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Volltext: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

überzogen, dass man nirgends eine 
, Fuge, eine Naht oder ein Fältchen 
V wahrnimmt, dass mannur aus winzigen 
Schlüssellöchem zu folgern vermag, 
dass da und dort die geheimnisvollen 
Flächen attrappenartig sich zu Laden 
und Schränken erschliessen lassen. 
Die wahrhaft phänomenale tech- 
nische Vollendung, die jede Arbeit 
Bugattis zu einem handwerklichen 
Meisterwerk stempelt; die entzückende 
Feinheit der ägyptisierenden Kreis-, 
Palmetten- und Streublumenorna- 
mente, mit denen er mit der staunen- 
erregenden Präzision eines mittelalter- 
lichen Miniaturisten seine Erzeugnisse 
über und über bemalt, den warmen 
Elfenbeinton des Pergaments durch 
Gold und zarte harmonische Farben 
festlich belebend; das sichere Schön- 
. heitsgefühl, das seine Hand bei den 
Ausstellung in Turin, ffel und Messer, grosszügigen: schwungvollen Kon- 
Silber und Elfenbein, von der „Guild of tufgn seiner bizaffgn Schöpfungen 
Ha"di"af""L""do" leitet; die unleugbare Begabung für 
monumentale Einheitlichkeit der deko- 
rativen Wirkung, die selbst aus seinen sinnlosesten Werken spricht; die 
geradezu ins Humoristische gesteigerte Exzentrizität seiner Einfälle; die heitere 
Bonhomie seines persönlichen Wesens: all dies hat mich anfänglich hoffen und 
glauben lassen, dass dieser zweifellos hochbegabte Künstler sein Publikum 
zum Narren hält. Dann hätte gerechte Kritik, hätte die Ausreifung der 
modernen Bewegung seines I-Ieimatlandes aus dem talentvollen Witzbold 
einen ernsten Künstler machen können. 
Leider aber liegt die Sache anders. Bugatti hält sich selbst zum Narren. 
Er ist mit dem ganzen kindlichen Fanatismus des echten Künstlers felsenfest 
überzeugt von der Richtigkeit seiner ästhetischen Grundprinzipien, von dem 
Berufe der Kunst, die „banalen, konventionellen" Formen zu verhüllen, die die 
Vernunft den Erzeugnissen des Handwerks diktiert! Da er überdies, so un- 
glaublich es auch klingen mag, Leute gefunden hat, die offenbar in ihm den 
wahren Messias des modernen Kunsthandwerks vermuten und seiner ab- 
surden Richtung materielle Grundlage bieten, scheint Bugattis bedeutende 
Kraft der Entwicklung der italienischen Moderne, zunächst wenigstens, 
verloren bleiben zu sollen. 
Dagegen verspricht R. Mainella, der junge Zeichner des Venezianer 
Hauses Salviati, Jesurum 8: Co. Ltd., für das moderne Kunstgewerbe speziell 

	        

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