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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

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Nach diesen flüchtigen: und nur ganz allgemeinen Andeutungen 
über die Thätigkeit der Fälscher taucht wohl fast von selbst die Frage 
auf: in welcher Weise sich der Sammler der Schädigung durch Täuschung 
erwehren könne. 
Wenngleich die Beantwortung dieser Frage auf den ersten Blick 
große Schwierigkeiten zu bereiten scheint, dürfte sie sich doch im Wesent- 
lichen einfacher gestalten, als gewöhnlich angenommen wird. Hier den 
rechten Weg einzuschlagen, ist leichter als man meint; wie weit dieser 
Weg im einzelnen Falle zum Ziele führen kann, hängt gänzlich von den 
Umständen ab. 
Der erste Schritt zur Besserung der Verhältnisse besteht ohne 
Zweifel darin, das Uebel möglichst gründlich zu erforschen, es möglichst 
genau kennen zu lernen. 
. Nur zu oft glaubte man bis jetzt die Fälschung am besten abzu- 
thun, indem man von ihr, als von einer turpis causa, so wenig als 
möglich sprach. Falsche Scham verursacht gar oft, dass dem Sammler 
jede Aeußerung über eine schlechte Acquisition auf den Lippen erstirbt. 
Dies ist umsomehr zu bedauern, als gerade der private Sammler oftmals 
in der Lage wäre, wissenswerthe Daten zusammenzustellen und zu 
allgemeinem Nutzen zu veröffentlichen, vorausgesetzt, dass ihn ein ent- 
sprechendes Ausmaß fachlicher Bildung in den Stand setzt, die vor- 
kommenden Facten obiectiv und gründlich zu untersuchen. Freilich ist 
er selten genug in der Lage, dies zu thun, und auch der ehrliche, un- 
befangene Verkäufer cursirender alter Kunstwaare ist es gar zu oft ebenso- 
wenig im Stande. War und ist doch allenthalben sogar die Meinung ver- 
breitet, dass Kunstobjecten gegenüber einzig und allein das angeborene 
Gefühl zum richtigen Urtheile verhelfe. Aber gerade dieses Gefühl wird 
nur zu oft getäuscht; schon allein aus dem Grunde, weil man sich in 
unseren Tagen, irregeführt durch manches falsche Vergleichsobject, ge- 
wöhnt hat, Kunsterzeugnisse zu acceptiren, deren Charakter entweder als 
gleißende Anmaßung oder als affectirte Biederkeit zu bezeichnen ist, 
nichts aber von der anspruchslosen Liebe zeigt, die dem besten Kunst- 
werke erst zu wahrhaft poetischem Reize verhilft. 
Da fällt nun in erster Linie den Pflegern öffentlicher Sammlungen 
die Aufgabe zu, in objectiv-kritischer Weise die Wirrsale zu lösen, die 
durch das Fälscherhandwerk hervorgerufen wurden; Wirrsale, die vor- 
nehmlich die klare Anschauung auf dem Gebiete der Kunst- und Cultur- 
geschichte zu trüben im Stande wären, würden sie nicht, wo es nölhig 
ist, beizeiten entfernt. 
Der berufsrnäßige Kenner wird vor Allem die Falsificate zu schätzen 
wissen, wie sie es als Kunsterzeugnisse wirklich verdienen. Zu Gunsten 
seiner Aufgabe studirt er die Fälscherwirksamkeit systematisch, und er 
ist es, der auf diese Weise -- wenn diese Bezeichnung erlaubt sein soll 
- eine Pathologie des Kunstgewerbes schafft; er ist es auch, der bei
	        

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