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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 8 und 9)

was auch nicht zu verwundern ist in einer Epoche, wo die Kunst der schönen Bewegungen 
wieder voll zu Ehren kommt. Die Figur in Stein von Marius Cladel ist durch den 
Rhythmus ihrer Schönheit beinahe auf der Höhe eines antiken Kunstwerkes. „Fin de 
Danse" von Fournier des Corats ist eine überzarte, aber reizende Gestalt. Sehr hübsch 
auch die griechische Tänzerin von Cesar Battaille, ebenso die „Charmeuse de Serpents" 
von Laudowski. Die überraschte Nymphe, ein Motiv für ein Bassin, von Boisseau ist ein 
hübsches Dekorationsstück, die Tänzerin mit dem Schleier von Emile Carlier eine ehren- 
werte Leistung. Die Mulattin, die mit ihren Amuletten spielt, von Andre Huguenin, hat 
sehr schöne Formen. Eine Bacchantin von Marius Sain zeichnet sich durch ihre tollen 
Gebärden aus. Zu den besten unter den hübschen weiblichen Gestalten gehört der Frühling 
von Henri Schmid und eine entzückende kleine Marmorstatue „Premier Frisson" von 
dem Italiener Erio Sighieri. Die Salome von Petit Prieu besitzt zwar eine perverse Anmut, 
doch tritt sie nicht als Tänzerin auf, sondern vertieft sich in einem grausigen Kuß auf das 
Haupt des Johannes. 
Die Porträtbüsten sind in so großer Anzahl vorhanden, daß es nicht möglich ist, sich 
mit denselben eingehender zu befassen. Für die Künstler und ihre Modelle ist es jedenfalls 
von Bedeutung, daß diese Arbeiten die Weihe des großen Salon erhalten haben. 
An Monurnenten für berühmte Persönlichkeiten wäre noch die angenehm schlichte 
Erscheinung des Gelehrten j. H. Fabre von Felix Maurice Charpentier zu erwähnen. 
Berlioz von Desca ist etwas weniger sympathisch; der Racine von Allouard sieht gar 
Hatterhaft aus. Der „DenkerkopW, ein riesiges Haupt, das aus einer Bartfiut in einem 
Steinblock herauswächst, ist nach den Zügen Tolstois gearbeitet, und zwar von einem 
russischen Künstler, Akon Gurdjan. Dem Andenken des hervorragenden Staatsmannes 
Waldeck-Rousseau ist ein großes Denkmal gewidmet; es stellt die Arbeit unter dem Schutz 
der Beredsamkeit dar. Dieser an sich gute Gedanke wurde aber nicht mit dem erwünschten 
künstlerischen Schwung ausgeführt. Das Werk Charles Picards gehört in die Kategorie 
jener Dinge, wo die Tat nicht durch die gute Absicht zu entschuldigen ist. 
Ein elastisch schreitender mächtiger Eisbär von Harry Perrault ist eine der ange- 
nehmsten Erscheinungen unter den Bewohnern des Grand Palais. Nicht weit davon ist 
ein Löwenpärchen, eine naturgetreue Schöne Arbeit, „Quietude" genannt, von Merculiana. 
Interessante naturgeschichtliche Eindrücke finden wir in den kämpfenden Pelikanen „Prise 
de Bec" von George Lhoste und in der Bronzegruppe von Öscar Waldmann, die einen 
Tiger im Streit mit einem Krokodil darstellt. Sehr gut sind auch die Pferde von GeoiTroy 
de Ruille. Ein entzückender chinesischer Hund in gelblichbraunem Marmor von Georges 
Gardet verdient seinen Ehrenplatz auf einem Sockel gegenüber dem Haupteingang. 
Einiges, vieles sogar, wäre noch zu besprechen, ich will nur da und dort noch ein 
paar Werke aufzählen, welche das Publikum besonders bemerken wird: „Au Pilori", eine 
gefesselte Frauengestalt von Bernstamm, der empörte Sklave, eine ergreifende Figur 
von Cacheux; ebenso ein alter Bettler, lebensgroße Statue aus Eichenholz, „Supplication" 
genannt, von Le'on Morice. „L'Orphelin", ein schluchzendes Kind mit einer alten Frau 
von Theo Herve, ist ein rührender Anblick; in derselben Kategorie „l'Adieu", eine 
winkende Frauenhgur von Kinsburger. „Zwischen gestern und heute" stellt in anmutiger 
Weise drei Generationen dar (Edith I-Iowland). „Ideal" von Jose Terenzio Endet auch viel 
Bewunderer. 
In der Abteilung für Medaillen und Statuetten wimmelt es von wirklich guten 
Sachen, wodurch es sehr schwer ist, aus dieser Menge nur einiges hervorzuheben. Die 
Statuetten aus Halbedelsteinen von Tonnelier und von George Lemaire fallen besonders 
auf, ebenso die ganz vorzüglichen Medaillen von Tony Szirmay. Unter den sogenannten 
angewandten Künsten ist viel wertloser Kram, der eigentlich in den Rahmen des Salons 
nicht hineinpaßt. Das Meiste davon ist auch in den Seitengängen ziemlich geschickt ver- 
steckt. Einige Vitrinen mit wirklich schönen Sachen sind in der Nähe des Hauptaufganges 
in die oberen Säle aufgestellt und verdienen alle Beachtung. Es sind dies die äußerst 
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