MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 5)

373 
erbauer werden vorarischen Stammes gewesen sein; in den Pfahlbauern 
der Steinzeit haben wir wahrscheinlich schon Völker indogermanischer 
Abstammung zu erblicken. 
ln dem Boden ligurischer Höhlen trifft man bis zu neun Cultur- 
schichten, die durch sterile Schichten getrennt sind und von einer ebenso oft 
wiederholten und wieder aufgegebenen Besiedlung des betreffenden Wohn- 
platzes Zeugniss ablegen. Sie reichen bis in die römische Zeit und 
erinnern uns daran, dass römische Feldherren die Ligurer in ihren Höhlen 
ausräucherten, wie es die Franzosen in Algier mit den Kabilen gemacht 
haben sollen. (nLatebras ecrum ignibus sepsit-i, Florus von Cons. Verrius 
Flaccus, 190 v. Chr.) Das Culturbild, welches uns die Funde von diesen 
Troglodyten gewähren, ist nicht arm an charakteristischen Detailzügen. 
Der Mensch war Jäger und Hirte, Sammler essbarer Muscheln und auch 
ein wenig Fischer. Er behängte sich mit Thierzähnen, Conchylien, durch- 
bohrten Steinen, Marrnorringen und auf der Brust mit Eberhauern; er 
besteckte sich den Kopf mit beinernen Haarnedeln und schminkte sich 
das Gesicht und andere nackte Körpertheile mit rothem Ocker. Dazu ver- 
wendete er, wie die ausgestorbenen Guanchen der canarischen Inseln und 
die alten Mexikaner, petschaftförmige Stempel aus gebranntem Thon, 
sogenannte vPintaderasu, wie wir sie auch bei uns in Oesterreich, sowohl 
im Küstenlande als an der Donau gefunden haben. 
Die Fabrication der Knochen- und Steinwerkzeuge wurde in den 
Höhlen selbst beim Scheine der Herdflammeit betrieben, wie die zahl- 
reichen Abfälle, mißlungenen Stücke und Glättinstrumente lehren. Den 
vulcanischen Bimsstein, der sich zahlreich findet, las man nach starken 
Stürmen am Strande auf. Den Feuerstein, der in der Kalkfelsenregion 
jener Höhlen ebenfalls nicht vorkommt, bezog man von der Nordseite 
des ligurischen Apennin oder von weiter westlich gelegenen Fundorten. 
Einige Jadeitbeile wurden fertig importirt. 
Aus Bein machte man Lanzenspitzen, Pfeilspitzen mit Wider- 
haken, Piriemen und andere Werkzeuge, Näh- und Schmucknadeln, aus 
Stein: prisrnatische Messer, polirte Flachbeile, Beilmeißel und ähnliche 
primitive Fabricate. - Die Thongefäße sind plumpe cylindrische Koch- 
töpfe ohne Verzierung. 
Zum Schutz ihrer Todten gegen Wölfe und andere Fleischfresser 
erbauten diese Menschen Steinkistengräber in den Höhlen selbst und 
gaben den Leichen die raumsparende Hockerstellung. Die Beigaben, unter 
welchen der Schminktopf nicht fehlt, rufen uns Schiller's nadowessische 
Todtenklage in's Gedächtniss. Nach Angeln Incoronatos Auffassung der 
Skelette aus der nGrotta delle Arene candideu wären die ältesten Ligurer 
hässliche, mehr als negroide Wilde gewesen. lssel sieht in ihnen Ver- 
wandte der sogenannten Cro-Magnon-Rasse, alteuropäische Dolicho- 
cephalen, welche später immer mehr nach Süden und bis Nordafrika
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.