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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 27)

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satz gegen die kolossslen französischen, die Lssteyrie nur tours de force nennt, ein Ur- 
theil, das wir völlig unterschreiben. „Diese aber", die Lobmeyfschen, sagt er, „sind wahr- 
haftß Kunstwerke von höchster Eleganz, vom reinsten Geschmack und man kann nicht 
genug ihre verständige Composition bewundern, worin Metall und Glas zuru gemeinsamen 
Elfect zusammenwirken, ohne dass eines den Platz des Anderen ungehöriger Weise 
nsu irt." 
rp In diesem letzteren Punkt, wir gestehen es olfan, stimmen wir nicht ganz mit dem 
französischen Urtheil überein. Diejenigen Lobrneyfschen Arbeiten. in denen Glas mit 
Bronze verbunden ist, scheinen uns im Allgemeinen der Bronze etwas zu viel zu haben. 
Besonders gilt dies von dem g-rossen Tsfeluufsatz nach Hansen's Entwurf, dem Hauptstück 
der ganzen Ausstellung, an dem allerdings auch Lasteyrie den gleichen Fehler (wenn man 
das einen Fehler nennen kann) erkennt; es ist entschieden mehr ein Werk des Bronze- 
als des Glasfabriksnten. „Alle Ueberlegeuheit des Hauses Lobmeyr", sagt ferner Lusteyrie, 
„ündan wir auch in seinem Tafelgerith. Alle seine Krystalle sind weiss, das ist eine be- 
merkauswerths Sache. Material und Arbeit sind von gröestcr Reinheit. Die grössere Zahl 
ist gravirt, vollkommen gravirt in einem Stil, der weniger rein ist als der der eng- 
lischen Krystalle. Man tindet hier reizende Caprizen." Letzteres ist natürlich in französi- 
schen Augen ein bedeutender Vorzug. Der besonderen Anerkennung des französischen 
Archäologen erfreuen sich noch jenes nach Art des Alt-Wiener Porcellaus mit erhabenen 
Golda verzierte Glasgerlth, wozu die Zeichnung ebenfalls von Hausen herrührt, so wie 
der grosse, reich mit vergoldetcm Silber montirte Pocal, der dem sogenannten Corvinus- 
becher nachgebildet ist. Für uns entsteht bei diesem Pocsl das Bedenken. ob es recht ist, 
in der Weise, wie es hier geschehen, die durch den Schlag des Hammers getriebenen Ma- 
tallhuckel in Glas uachzubilden, übrigens der EEect ist reich und gut. 
„Das Ensemble dieser prachtvollen Werke", so schlirsst Lasteyrie sein Urtheil über 
Lobmeyr, „verdiente sicherlich eine Belohnung vom höchsten Bange. Die Herren Lobmeyr 
haben aber nur eine silberne Medaille erhalten." (Und fügen wir hinzu, sogar in der nach 
dem Werthe raugirten Reihenfolge erst die dritte.) „Das ist absurd; uber kann man sich 
wundern über diese Verweigerung der Gerechtigkeit, die so vielen snder en zugefügt wor- 
den von Seiten der sogenannten Specialjurys, die zum grössten Theil aus ohne Zweifel 
sehr shrenwerthen Minnern zusammengesetzt waren, aber Mlnnern, deren Incompetenz in 
Sachen der Kunst mindestens ihrer Ehreuhahigkeit gleichkam im 
Das unterschreiben wir vollkommen. Vom Standpunkt der Kunst - und das ist 
hier der entscheidende - hätte das Haus Lobmevyr die goldene Medaille vor allen deut- 
schen und österreichischen Concurrenten verdient, denn es hat allein, wie wir das schon 
anderswo ausgesprochen haben, die Ehre der böhmischen Glissindustrie gerettet; es hat 
allein das richtige Ziel und den rechten Weg gefunden; es ist sein Streben auf echte 
Schönheit gerichtet gewesen und es ist dabei original und neu geblieben, eine Eigenscbaß, 
die doch sonst das Hsnptmoliv des Urtheils für die französischen Jurors war. Vom Stand- 
punkt der Kunst steht es jedem französischen Glusaussteller gleich, ja Lasleyrie nimmt 
sogar von Lohmeyr die Gelegenheit, den Industriellen seines eigenen Landes anzurufen: 
„Könnten sie doch endlich begreifen, dass man unter dem Vorwande , einen Stuf, der an 
sich so schön ist, bereichern zu wollen, ihn gewöhnlich nur armselig macht, indem man 
ihn ungeböriger Weise mit Schmarotserdecoration überlsdet!" 
Man erinnere sich, was wir über die französische Kunstindustrie in einem früheren 
Artikel gesagt haben, und man wird begreifen, wie ansserordentlich wahr diese Worte 
sind und wie in der That in ihnen das Verderbniss des französischen Geschmacks liegt. 
Doch genug von Lasteyrie und seiner Kritik. Wenn wir uns bei Lobmeyr länger 
aufgehalten haben, als wir bisher bei einem einzelnen Aussteller gethan, so ist es geschehen 
zuerst weil wir geglaubt haben, dass es Pilicht der iißentlichen Stimme sei, ein von der 
Jury begangenen Unrecht wieder gut zu machen, zum anderen galten unsere Worte nicht 
sowohl der Person als der Sache. Wir wünschen eben. dass die Richtung, welche Lob- 
meyr mit solcher Entschiedenheit betreten hat und worin er gegenwärtig bei uns allein 
stehg die allgemeine werde. 
Wir wollen damit dem farbigen Glase für Luxnsgerlth principiell durchaus nicht 
den Stab brechen, aber wenn dasselbe heute noch Bestand haben will, so muss es jeden- 
falls auders werden, als es ist. Selbst das Beste in dieser Art, was die österreichische Ab- 
theilung der Weltausstellung darbietet, ist vor einer strengen Kritik verwerflich. Als zum 
Besten gehörig betrachten wir z. B. die grossen blassrothen Vasen der Fabrik „Meyers 
Hefen", die wegen der Reinheit der Farbe bei solcher Grösse die Bewunderung der Ken- 
ner bilden und deren Malerei, selbst rnit den gewöhnlichen Arbeiten in diesem Genre ver- 
glichen, eine sehr vorzügliche ist. So vorzüglich sie aber such sein mag, zum Werthe und 
zur Höhe eines wirklichen Kunstwerken erhebt sie sich doch nicht. Das Schlimmste aber 
ist, wir wüssten uns wirklich kein geschmackvoll decorirtes und eingerichtetes Zimmer
	        

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