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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 4)

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merksam gemacht wurde. Auch hier muB leider betont werden, daß kein großer Name vor 
Enttäuschungen bewahrt. 
Waldmüller hat dieses Werk offenbar in einer Zeit gemalt, wo von ihm die volle 
Beherrschung der Lichtprobleme im Freien noch nicht errungen war. So ausgezeichnete 
Einzelheiten namentlich die Figur des alten Herrn Kerzman zeigt, dem das stärkste Licht 
zugewendet ist, die Figuren wachsen doch nicht alle ganz mit der Landschaü zu einer 
Einheit zusammen und lassen den Eindruck des Erzwungenen nicht vergessen, der durch 
den großen Maßstab verstärkt wird. 
Das Bild bereichert unsere Kenntnis von dem Lebenswerk des Künstlers um eine 
wertvolle Einsicht. Es zeigt den außerordentlichen Drang des Meisters zur Erweitenmg 
seines Könnens. Eine Figurengruppe im Freien zu porträtieren galt im Jahre 1835 sicher 
als ein unerhörtes Wagnis, besonders aber in so großem Format. 
Daß ihm schon damals vieles so gelang, ist wohl höchst erstaunlich. DaB er noch 
manches ungelöst und nicht bewältigt ließ, kann nicht überraschen. Jedenfalls ist das Werk 
von hohem Interesse für die Kenntnis der Entwicklung des Künstlers und Zeuge Kir die 
Kraft seines Auftriebes, der ihn sein ganzes Leben lang beherrschte. - 
DaB er sich selbst vor neue große Probleme stellte und nicht erlahmte, bis er sie 
bewältigen lernte, ist eine der schönsten Seiten seiner Künstlerschaft, die nicht bei 
bequemen Erfolgen beharrte, sondern im Kampfe mit sich und den Zeitgenossen hohen 
Zielen zustrebte. 
GALERIE ARNOT. Moderne Franzosen. Eine gewählte Sammlung guter älterer 
französischer Arbeiten und ein Zimmer voll neuer Arbeiten von Jacques Blanche geben 
bei Arnot einen günstigeren Einblick in die französische Malkunst unserer Zeit, als es dies- 
mal Miethke gelang. 
Wenn man die Ralfaellis, und mehr noch, wenn man die Arbeiten Boudins sieht, die 
nun schon ein halbes jahrhundert alt sind, begreift man die außerordentlich hohe Malkultur, 
die nun seit zwei Generationen von Frankreich aus die Malerei beherrscht. 
In Paris hat man bereits zu einer Zeit den geschmackvollen Naturausschnitt, die 
feine Tonempfindung, den reizvollen malerischen Vortrag gepflegt, als man überall anders 
noch in gegenständlicher Kleinmalerei oder in der akademischen Atelierkunst befangen 
war. Und stets hat die Gegenwart guter alter Meisterwerke in den Galerien die französischen 
Künstler davor bewahrt, den Boden ernster Kunstanschauung zu verlieren. 
Interessant ist auch an Bildern von Blanche, die dieser Künstler während der 
Krönungsfeierlichkeiten in London malte, zu erkennen, wie ein Talent in Paris auch nach 
einigen inhaltslosen Arbeiten zu einer edleren Auffassung seiner Kunst zurücklindet; wie 
gut sind wieder diese lebendigen Straßenausschnitte, diese feinen Strandbilder im Vergleich 
zu früheren Arbeiten des Künstlers, den ein mondäner Erfolg zeitweilig verflachte. 
Auf dem Gebiete der Malerei hat die Pariser Atmosphäre offenbar noch immer jene 
veredelnde Kraft, welche sie in Architektur und Kunstgewerbe verloren zu haben scheint. 
HELLER zeigt Arbeiten von Katharine Schaffner; graphische und textile Arbeiten. 
Ihre Graphik stützt sich auf die symbolisierende und Stimmung machende Kraft der 
Linie. Sie geht vom Tier- und Püanzenstudium aus und steigert den Extrakt einerseits zu 
Rhythmen, die bestimmte Empfindungen und Gedanken auslösen sollen, andrerseits zu 
grotesken Karikaturen, die charakterisieren und symbolisieren; ein Weiterspinnen der 
Empfindungslinie. Manches glückt ihr dabei, manches versagt, vieles wirkt wie eine Re- 
miniszenz aus vergessenen Strebungen der Jugendkunst. Am besten gelingt ihr das Über- 
tragen dieses Linienkultus auf das textlile Gebiet, auf Batik, Stickerei und so weiter. Hier 
hilft ihr Farbengeschmaek mit, reizvolle Arbeiten zu schaffen, denen kein tiefer Sinn unter- 
geschoben werden kann, die durch sich allein wirken.
	        

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