MAK

Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

493 
Wie wir sehen werden, erklärt sich die wirtschaftliche Überlegenheit 
der schweizerischen Banderzeugung aber nicht zum geringsten Teile aus 
dem von Anfang an fast ungehinderten Gebrauche des Mühlstuhls; durch 
Benützung der Wasserkräfte, durch ein ausgebildetes Verlegerwesen, durch 
verschiedene Freiheiten und andere ganz modern anmutende Einrichtungen 
vermochte man dort, wie wir noch zeigen werden, schon früh eine wirkliche 
Großindustrie zu entwickeln. 
Wir dürfen allerdings nicht glauben, daß der Mühlstuhl die anderen 
Vorrichtungen nun völlig verdrängt habe. Er trat wohl vielfach an deren 
Stelle, zunächst aber doch nur dort, wo es sich um einfachere Ware han- 
delte; gerade kunst- 
gewerblich sind die 
Erzeugnisse des Mühl- 
stuhles darum zunächst 
die minder wichtigen. 
In der Zeit, die 
uns vor allem beschäf- 
tigen soll, übrigens 
auch heute noch, sind 
verschiedene Entwick- 
lungsstadien der Stühle 
nebeneinander erhalten 
geblieben, weil jede 
Stuhlart in gewisser 
Hinsicht der anderen 
überlegen sein kann. 
Es ist aber, wie 
angedeutet, bezeicth Abb. 6 bis u. Wiener Rokokobänder (zum Teil mit Gold und Silber). Alle 
in starken Farben auf weißem Grunde, Nr. 7 und 8 auf Silbergrund (letzteres 
nend für  Band" Stück auch mit Gold). (Österreichisches Museum) 
weberei, und wohl aus 
der geringen Breite ihrer Erzeugnisse zu erklären, daß sie sich früher als 
die große Weberei technisch vervollkommnet hat. So sagt Bartschi" vom 
„Wellenstuhl (Posamentierer- oder Band-Handstuhl)": „Dieser Stuhl, dessen 
Erfindung in die Urzeit zurück fällt, ist seiner innern Einrichtung wegen, 
einer der künstlichsten zu nennen, denn, bevor man noch bei den Seiden- 
webestühlen den Zug kannte, hat man auf diesen Wellen schon die schönsten 
und schwersten Dessins in Seiden-, Gold- und Silberstoffen; als: Wagen- 
und Livree-Borden im Gras de tourfü Atlaß und Sammt, Gold- und Silber- 
tressen in sehr geschmackvoller Zeichnung mit einer erstaunenswürdigen 
Schnelligkeit ausgeführt. Auf diesem Stuhl lassen sich alle Figuren, sie 
mögen wie immer beschaffen seyn, wenn die Zahl der Ketten nicht 150, 
und die der Schuß nicht 200 übersteigt, sehr leicht und rein ausführen." 
 
i" Johann Georg Bartsch „Die Vorrichlungskunst der Werkstühle". Wien. 1832. z. Abteilung, Seite x19. 
w: Gmydg-Tgur (Gros de Naples), ripsähnlich wirkender TatTet.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.