Der internationale Patentcongrefs.
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fchreibe ich ein Buch, verfertige ich eine Statue, fie kommt dadurch in meine
Rechtsfphäre; mache ich eine Erfindung, fo kommt fie dadurch in meine Rechts-
fphäre und ich kann vom vStaate verlangen, dafs er mich in meinem Rechte fchützt
und wahrt. Die juridifchen Einwendungen, die dagegen gemacht werden können,
reduciren fich auf einige wenige Sätze, die ich fehr einfach widerlegen zu können
glaube. Der Satz, dafs es kein geiftiges Eigenthum gebe, dafs es dem Begriffe
des Eigenthums widerfpreche, ift nur dann berechtigt, wenn man vom Eigenthum
des Erfinders fprechen will; nennen wir es aber Erfinderrecht, fo fällt Alles, was
aus dem Begriffe des Eigenthums deducirt ift, weg. Es wird gefagt, es fei kein
fafsbares Eigenthum ; es ilt fchwer auf das fliefsende Waffer oder auf die Luft
ein Eigenthumsrecht geltend zu machen; doch willen wir, dafs es „Wafferrechts-
gefetzgebungen“ gibt und wir haben im bürgerlichen Gefetzbuche eine Beftimmung,
welche ausfpricht, dafs die Luftfäule über meinem Grunde mir gehört. Endlich fagt
man, es fei vom juridifchen Standpunkte das Erfindungsrecht zu verwerfen, weil
durch die Bekanntmachung der Erfinder auf das Eigenthum verzichte. Nun, das
ift mir als Juriften ganz antipathifch. Ich kann fagen, dafs der Eigenthümer,
dadurch, dafs er fein Recht nicht ausübt, auf dasfelbe verzichtet durch
eine Reihe von Jahren. Daraus aber, dafs Einer fein Recht ausübt, darauf
zu fchliefsen, dafs er auf fein Eigenthum verzichte , ift mir unmöglich. Ich
bin einer der wenigen Juriften, die das moderne Rechtsbewufstfein in fich
tragen, wie es in den Anträgen des Comites dargelegt ift: es gehe das Erfinder
recht fchon aus rechtsphilofophifchen Grundfätzen hervor.“
Die übrigen Befchlüffe des Congreffes bedürfen keiner weiteren Erör
terung durch die Debatte, da fie felbft klar genug für fich fprechen. Es fei
nur noch hervorgehoben, dafs, wie fchon in älteren Werken der fünfzehnjährige
Schutz einer Erfindung eine Erfahrungsfache ift, welche, wie Dr. W. Siemens
hervorhebt, „die meiften Patentgefetzgebungen feftgeftellt haben“. Auch der
Congrefs hat diefe Zeit für ausreichend erklärt, aber auch „als nothwendig, um
eine einigermafsen nothwendig complicirte Erfindung, welche Mühe und Arbeit
koftet, einzuführen und lohnend für den Erfinder zu machen. Denn es ift ja nach
unterer Auffaffung der Zweck eines Patentes, dem Erfinder einen Lohn für feine
Erfindung in moglichft fichere Ausficht zu ltellen. Es kommt gar nicht darauf
an, ob Jemand glaubt, es feien ein oder einige Jahre mehr oder weniger nöthig. Wir
wollen vielmehr darthun, dafs wir eine Zeit von 15 Jahren alseine Nothwendigkeit
anfehen und als einen praktifchen Durchfchnitt deffen erkennen, was bereits
mafsgebend gewefen ift“.
Wie die ältere Literatur es fchon fordert, hat auch der Congrefs die
Oeffentlichkeit und die Verpflichtung zur Publication der patentirten Erfindung
gefordert und Dr. W. Siemens erklärte dafür fehr richtig: „Es ift geradezu eine
Verfchwendung von Capitalien, wenn durch eine unvollkommene Publication und
dadurch, dafs der Erfinder felbft nicht Intereffe daran hat, feine Erfindung überall
zur Einführung zu bringen, die Leute angewiefen find, felbft die Verfuchskoften
nochmals durchzumachen.“ Nur dadurch ift dasFabriksgeheimnifs, „welches durch
feine Ueberwucherung die Induftrie um Jahrhunderte, vielleicht um Jahrtaufende
zurückgebracht hat, zu befeitigen und auszurotten“.
Die Entschädigung des Erfinders durch befondere Staatsbelohnungen oder
Gratificationen wurde abgelehnt, weil, wie Friedrich H offmann aus Berlin fehr
richtig erklärte, man es keinem rechtlichen Menfchen zumuthen werde, „dafs er
für feine reelle und rechtfchaffene Arbeit die Gnade einer Gratification erbettle,
dafs er da, wo fich andere auf ihr gutes Recht ftützen, die Hand ausftrecken foll,
um eine Gabe aus Gunft zu empfangen.“ Und möchten wir hinzufügen, wie wir
diefs fchon in unferer Betrachtung der Patentgefetzgebung gethan, weil es für
die Gnade oder ftaatliche Auszeichnung kein Mafs gibt und fchliefslich jede
Erfindung, weil fie in den Rahmen des allgemeinen Anfpruches pafst, von vorne