdings längst seine eigenen Wege

gehenden Steirers. In den Zeidinungen erweist sich

das forcierte Aussparen größerer weißer Stellen als

spannungssteigernder Vorteil. Ein Werk, das den

Betrachter auch im Sinne des Erzählerischen und

Legendenhaften aktiviert. Eine im besten Sinne

seltsame Welt und damit eine Antipode zu den

gängigen Kunstmoden und Tendenzen

(April 1974) - (Abb. B).

Galerie auf der Stubenbastei

Peter Carer

Ursprünglich fast nur Maler (wenn auch mit

deutlicher Betonung grafischer Komponenten), hat

sich Carer neuerdings stärker auf die Zeichnung

konzentriert. Rund 15 Blätter, ergänzt durch drei

größere Bilder, stellte er in der Stubenbastei vor.

Sein Realismus besitzt gesellschaftskritische

Bezüge, ohne plakative Mittel zu gebrauchen.

Indem er Zustände (etwa eine Party) momenthaftprägnant

 und zugleich stellvertretend für Vergleidibares

 wiedergibt, zeichnet er ein zunehmend

dichter werdendes Bild des heutigen Menschen. Er

selber spricht von „Schautafeln gesellschaftlicher

Wirklichkeit". Unter den neuen Realisten zweifellos

einer der interessantesten und konsequentesten

(2. bis 27. 4. 1974) - (Abb. 9).

Galerie Klewan

Klassiker der Moderne

Eine auf Konstruktivisten spezialisierte Gruppenschau,

 mit der Klewan von der Wiener Kunstszene

Abschied zu nehmen gedenkt. Sein Versuch,

klassische Moderne und österreichische Avantgarde

permanent zu zeigen und auch in Österreich zu

verkaufen, erwies sich leider als nicht gewinnbringend.

 Um als Galerie kommerziell durchzukommen,

 wird der Schwenk in Richtung sicherer

Historie nicht lange auf sich warten lassen. Die

strukturellen Bedingungen und Mängel der österreichischen

 Kunstszene lassen auch in diesem lndiz

deutlich lokale Pravinzialität und das Fehlen einer

informierten finanzkräftigen Sammlerschicht mit

kritischem Unterscheidungsvermägen erkennen. Von

Arp über Bayer, Grosz, Leger, Magritte, Man Ray,

Moholy-Nagy bis zu Schwitters reichte das somit

zum letzten Aufgebot gewordene Angebot

(20. 3. bis 20. 5.) - (Abb. 10).

Künstlerhaus-Galerie

Valentin Oman

Als Grafiker mit Konsequenz gelang Oman in den

letzten Jahren auch international der Durchbruch.

Placierungen und Preise bei Grafikbiennalen und

Wettbewerben sorgten für Reputation und Publizität.

Seine iüngste Wiener Ausstellung unterstrich deutlich

 Fortschritte innerhalb der von ihm prakti:

Figuration. Seine Zeichnungen, Gouachen un

drucke sind Variationen der menschlichen Fi

sind Blätter äußerster Spannung und Feinne

die das Gleichnishafte menschlicher Existenz

differenzierter grafischer Aufschlüsselung sim

aufzeigen. Oman bedient sich dabei des Effe

der Comic strips, der Bildgeschichten, was ia

in einigen Blättern von Hrdlicka unter andere

Fall ist. Der Verzicht auf ieden größeren Auh

tut Omans Blättern gut. Einsatz und Konzentr

erweisen sich gerade in der von ihm praktizii

vernünftigen Beschränkung als Plus einer eigt

digen Entwicklung, in die man weiterhin Hof

setzen kann (13. 3. bis 14. 4.) - (Abb. 11).

Atelier Gerersdorfer

Peter Dworok

Die ambitionierte Ateliergalerie zählt schon

Jahren zum Geheimtip versierter österreichisi

Sammler. Gerersdorfer, der ursprünglich mit

Edition und eigens veranstalteten Kunstaber

Studenten begann und bisher nur als Privatgi

fungierte, hat sich nun doch für den Schritt in

breitere Öffentlichkeit entschlossen. Dies vor

um den von ihm vorgestellten Künstlern zu m

Publizität zu verhelfen. Die in der Mariahilfe

Straße 12 gelegene Stockwerkgalerie verfügt

ein reiches Lager österreichischer Gegenwc

(vorwiegend Grafik). Mit Peter Dworak tat m

insofern innerhalb des neuen Programms ein:

guten Griff, als dieser iunge Wiener Maler u

Zeichner zunehmend stärker zu sich selbst fin

und in einer erst in diesen Monaten entstand

größeren Folge von Pastellen („Brustbilder")

auf weiten Strecken überzeugenden Beweis fi

nach wie vor gegebene Berechtigung eines

expressiven Realismus nachdenklicher Grunc

antrat (4. 2. bis 3. 3.) - (Abb. 12). Pet:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.