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Volltext: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 6 und 7)

modelliert, wie sie ganz ähnlich in der Art, wenn auch nicht in der Aus- 
führung, in Zypern ausgegraben wurden. Die Krieger sind meist mit I-Ielmen in 
den verschiedensten Formen dargestellt (Abb. I7). Wir können Helme aus 
Leder oder die lederne Hirnkappe mit horizontal verlaufenden Bronzebändern 
versteift oder ganz aus Bronzeplatten zusammengenietet erkennen. Sogar 
Vogelschwingen sind in Bronze nachgebildet. Da Kupfer erst im VI. Jahr- 
hundert nach Christi in Japan gefunden wurde, so müssen wir eine ziemlich 
bedeutende Einfuhr von Kupfer, wahrscheinlich in Bandform oder in Glocken- 
form, wie es zahlreich beim Pflügen in der Erde gefunden wurde, annehmen. 
Ferner sind die eigenartigen Tongefäße (Abb. I8), die in großer Anzahl 
ausgegraben sind, sehr charakteristisch. Im Gegensatz zu den steinzeit- 
liehen, prämykenischen Ainosgefäßen sind die runden Formen an Stelle 
des geraden Bodens sowie der hohe Fuß bevorzugt. Ganz besonders merk- 
würdig sind die Gefäße mit mehreren Ausgüssen und die mit aufgesetzten 
kleinen Tier- und Menscheniiguren (h). 
Die Ornamentik aus einfachsten Linien und Strichen, wie sie mit dem 
Fingernagel oder wellenförmig mit dem mehrzinkigen Kamm oder Muschel- 
rand eingraviert sind, steht hinter der reicheren Spiralenornamentik der Ainos 
zurück. 
Die ältesten Gefäße sind wie die steinzeitlichen mit der Hand geformt, 
während die späteren Arbeiten aus den Steingräbem unter koreanischem 
Einfiuß meist die Bearbeitung mit der Töpferscheibe erkennen lassen. 
Wenn wir Umschau halten, wo in der Welt ähnliche Gefäße gefunden 
sind, so müssen wir bis nach Zypern gehen. Dort waren etwa in der Zeit 
vom VIII. bis V. Jahrhundert vor Christi ganz ähnliche Ausführungsarten in 
Mode. Wenn auch nur auf einer Insel, wie Zypern, Arbeiten aus dieser Zeit 
ausgegraben sind, so dürften doch ähnliche Formen im weiten Kulturkreis der 
damaligen Welt allgemein in Anwendung gewesen sein, so finden sich zum 
Beispiel Urnen mit aufgesetzten Figuren im V. Jahrhundert vor Christi in 
Etrurien. Weihgeschenke in Gestalt von Tieren und Menschen waren all- 
gemein üblich, aber die Verbindung mit der Urne für Kultzwecke ist eigenartig 
und hört in Zypern etwa im V. Jahrhundert auf. 
In Etrurien sehen wir noch im V. Jahrhundert vor Christi an Helmen die 
Erinnerung an die einst wagrechten Bronzebänder durch ein Reliefornament 
angedeutet und auf der Trajan-Säule finden wir ähnliche Bänder auf hohen 
Mützen von Barbarenvölkern abgebildet. In Etrurien wurde auch das kurze, 
zweischneidige Schwert mit dem übergelappten Griff, der große Bogen und 
die Stechlanze getragen. 
Somit erkennen wir, daß alle Eigentümlichkeiten dieser malaiischen Ein- 
wanderer dem Kulturkreis entsprechen, der um die Zeit des VI. Jahrhunderts 
am Mittelländischen Meere von Assyrien bis Italien herrschte. Es war die 
Kultur am Ägäischen Meere, welche ich nach dem zufälligen Hauptfundort 
die zyprische Kultur nenne. 
Die Glasperlen und Glasröhren sowie die Verwendung von Arm- und
	        

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