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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 10)

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hat, bildet die Publication Schönbrunner-Medefs die nothwendige und 
unentbehrliche Ergänzung zu ersterem Werke. Von Dürer-Schülern 
finden wir vier Blätter Hans Baldungs, drei weibliche Acte und ein Pla- 
netenbild, die Hexe (F) aus der Sammlung des Fürsten Liechtenstein ist 
selbst dem emsigen Grien-Forscher G..v. Terey entgangen und hat in 
der Gesammtausgabe der Handzeichnungen Baldung's keine Aufnahme 
gefunden. Hans Leonhard Schäufelein imponirt durch sein Porträt eines 
jungen Mannes aus der Sammlung Liechtenstein, das früher allgemein 
als Holbein d. J. galt. Beiläufig sei erwähnt, dass dieser Kopf auch in 
Schäufeleids Turnierbild auf Schloss Tratzberg erscheint. Die wHistorie 
von Judith und Holofernesi- von Hans Springinklee, dem Hausgenossen 
Dürer's, wird in Fachkreisen Aufsehen erregen. ln der Nationalgalerie zu 
Budapest galt diese Zeichnung als Burgkmair, die Herausgeber schreiben 
sie aber nach den von Wilhelm Schmidt (Chronik der vervielfältigenden 
Kunst IV, ex 189!) aufgestellten Kriterien von Springinkleäs Kunst- 
charakter diesem zu. Es unterliegt kaum einem Zweifel, dass diese Zeich- 
nung von derselben Hand stammt, wie die Schlachtenbilder der Ehren- 
pforte Kaiser Maximilians, die Schmidt dem Springinklee vindicirt, dann 
sind aber auch die vier Judithbilder. des vbeschlossen gart des Rosen- 
krantz Marie", die vielumstrittenen, weder von Dürer, wie Rieffel und 
Muther, noch von Schäufelein, wie Recensent, noch von Hans von Kulm- 
bach, wie Schmidt meinte, sondern sicherlich von Hans Springinklee; das 
erste der Judithbilder im Rosenkrantz, Band ll, Buch Vl, Fol. 42, ist 
auch das unverkennbare Vorbild des Schlachtenbildes der Ehrenpforte 
Taf. 20, xsein ersten krieg fieng er wol am. Ist dies aber festgestellt, 
dann bekommen wir durch die Holzschnitte des Rosenkraniz (1505) zur 
Biographie Springinklee's, die bisher vollkommen dunkel blieb, neue und 
interessante Aufschlüsse. 
Augsburgs große Schule ist durch drei Holbein's und die aus- 
gezeichnete Zeichnung Jörg Breu's würdig vertreten. Ein glücklicher 
Zufall brachte diese Zeichnung, wdie Geschichte der Lucretiau der Buda- 
pester Nationalgalerie ziemlich gleichzeitig mit der Wiedererwerbung des 
Gemäldes durch die Pinakothek in München, dessen erste Skizze sie ist, in die 
Oeffentlichkeit. Nach mehr als 250 Jahren gelangte die Pinakothek durch Kauf 
in Schweden in den Wiederbesitz des Bildes Breu's, das aus München im 
Boiährigen Kriege von den Schweden geraubt worden Zwar. Zur Bestim- 
mung des Kunstcharakters Jörg Breu's war diese sichere, wohlerhaltene 
Zeichnung von hohem Werthe, und Dr. Dörnhölfer, der sie zuerst richtig 
bestimmte, hat in seiner Publication über Breu in den Jahrbüchern der 
Kunstsammlungen des Kaiserhauses (1897) von derselben den besten 
Gebrauch machen können. 
Frankreich ist hauptsächlich durch die großen Meister des 18. Jahr- 
hunderts, wie Watteau, Boucher, Grenze, Fragonard und Pesne, Italien 
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