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Volltext: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 12)

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Zeichnung und plastische Wirkung mit den schönsten venezianischen 
Barockspitzen in Wettbewerb treten kann. Wir wissen zwar, daß man heute 
im allgemeinen die plastische Wirkung bei Textilerzeugnissen für keinen 
Vorzug hält; wir müssen aber alte Kunstwerke aus ihrer Zeit beurteilen 
und nicht nach heute geltenden Anschauungen. jedenfalls wird kein un- 
befangen Urteilender sich dem Reize des Stückes verschließen können. Die 
Technik hat, wie angedeutet, mit der des zuletzt beschriebenen Stückes 
Ähnlichkeit, weicht aber von ihr auch ab. Hier ist nämlich die das Muster bil- 
dende Leinwand nicht ausgeschnitten, sondern der zwischenliegende Leinen- 
Kleidereinsatz, gobelinanig in Wolle mit Leinenkene, Grund braun, Ornament weiß, schwarz und grün. Aus 
einem spätantik-ägyptischen Grabe, Originallänge 47 Zentimeter 
grund mit (violettroter) Seide ausgefüllt und tritt dadurch zurück; in der Mitte 
kommt noch Goldstickerei bescheiden zur Anwendung. Die Technik unseres 
Stückes Findet sich wohl auch sonst, aber selten in einem in jeder Beziehung 
so vollendeten Beispiele. Für manche Zwecke lassen sich aus diesem Stücke 
übrigens sicher auch für unsere Zeit nützliche Anregungen ziehen. Nebenbei 
bemerkt, hat das Münchner Nationalmuseum ein Hauptstück des Ornats, 
von dem diese Kelchdecke einen Teil bildet, erstanden. 
Schon oben ist darauf hingewiesen wbrden, wie selten sich ursprünglich 
enger mit den Kostümen verwachsene Stickereien erhalten haben; es war daher 
erfreulich, einen reich gestickten Einsatz zu erlangen, wie erbei Morgenkleidern 
der Damen in der späten Barock- und in der Rokokozeit vom Halse bis zu 
den Füßen zu reichen pflegte. Der Streifen ist in reicher Batiststickerei 
ausgeführt, in der Art des sogenannten point de Saxe; besonders auffällig ist
	        

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