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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

 
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Waren, die er bezeichnet, aus dem Orient. 
Der Hinweis auf den russischen Namen 
Murava für glasierte Waren hat keinen 
Sinn, denn dieser bedeutet nichts anderes 
als Moravia, Mähren, und diente ursprüng- 
lich wohl zur Bezeichnung des glasierten 
irdenen Geschirres, das in Mähren erzeugt 
und über Schlesien, Ungarn und Polen 
Antike Glasschale aus dem Funde von Sackrau nach Rußland verkauft wurde. Dlß beiden 
b" B""S"" Hauptquellen, auf welchen die Forschung 
über die Murrinen beruht, sind Properz und Plinius. jener läßt in einer seiner 
Elegien eine Kupplerin auftreten, die ein Mädchen durch kostbare Geschenke, 
dem besten, was Rom zu bieten vermag, zu betören sucht: „Seu quae palmi- 
ferae mittunt venalia Thebae, murreaque in Parthis pocula cocta focis,""' 
„sowohl durch Waren, die das palmenreiche Theben sendet, wie durch mur- 
rinische Gefäße, die in parthischen Öfen gebrannt sind". Danach erscheint 
Parthien, oder im weiteren Sinne das zu des Dichters Zeiten von Parthern 
eingenommene Persien, als Heimat- und Ursprungsland der Gefäße und diese I 
als ein Erzeugnis des Schmelzofens, sei nun Metall, Ton oder Glas gemeint; 
das bleibt unbestimmt. Gewiß ist nur, daß die Murra damit nicht als ein fos- 
siles Produkt bezeichnet wird. Eine andere Stelle bei demselben Dichter 
lautet: „Sit mensae ratio, noxque inter pocula currat. Et crocino nares 
murreus unguat onyx?" Sie sagt uns nichts Näheres über die Herstellung, 
deutet jedoch an, daß aus Murra Salbengefäße, Balsamarien mit onyxartiger 
Musterung erzeugt wurden. 
Weit ausführlicher beschäftigt sich Plinius im 37. Buch seiner großen 
Naturgeschichte mit ihr. Zuerst berichtet er über ihre Einführung in Rom, 
ihre Verbreitung und außerordentliche Wertschätzung: 
„Eadem victoria primum in urbem murrina invexit, primusque Pom- 
peiius capides et pocula ex eo triumpho Capitolino jovi dicavit, quae pro- 
tinus ad hominum usum transiere, abacis etiam escariis vasis inde expeditio; 
et crescit in dies eius rei luxuria. Murrino LXX H S. emto capaci plane ad 
sextarios tres calice potavit ante hos annos consularis ob amorem adroso 
margine eius ut tamen iniuria illa pretium augeret; neque est hodie murrini 
alterius praestantior indicaturaßll": „Derselbe Sieg (das heißt der des Pom- 
pejus über Mithridates, von welchem schon in den früheren Kapiteln die 
Rede war) führte zuerst die murrinischen Gefäße in die Stadt ein und Pom- 
pejus weihte zuerst nach diesem Triumph dem kapitolinischen Jupiter 
Henkelbecher und Trinkgefäße aus diesem Stoff, welche alsbald in den 
Gebrauch der Menschen übergingen und sogar für Prunktische und EB- 
geschirr Beifall fanden. Der Aufwand darin wächst von Tag zu Tag, so daß 
ein murrinisches Gefäß, ein Pokal, welcher höchstens drei Sextarien hielt, 
für 70.000 Sesterzien verkauft wurde. Aus diesem trank vor einigen Jahren 
" Properz, Elegien IV, 5, 26. - '" ibd., III, 8, 2:. - '" Plinius, I-Iist. nah, 37, 7.
	        

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