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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 28)

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land sehr anziehend. In Bezug auf die Art der Verwendung der Kunst- 
form und Ornamentation liessen sie gewisse nicht uninteressante Paral- 
lelen zur heutigen Kunstindustrie des Reiches ziehen, worauf wir später 
zurückzukommen gedenken. Die mitunter riesig grossen Gefasse und 
Geräthsehaften aus der Zopfzeit unter dem Einfluss dieses alle Eigen- 
thümlichkeiten nivellirenden Styles entstanden, vermochten nur durch die 
Menge des aufgewendeten edlen Materiales zu imponiren. Costümge- 
schichtlich höchst bedeutend war eine Sammlung von Rüststücken, na- 
mentlich Heimen, zum Theile sehr frühen Datums aus dem lO. bis 
14. Jahrhundert, aus Zeiten, aus denen nur äusserst wenig Originale cr- 
halten und kaum in den grössten Sammlungen Europe's zu finden sind. 
Nicht minder bedeutend war eine Auswahl altirliindiseher Kunst- und 
Gebrauchsgegenstände. Thonbildnerei und Miniaturmalerei des 18. Jahr- 
hunderts waren gut vertreten, ebenso wie die Leistungen der einheimischen 
Kupferstecherschule, an deren oft mehr als gerechten Werthschätzung das 
Natioualgefühl seinen guten Theil hat. Im Ganzen zeichnete sich die 
englische Histoire du travail durch klare und verständnissvolle Anordnung 
in hohem Grade aus. 
Ich muss darauf verzichten, auch nur einigermassen genügend den 
Reichthum und die volle Bedeutung der französischen Histoire du travail 
- ohne Zweifel ein Glanzpunkt der gesarnmten Ausstellung - schildern 
zu wollen. In neun zum Theile imposant grossen Sälen war ein voll- 
ständiges Bild der kunstgewerblichen Thätigkeit Frankreichs von mehr 
als sechs Jahrhunderten entrollt und durch die herrlichsten Hervorbrin- 
gungen eines Weltalters dargestellt. In der That mochte man sich des 
Bedauerns nicht erwehren, dass diese herrliche für manchen Zweig ge- 
radezu lückenlose Ansammlung in wenigen Wochen wiederum dem Zer- 
streuen anheimfallt. Beginnend von den ersten Spuren menschlicher 
Thätigkeit, die in noch ungemessene, durch keine Kunde geschichtlicher 
Ueberlieferung erleuchtete Zeiträume fallen, treifen wir schon hier auf 
überraschend gelungene Versuche bildlicher Darstellung, leicht erkennbare 
und in den Hauptlinien scharf aufgefasste Thierportriits eingegraben auf 
Thierknochen. Weiterhin die Reste der sogenannten Broncezeit und end- 
lich das Erscheinen der Römer auf gallisehem Boden. Besonders zahl- 
reich und zur Befriedigung aller schon verfeinerten Lebensbedürfnisse 
bestimmt sind die Gegenstände, welche die Römer als sichtbare Spuren 
ihres Einflusses auf gallische-m Boden zurückgelassen hatten, hier ver- 
treten. Mit einer nicht verkennharen Sorgfalt war diese Partie zusammen- 
gestellt, wohl um gewissen in höchsten Kreisen Frankreichs getriebenen 
Liehhabereien entgegenzukommen. Wie aber die Römer ihre Sitten und 
Gewohnheiten überall hin unverändert verpflanzten, so tragen auch die 
Reste aus dieser Zeit beinahe ausschliesslich nur den römischen Charakter 
und wir können sie daher hier um so eher übergehen, als sie, wie ich
	        

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