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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 3)

wir sagen allegorische? - Figuren, welche Trauer um den Verstorbenen: zeigen, die 
sepulcrale Bestimmung des Monumentes klar ausgesprochen. Die vier Seiten des Sarka- 
phagknstcns sind durch jonische Halbslulen in Compartimente getheilt; in denselben 
stehen, an Brüstungen gelehnt, I8 Gestalten trauernder Frauen, einzelne von einer 
geradezu ergreifenden Schonheit in den Motiven, alle bewunderungswürdig in dem maß- 
vollen Ausdrucke des Schmerzes. Das ganze Werk ist eine neue, herrliche Offenbarung 
griechischen Kunstschaßens, die gewiss befruchtend auf unsere moderne Grabsculptur 
wirken wird. Während die Darstellungen auf den zwei bisher besprochenen Sarkophagen 
hellenischem Stoifkreise entlehnt sind, nehmen sie an den beiden anderen Sarkophagen, 
dem sogenannten Satrapen- und dem sogenannten Alexander-Sarkophage, die dem4. Jahr- 
hundert angehören, entschieden Rücksicht auf ungriechische Besteller. Dielelbea waren 
sichtlich persische Unterkonige. Wir sehen sie in Kämpfen mit Griechen, auf der Jagd, beim 
Mahle, thronend. Die Sarkophage werden hier in orientalischem Sinne zu Bilderchroaiken, 
wie die Steinreliefs mit den Thaten der Könige des alten Aisyrienl. Der Fürst, für 
welchen der sogenannte Alexander-Sarkophag mit seinen lebhaft bewegten Schlacht- und 
Jagdscenen bestimmt war, ist ein Gegner und später Unterthsn Alexanders gewesen, wenn 
die Behauptung richtig ist, dass eine in den verschiedenen Scenen wiederkehrende Figur 
die Züge des großen Macedoniers trage. Mit seiner Verbindung von Sculptur und weit- 
gehender, in vollster Frische prangender Bemalun ist der Alexander-Sarkophag ein 
kunstgeschichtlich Neues; wie dieses decorative Meisterwerk das Problem der antiken 
Polychrnrnie zu lösen berufen ist, wird es auch für unsere Kenntniss der Kunst im 
Beginne des hellenistischen Zeitalters der Grundstein werden. 
ln den bisher erschienenen zwei Lieferungen sind die vier Sarkophage entweder 
schon vollständig oder wenigstens so weit abgebildet, dass man sich von ihnen eine 
genügende Vorstellung machen kann. Gespannt darf man auf jene Tafeln sein, welche 
uns die Polychromie des Alexander-Sarkophages vorführen werden. Die Publication ist 
vornehm ausgestattet und des Gegenstandes würdig, wenn auch nicht eleugnet werden 
kann, dass die Heliogravuren über ein befriedigendes Durchschnittsmaß mcht hinausgehen. 
Ms. 
e 
Zum Gedächtnisse Friedrich Schmidts Urtheile und Gutachten aus der 
Zeit seiner Wirksamkeit als Mitglied der k. k. Centralcommission für 
Kunst- und histor. Denktnale. Wien, 1893. Verlag der k. k. Central- 
comtnission. S". Vl, 92 S. 
Ueber Anregung des Schülers Friedrich Schrnidtü, Baurathea Karl Rosner, stellte 
die k. k. Centralcommission dem Letzteren alle jene Geschlfuatücke zur Verfügung, 
welche durch die Hände des dahingegangenen Meisters gelaufen sind, und so entstand 
die vorgenannte Publication. Aus den Referaten Schmidt's über die verschiedenartigsten 
vaterllndischen Bauwerke, deren Gebrechen die Wohlmeinung und den Rath der k. k. 
Centralcommission veranlassten, ist ebensosehr der kundige Fachmann, als auch der an 
den alten Meisterwerken mit Liebe ,und Pietat hlngende Künstler zu erkennen. Ohne 
viele Umschweife in lapidaren Sätzen den Kern der Sache behandelnd, umfassen diese 
Referate einen Zeitraum von 30 Jahren (1860-1890) und betreffen kirchliche und pro- 
fane Kunstwerke aus tt Kronlandern. H-e. 
a 
Die Büchermarken oder Buchdruclter- und Verlegerzeichen. Elsiissische 
B ü c h erma rken bis Anfang des 18. Jahrhunderts, herausgegeben von 
Paul Heitz. Mit Vorbemerkungen und Nachrichten über die Drucker 
von Karl August Barac k. Straßburg, J. H. Ed. Heitz (l-Ieitz ä Mündel), 
1892. Fol. XXXIV, 16a S., LXXVI Taf. Abbild. M. 2770. 
Die der Mehrzahl nach der Glanzperiode der Bücherillustration entstarnmenden 
Buchzeichen, d. h. die zumeist reich verzierten Hausmarken und Symbole von Buch- 
druckern und Verlegern sind vorzugsweise durch die Werke von Roth-Scboltz und Sil- 
vestre, sowie durch Dibdin's Bibliographical Decarneron dem Interesse der Kunstfreunde 
und Sammler näher gerückt worden. Hinsichtlich ihrer Bedeutung als graphische Kunst- 
werke und als Materiale für die Geschichte des Buchdrucks und des Buchhandels haben 
dieselben in der deutschen Litteratur eingehendere Würdigung gefunden durch George 
Roudolph in dem aBürsenblatt fttr den deutschen Buchhandel. 1889, Nr. 15a und 158, 
in A. F. Butsch'a'_Bücherornamentik, Friedrich Kapp's Geschichte des deutlchen Buch- 
handels l, 246 G. und 822 lf., und durch Bruno Bucher in den Blättern für Kunst- 
gewerbe, XVlll, 41 E. Die im Besitze des k, k. Oesterr. Museums befindliche, ca. 400 
Signet: in Einzelblattern zahlende Sammlung von Buchzeichen hat der Referent in aelnem
	        

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