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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

Händler ganz Europa systematisch durchstöbert hat! Mit der Mode der 
Scheinantiquitäten geht es rasch zu Ende. Das Publikum ist ihrer über- 
drüssig und will nichts mehr von Jakobäischen Nachahmungen, gefälschten 
Chippendale und maschinenmäßig hergestellten Sheraton wissen. Die Ein- 
flüsse einer gründlichen Erziehung tragen das ihrige zu diesem Umschwung 
bei. Dutzende von nützlichen Nachschlagbüchern sind in den letzten Jahren 
diesem Gegenstände gewidmet worden und helfen mit, den Pfad des Fabri- 
kanten von Imitationsmöbeln dornig zu gestalten. Die Folge davon ist, daß 
es nicht an Zeichen fehlt, daß eine stets wachsende Nachfrage nach neuem 
Mobiliar von sinngerechtem Entwurf und gesunder Zimmerei und Tischlerei 
geschaffen worden ist. Daß das Angebot der Nachfrage folgt, ist nur ein 
natürlicher Schritt der Entwicklung. 
Aus den Entwürfen der „Wood I-Iandicraft Society", welche in letzter 
Zeit ihren Namen in Elmdon St Co. verändert hat, klingt die neueste Note 
des Möbels und der architektonischen Holzarbeit. Der leitende Direktor, 
Mr. Arthur ]. Penty hielt mit seinem Mitarbeiter Mr. Charles Spooner vor 
kurzem eine Ausstellung in den Räumen des Londoner Alpine Club. Diese 
künstlerische und geschäftliche Verbindung hat zu sehr gelungenen Resul- 
taten geführt. Beide Künstler haben sorgfältig die Auswüchse der soge- 
nannten „Art Nouveau"-Bewegung vermieden und basieren ihre Möbel auf 
die gesunde Konstruktion des altenglischen Mobiliars einer Zeit, in welcher 
die Zimmerei und Tischlerei noch nicht durch den modernen Wetteiferungs- 
geist der billigen Herstellung beeinHußt war. 
Mit Berücksichtigung des feuchten Klimas Englands haben Penty und 
Spooner das geeignetste Holz mit großer Sorgfalt gewählt und dasselbe 
praktische Verständnis zeigt sich in der Wahl der Formen für Gegenstände, 
die in erster Hinsicht auf Nutzbarkeit bestimmt sind. Omamentale Ver- 
zierung um ihrer selbst willen ist bei den Entwürfen Pentys und Spooners 
von sehr geringer Bedeutung. Nach ihrer Auffassung - und diese ist sicher- 
lich die einzig richtige - muß jedes Möbelstück vor allen Dingen genau 
dem Zwecke angepaßt sein, für welchen es bestimmt ist. Die Tische befolgen 
die vom gesunden Hausverstande vorgeschriebenen Regeln. Die Sessel 
gewähren jedem, der sie benützt, das Maximum an Bequemlichkeit. Alles 
beruht auf Konstruktion und für oberflächlich angefügte Dekorationsmotive, 
Furnierbretter und dergleichen ist in der Werkstatt dieser Kunsttischler 
wenig Platz. Man kann wohl ohne Übertreibung und ohne dem kritischen 
Urteil Gewalt anzutun, sagen, daß diese Möbel für die Nachwelt gemacht 
sind. Ohne Politur und ohne irgend welchen abscheulichen Fimis gehen sie 
aus den Händen ihrer Macher hervor, um von ihren Eigentümern durch 
Jahrhunderte hindurch jene liebevolle Behandlung durch Reiben mit Leinöl, 
Bienenwachs und Terpentin zu erhalten, um jene Patina zu erlangen, welche 
nur die Zeit den schönen alten Schöpfungen des Holzkünstlers verleihen kann. 
Man mag wohl Penty und Spooner Mangel an Originalität in der Erfin- 
dung neuer Formen vorwerfen. Und der Vorwurf wäre nicht ganz ungerecht.
	        

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