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Volltext: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 2)

11.5 
Weitere strebt. Und Kempfs geschmackvoll ausgefuhrtes Ehrendiplom für den Fürsten 
Liechtenstein macht der Wahl der Genossenschaft alle Ehre. 
SEZESSION. Die XXXV. Ausstellung der Vereinigung hat einen bedeutenden Zug 
durch Iwan Mestrovic, den jungen dalmatinischen Bildhauer, der darin sechzig Werke 
aus letzter Zeit vereinigen konnte. Eine solche künstlerische Kraftäußerung ist selten. 
Mestrovic tritt bereits mit einem Fuße in die Reihe unserer starken Stilisten Metzner und 
Lederer. Er war die letzten zwei Jahre in Paris, wo Rodin sich seiner annahm. Er spürte 
offenbar Natur in ihm. Der ehemalige Wildling ist heute ein Kulturmensch mit höchsten 
Zielen. Ihn treibt es vonjeher ins Mächtige, Monumentale und dabei hat er den spezifischen 
Stoffsinn, die Passion der Hand, im Material zu arbeiten, aus dessen Natur ihm Form 
erblüht.Selbstverständlich ist er durch Rodins 
malerische Plastik hindurchgegangen. Die 
Enormitäten und Abnormitäten seiner „Hel- 
den", „Heroen", „HeldenmütteW, der bloßen 
Köpfe wie der leidenschaftlich bewegten 
Rümpfe, deren Anatomie ins Phantastische 
auswuchert, kommen aus dieser Sphäre der 
dämonisch besessenen Form. Es sind pla- 
stische Abenteuer, romantische Übermöglich- 
keiten, in denen eine Kraftnatur sich austurnt. 
Dabei hat er die Form im kleinen Finger, so 
daß diese Gebilde doch ein organisches Etwas 
behalten und keineswegs willkürliche Schnör- 
kel werden. Ohne Zweifel ist aber dies bei 
ihm nur Übergangsstadium. Bereits hält er bei 
den Griechen, und zwar bei den Parthenon- 
Skulpturen, im Relief wie in der Rundhgur. 
Von Gärung zu Klärung geht sein Weg. An- 
regungen lassen sich deutlich nachweisen. 
Aber ein Nachahmer wird er nicht, alles 
nimmt bei ihm eine Art neuer Urform an, die 
sich dem herben, modernen Stilismus an- 
schließt. Er macht sich keine abstrakte Welt, 
wie Metzner oder Minne, bei denen die Idee 
der Erscheinung oft den Sieg über die Er- 
scheinung der Idee davonträgt, dazu ist er 
zu sehr Naturkind, slawischer Schollensohn. 
Aber auch seine großen glatten Flächen, 
mächtigen Kurven und heftig gewollten Stel- 
lungen oder Bewegungen haben etwas Ab- 
straktes, weil Abstrahiertes, das Element des 
Zufälligen scheint ausgeschaltet. Ein Pracht- 
exemplar dieserArt ist ein kolossaler sitzender 
Frauenakt mit übergeschlagenem Bein, der 
vorigen Sommer schon in München Aufmerk- 
samkeit erregt hat. „Die Erinnerung" nennt 
er das und es gehört zu einer Anzahl großer 
Plastiken („Die Witwen", „Mutter und Kind"), 
die er sich in einen Campo Santo gefal- 
lener Helden hineißdenkt- zu diesem gehört Geschnittenes fatimidisches Glas, X. jahrhunden, in 
denn auch seine Allee von zwölf kolossalen deutscher Bronzemomieiung 
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