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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 12)

Dieses Material besteht zunächst in einer grossen Anzahlßvon ganz 
vorzüglichen Gipsabgüssen antiker Figuren in der Originalgrösse, darunter 
wir den Apoll von Belvedere, die mediceische Venus, den Ilioneus und 
den Torso des Hercules nennen, ferner aus einer noch zahlreicheren Samm- 
lung von Verkleinerungen der berühmtesten Antiken, Gruppen und Figuren 
in verschiedener Grösse, welche der Porcellanfabrik auch praktisch um so 
werthvoller war, als ihr Material und seine Technik sie auf die kleinere 
Plastik hinwies. Mit Recht erkannte sie aber, dass nur das Studium im 
Grossen sie zur vollendeten Gestaltung im Kleinen befähigte. Drittens ge- 
hört dazu eine Anzahl von etwa hundert der berühmtesten Porträt- und 
Idealbüsten des Alterthums in der Grösse der Originale, nebst einigen 
modernen, die noch in einer Anzahl von Verkleinerlmgen Ergänzung finden. 
Sodann können wir noch eine Sammlung von Gemmenabgüssen hierher 
rechnen, welche in den feinen, zierlichen Porcellanreliefs mit weissen Fi- 
guren auf meist blauem Grunde, wie sie zuerst durch Wedgwood aufge- 
bracht wurden, ihre Früchte trug. Von diesen Porcellanreliefs befindet sich 
ebenfalls eine vorzügliche Auswahl nebst einer grösseren Anzahl der dazu 
benutzten Wachsmodelle von Grassi unter dem künstlerischen Nachlass 
der Porcellanfahrik. Endlich dürfen wir zum Studienmaterial wohl auch 
eine Anzahl von Abgüssen plastischer Werke der Renaissance rechnen, 
unter ihnen den iiiegenden Engel von Fiamingo. 
Fragen wir weiter nach den Bestandtheilen dieses Nachlasses und 
schauen wir uns zuerst nach den plastischen Gegenständen um, auf welche 
die Porcellankunst des I8. Jahrhunderts nach dem Geschmack der Zeit 
einen grösseren Werth legte als die Gegenwart, so finden wir eine höchst 
bedeutende Anzahl Miniaturgruppen und Einzeliiguren aus Biscuit, ge- 
brannter Erde oder Gips, welche theils, und zwar zum grössten Theil, von 
den Künstlern der Porcellanfahrik, zumal von Grassi, geschaifen worden, 
oder auch Nachbildungen und Verkleinerungen berühmter plastischer Kunst- 
werke der neueren Zeit sind. Sie gehören meist jener antikisirenden Kunst- 
richtung an, deren Führer in der Plastik Canova war, welche ja auch 
mit der erwähnten Blüthezeit der Wiener Porcellanfabrik zusammentriiit; 
manche aber athmen auch noch den leichteren, kokett graziösen Geist des 
Rococo, in welchem die Meissner Fabrik einst durch zierlich feine Gruppen 
ihren Ruhm errang. 
Diese Sammlung erhält eine Ergänzung durch die originalen Wachs- 
modelle, davon sich noch eine so bedeutende Zahl erhalten hatte, dass 
nur eine Auswahl des Besten an das Museum übergehen konnte. 
Wie uns dieser plastische Nachlass allseitigen Aufschluss über die 
Ziele und Bestrebungen der Porcellanihbrik nach dieser Richtung hin 
giebt, ebenso vermögen wir uns aus einer noch zahlreicheren und mannig- 
facheren Hinterlassenschaft von Malereien und Zeichnungen einen Begriff
	        

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