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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 160)

Bestände dieses Institut heute noch, so wäre es wohl inmitten der gegen 
wärtigen kunstgewerblichen Entwickelung Wiens und unter dem führen- 
den Einflusse des Oesterr. Museums zu einem der kräftigsten Stützpunkte 
industriellen Fortschrittes geworden! Möchte man doch in meiner Heimat 
wenigstens aus solchen Erfahrungen lernen, wie vorsichtig man bei Er- 
sparungsmassregeln dort sein muss, wo es sich um productive Aus- 
lagen handelt! 
Berlin, 16. December t878. H. 
Vorlesungen im Museum. 
Hofrath v. Eitelberger eröffnete die heurige Serie der Donnerstag-Vorlesungen 
am t4. November unter grossem Beifalle der zahlreichen Zuhörer mit einem Vortrage 
über wKunst und Kunstgewerbe in Tirol". Eines besonderen Referates über letzteren 
können wir uns enthalten, weil derselbe in diesen Blättern bereits vollinhaltlich zum Ab- 
druck gelangte. 
Am zt. und 28. November folgte Custos Dr. Janitschek mit zwei nicht minder 
beifallig aufgenommenen Vortragen über FDZDIC und die bildende Kunst in Italiens. Er 
schilderte zuerst die italienischen Kunstzustande vor Dante und besprach die Gründe, 
warum alle Versuche, die einheimische Kunst durch den Byzantinismus zu restauriren, 
erfolglos bleiben mussten: weil der byzantinischen Kunst eben die Grundbedingungen 
eines triebkraftigen Kunstlebens, der Natursinn und Individualismus des Künstlers fehlten. 
Dies wurde nicht so schnell anders, obwohl in den Werken des Niccola Pisano und 
Cimabue sich bereits besserer Geschmack Bahn bricht; erst als innerhalb der kirchlichen 
Kreise eine Umwandlung der Anschauung und Stellung zur Natur zum Durchbruche kam, 
und der Reihe nach Mystiker und Scholastiker, Franciscus von Assisi, Johannes Fidanza 
(Bonaventura) und Thomas von Aquino lehrten: ln allen Creaturen ist das Göttliche vorhanden 
und das Siehtbarwerden desselben ist die Schönheit der Creatur. Dr. Jsnitschek erläuterte 
hierauf die Thomasische Definition der Schönheit, beruhend auf dem Verhältnisse der drei 
göttlichen Personen zu einander, und erklarte sodann, wie durch Dante diese neue Natur- 
und Schonheitslehre in das Culturleben der Zeit und die Werkstätte des Künstlers ein- 
geführt ward. Er besprach Dante's Naturlehre, die Analogie der künstlerischen Thatig- 
keit mit der gottschopferischen, das Ziel des Kunstwerks nach der idealen, aber nicht in- 
dividualitätslosen Schönheit, wie im Gegentheil der Künstler das Dasein des dargestellten 
Gegenstandes zu seinem eigenen zu machen habe. Mit dieser Lehre Dante's war das er- 
lösende Wort von der Todesstarre des Byzantinismus gesprochen. Die Umsetzung dieser 
neuen Kunstlehre in künstlerische That fand statt in der Göttlichen Comodie und in den 
Werken Giotto's. An die allgemeine Charakterisirung dieser Kunstwerke schloss sich die 
weitere Auseinandersetzung, dass der Einßuss Dante's nicht erschöpft war im Anstosse zur 
Regeneration des künstlerischen Lebens, dass derselbe vielmehr fortwirkte auf die künst- 
lerischen Steife t. durch das visionire, 2. durch das allegorische Element, 3. durch das 
rein Materielle des Inhaltes der Göttlichen Comodie. Dr. Janitschek sprach dann von den 
Visionen und der Allegorie vor Dante, von dem Einflusse der Scholastik auf beide und 
wie alle diese drei Elemente für die Kunst des Trecento gleich wirksam gewesen, und 
erwies deren weiteren Einliuss auf die Werke Giotto's und seiner Nachfolger, der Meister 
in der Spanischen Capelle in Florenz, dem Campo Santo in Pisa u. s. w., welche weniger 
einen sclavischen Anschluss, als freie Nachschopfung der Dante'schen Schilderung bekunden. 
im 15. Jahrhundert schwand dann jener Einfluss in Folge der Vorherrschaft der antiken 
StoEe, so dass selbst Luca Signorellfs Verhältniss zu Dante als ein rein ausserliches zu 
bezeichnen sei. Erst Michelangelo schuf bei seiner vollständigen Gedankenharmonie mit 
Dante in der Theorie der Kunst in seinem Jüngsten Gerichte das der Gottlichen Comödie 
am meisten congeniale und homogene Werk der bildenden Kunst. Mit der Darlegung des 
Verhältnisses von Tintoretto, der Bolognesischen Schule, von Carstens und Cornelius zu 
der Dantlfschen Dichtung schloss Dr. Janitschek seine ebenso inhaltreichen als form- 
vollendeten Vorträge.
	        

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