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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

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Vorne sind die Wappen von Sir James und Lady Colquhoun sowie 
die der Urquhart-Familie und der Stadt Helensburgh, auf durchsichtigen 
Emailschilden unter vergoldeten, von den Silberfedem einer Taube beschat- 
teten Bekrönungen. Die Widmungsinschrift bildet eine reiche gotische 
Umrahmung und an den Ecken geben die elfenbeinernen Stützpfeiler einen 
architektonischen Abschluß. Am Dache sind Paneele aus grüner Fiji-Muschel 
in Silber gefaßt. Außerdem sind noch Verzierungen aus strickartig ge- 
wundenem, vergoldetern Draht, während die beiden Giebel mit in silberne 
Rebenblätter gefaßten Chrisoprasen gekrönt sind. In der photographischen 
Wiedergabe sieht speziell die Vorderwand etwas verworren aus. In Wirk- 
lichkeit hilft der reiche Charakter der verschiedenen Materiale die Motive 
auseinanderhalten. Allerdings ist die Rückwand bei weitem der gelun- 
genste Teil der Kassette. 
DIE NATIONAL COMPETITION 1905 S0 
S ist das unvermeidliche Schicksal jeder direkt 
unter einer Regierungsbehörde stehenden Insti- 
tution, mit besondererSchärfe kritisiert zu werden. 
So ist es denn auch mit der großen Schule für 
Kunst und Kunsthandwerk in South Kensington 
und den damit enge verbundenen Provinzial- 
Lehranstalten. Das System, dem diese Anstalten 
unterworfensind, hat seinZentrum imUnterrichts- 
ministerium. Seine Vor- und Nachteile sind bereits 
bei einem früheren Anlasse in „Kunst und Kunst- 
handwerk"besprochen worden und brauchen des- 
halb kaum wieder aufgezählt zu werden. Die bloße Tatsache der Staats- 
kontrolle genügt den gewohnheitsmäßig Unzufriedenen, die in den verschie- 
denen Schulen erzielten Resultate zu schmälern und anzugreifen. Dem einen 
sind sie zu schablonenmäßig und konventionell, dem andern zu exzentrisch 
und gesucht. Jeder Findet etwas zu tadeln, und das System und die Zentral- 
behörde sind natürlich für alle Fehler verantwortlich. 
Die willkommene Gelegenheit für diese Angriffe bietet die jährlich wieder- 
kehrende Ausstellung der „National Competition" der erwähnten Kunst- 
schulen. Die preisgekrönten Skulpturen, Zeichnungen und Entwürfe - es 
sind ihrer ungefähr 750 - stellen allerdings das Beste dar, was die Schulen 
zu bieten haben; da jedoch die erfolglosen Objekte überhaupt nicht zu sehen 
sind, kann man sich nur aus dem Erlesenen ein Urteil bilden. Und da will es 
mir doch scheinen, daß das ewige Murren und Nergeln schlecht angebracht 
ist. Der Durchschnitt der preisgekrönten Arbeiten ist nicht nur nicht ver- 
werflich, sondern steht auf überraschender Höhe. Man rnuß bedenken, daß 
die Entwürfe nicht das Werk gereifter Künstler, sondern tastender Schüler 

	        

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