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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 9)

Innern aufweist, werden wir erstens einen Zusammenhang zwischen den 
Verfertigern der anthropoidischen und der griechischen Sarkophage nicht 
leugnen können und zweitens annehmen dürfen, dass die Tempelform 
eine Umwandlung der Theka ist, die sich dort vollzog, wo man mit 
Rücksicht auf phönikische Sitte arbeitete, also bei den Griechen des Ostens. 
Dem Satrapen-Sarkophag (siehe Figur i) verleiht einen schär- 
feren, iedoch noch nicht harmonisch durchgebildeten architektonischen Aus- 
druck erst der Deckel, an dem über dem mächtigen dreitheiligen ionischen 
Architrav unmittelbar das niedrige Dach mit dem kleinen Giebel und den 
unverhältnissmäßig großen Akroterien ansteigt. Die von einem alterthüm- 
lichen Lotos- und Palmettenornament eingerahmten Kastenreliefs, die 
durch Feuchtigkeit stark gelitten haben, sind stilistisch und inhaltlich 
 
sehr bemerkenswerth. Während an dem lykischen Sarkophag die Dar- 
stellungen gar keinen Bezug zu der sepulcralen Bestimmung des Gegen- 
standes nehmen, an dem sie angebracht sind, sondern einfache Entleh- 
nungen aus dem mythologischen, allgemein giltigen Typenvorrathe der 
Kunst sind, befriedigen sie hier wie an den zwei folgenden Särgen jenes 
Selbstverherrlichungsbedürfniss der orientalischen Dynasten, das sich in 
den umfangreichen Bilderchroniken der innerasiatischen Monarchien in so 
großartigem Maßstabe offenbart. An der einen Langseite entsendet ein 
greiser Herrscher seine Söhne in den Krieg, an der anderen jagt er in 
ihrer Gesellschaft einen Panther; an der einen Schmalseite ist er zum 
Mahle gelagert, während seine Frau nach orientalischer Sitte zu Füßen 
des Bettes sitzt. Der Stil dieser Sculpturen ist bei dem Mangel genügenden 
Vergleichmateriales schwer chronologisch zu i-ixiren. Neben einer gewissen
	        
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