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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 51)

einigen Tagen cohlrenter, fester, widersteht immer mehr iiusseren Eindrücken, wird 
trockener und härter, endlich so hart, dass er nur dem Hammer und der Haus 
weicht. 
Wenn wir nun den unvermischten sandlosen Kalkbrei dagegen betrach- 
ten und sehen, dass er in solchen Schichten zwischen Steine und Ziegel gelegt, 
oder so auf Flächen aufgetragen wie der Mörtel, nur austrocknet ohne cohärent 
und hart zu werden, sondern hröcklig, pnlverig, zsrreihlich wird, und wenig oder 
gar nicht kittet, so liegt nichts näher als zu glauben, dass der Sand hier eine 
Wirkung ausgeübt habe, oder er mit dem Kalk eine Verbindung eingegangen sei, 
der diese Eigenschaft des Festwerdens und Kittens ausschließlich zukommt. 
Wirklich dachte man sich früher das Verhältniss so, obwohl hier eine che- 
mische Verbindung zwischen der Suhstnnz des Sandes und dem Kalk keines- 
wegs vorliegt. 
Fragen wir zunächst: was ist und woraus besteht dieser Kalkbrei oder 
Schmant, aus dem man Mörtel macht, und verändert er seine chemische Natur 
nicht, wenn er in dünnen Schichten sustrocknet, d. h. verliert er einfach Wasser? 
Die Frage müsste leicht zu beantworten sein, wenn man solchen vertrock- 
neten Kalk wieder mit Wasser zerriehe und mit Sand zu einem Mörtel mischtc. 
Thnt man das jedoch, so wird man finden, dass dieser Mörtel seine Eigen- 
schaft, cohärent zu werden und zu kitten, total eingebüsst hat; so wie er trocken 
wird, zerfallt er zu einem pulverigen Gemisch von Kalkstaub und Sand. 
' Daraus folgt fürs erste, dass Kalkbrei oder sogenannter gelöschter Kalk, 
wenn er an der Luft eintrocknet, nicht blos das Wasser verliert, was seine breiige 
Consistenz bedingte, sondern sich auch noch sonst irgendwie chemisch ver- 
ändern muss. 
Wir verstehen diese Veränderung leicht, wenn wir auf die Darstellung des 
Kalkbreies oder des gebrannten Kalks, der ihm zu Grunde liegt, zurückgehen. 
Es gibt ein Metall, das Calcium, welches gelblich, weich und glänzend, mit 
grossrr Affinität zum Sauerstoff und andern nichtmetallischen Elementen begabt, 
sich in der Natur zwar niemals uls solches, gediegen oder regulinisch, aber in 
ganz enormen, kaum berechenbaren Mengen mit Sauerstoff und Kohlensäure vere 
bunden, als kohlensaurer Kalk findet. Ein grosser Theil unserer festen Erdrinde 
besteht aus kohlens. Kalk und andern Calciumverbindnngen, unter welchen letztem 
noch der Gyps oder schwefelsaurc Kalk eine der häufigsten und bekanntesten ist; 
weitere kolossale Quantitiiten Kalk sind mit Kieselsäure oder mit andern Metall- 
oxyden verbunden in der Form sogenannter Silicste auf der Erde vorhanden und 
bilden so die Unterlage unserer obersten Erdschichte oder. erheben sich ibis zur 
Höhe mächtiger Gebirgszüge. 
Es liegt von unserem Zweck nicht allzufern ab, wenn wir untersuchen, auf 
welche Weise diese Kalkverbindungen, besonders der kohlensaurc Kalk, wohl zu 
Stande gekommen sind, wenn wir .uns über ihre geologische Entstehung unter- 
richten, und es mag mir daher gestattet sein, vorerst eine kleine Abschweifung in 
diesem Sinne zu machen. 
Von allen den Kalkverbindungen zunächst, welche wir als Gesteine oder 
Gebirgsmassen auf unserer Erde antreffen, lässt sich chemischerseils nachweisen, 
dass so, wie sie sind und wir sie finden, sie einmal in Wasser gelöst gewesen 
und aus diesem Lösungsmittel abgesetzt oder krystallisirt sein müssen. 
Allein selbst die ungeheure Menge des auf der Erde vorhandenen Wassers, 
wenn es gleich in der Form der Meere v, des ganzen Erdballs bedeckt, würde 
doch nicht ausreichen, diese Quantitäten fester Substanzen auf einmal in Lösung 
zu erhalten, die noch dazu so schwer löslich sind, dass sie schlechthin manchmal 
geradezu unlöslich genannt werden. Und doch liegt darin keinerlei Widerspruch. 
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