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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 1)

tiefgehöhltem Faltenwurf; ein kostbares Bruchstück des Parthenonfrieses (obere Hälhze 
zweier Pferde und eines reitenden Epheben; eine bacchische Tänzerin von schönstem 
Schwung; mehrere interessante Torsos (Niobide? Herakles); eine marmorne Epheben- 
inschrift. Sehr dekorativ ist eine kolossale weibliche Sitziigur 
(Sabina?), desgleichen zwei mächtige Isis-Statuen, die eine 
I '  - ' aus schwarzem und gelblichem Marmor (später als „Venezia" 
I mit dem Bucentoro bereichert), die andere durch ihre „jüdi- 
' I - ' I schen" Züge auffallend, worauf sich auch eine Renaissance- 
. - ' Inschrift bezieht. Ferner ein Standbild des Augustus als 
' ' ' . ' Pontifex, in späterer Zeit mit Stab und Schale aus vergol- 
detem Holz ausgestattet. Zwei prächtige römische Marmor- 
sarkophage (Raub der Proserpina, Löwen- und Antilopenjagd) 
I 9 Q ' sind trefflich erhalten. Ebenso einige antike Porphyrvasen. In 
der Säulenhalle wimmelt es von römischen Büsten und allerlei 
X.ß w" klassischen Fragmenten. Eine etruskische Aschenkiste in 
I s Alabastermarmor hat ein energisches Relief des Char0ns- 
' 7!" I 
nachens. Die Renaissance tritt imposant in dieses Ensemble 
I N ein. Ein meisterhaft mit Rankenornament geschmückter 
Wandsarkophag und eine figurengeschmückte Marmorbor- 
Dgkoraüve Smdgegrachkuß, düre aus Palazzo Venezia sind Hauptstücke. In den Kabi- 
Salzburg) netten enthalten Glasschränke massenhafte Anticaglien jeder 
Art; auch Glas und Edelmetall. Die römischen Ausgrabungen 
aus Ödenburg hat der Erzherzog selbst gesammelt. Ein Kabinett christlicher Kunst, vorn 
Bildhauer Costenoble wirksam arrangiert, enthält Stücke ersten Ranges, namentlich an 
der Altarwand mit der großen Nische, in der ein frühitalienisches, zierlich poly- 
chromiertes Triptychon mit Reliefs aus dem Leben der heiligen Barbara Bewunderung 
erregt. Dann folgen große Säle voll erlesener Prachtstücke aus den letzten vier Jahr- 
hunderten. Eine Sammlung üppig ornamentierter Kaminsimse und die von Elfenbeinreliefs 
strotzenden venezianischen Brautkassetten, eine virtuos modellierte Bleischüssel mit Krug 
und so weiter stammen aus der Renaissance. Eine Sammlung von geschnittenen Halbedel- 
steinen, darunter viele Porträts, gibt Schaustoff für Stunden. Die Prachtphantasie der 
Barock- und Rokokozeit läßt Tafelaufsätze und andere Schmuckstücke aus Bernstein, 
Bergkristall, Korallen und anderen Edelstoffen erstehen, deren virtuose Arbeit alle 
Anerkennung verdient. Ein elfenbeinerner Bischofsstab von reichern Farbenschmuck 
schlägt die byzantinische Note an. Noch aus der Empirezeit ist ein kolossaler Tafelaufsatz 
in luxuriösem Piranesi-Stil zu bewundern (ein ganzer Zirkus Maximus mit Wagen- 
rennen, die Spina mit lauter modellartigen architektonischen Objekten aus kostbaren 
Stoffen besetzt). Und dazwischen an allen Wänden, auf und in allen Schränken 
mannigfachste Kleinkunst in allen Materialien, Techniken und Zeitstilen. Ein Pan- 
orama von Kunst und Kuriosität, von dem ein kurzer Überblick gar keinen BegriFi 
geben kann. 

	        

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