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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 43)

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Berufung auf "unerschöpfliche Hilfsquellen" keine Phrase ist) im Augen- 
blicke nur 3 oder 4 Punkte besitze, an welchen Steine zu Zwecken der 
bildenden Künste gewonnen werden, von denen überdies der wichtigste, 
der Untersberg bei Salzburg, Privat-Eigenthum des alten Königs Ludwig 
von Baiern war. Der Vortrag wies insbesondere darauf bin, dass im sieb- 
zehnten und achtzehnten Jahrhundert zur Zeit der Erbauung der grossen 
Stiftskirchen in Oesterreich eine ganze Reihe bunter politurfahiger Marmor- 
arten - die silurischen Kalksteiue des Berauner Kreises und die gelben, 
rothen, geaderten oder breccienartigen Kalksteine der Alpen in erster 
Linie - in unausgesetzter Verwendung waren. Admont, Lilienfeld und 
andere geistliche Stifte erößneten für ihren eigenen Bedarf grössere Brüche; 
von Krzeszowiee bei Krakau ging der schwarze Marmor aus, der für die 
gewundenen Schütte der Altarsäulen in den Kirchen des Zopfstyles durch 
ganz Süddeutschland sehr beliebt war. 
Es lohnt sich darum wohl der Mühe, heutigentags wieder die Auf- 
merksamkeit des Publicums auf die einheimische Marmortechnik zu lenken, 
umsomehr, als auch bei öffentlichen Bauten, bei Monumenten, bei Anlagen 
von Brunnen, bei Privathäusern heute mehr Marmor verwendet wird, als 
dies insbesondere in den letzten Jahrzehnten der Fall war. 
Dem Carrara-Marmor wird trotzdem noch ein grosses unbestrittenes 
Terrain übrig bleiben. Denn insbesondere für Salonstücke ist der Carrara- 
Marmor erster Qualität geeignet wie kein zweiter; aber nach dem Sprich- 
wort: "Das Hemd ist uns näher als der Rock", muss uns der einhei- 
mische Marmor wiehtiger sein als der wälsche, und wir thun in mehr als 
einer Beziehung gut, die verlassenen Stätten alter Marmortechnik in Oester- 
reich wieder aufzusuchen und nach Kräften zu beleben. (N. Fr. Pr.) 
Französische Gewebe im österr. Museum. 
J. F. Im Museum ist gegenwärtig eine Collection französischer Gewebe ausgestellt, 
die es wohl verdient. mit einigen kritischen Worten der Beachtung empfohlen zu werden. 
Diese Arbeiten sind aus einer und derselben Fabrik, der von Cusss k, fils bei Lille, 
hervorgegangen, und können trotzdem in ihren künstlerischen Intentionen nicht verschie- 
denartiger, nicht widersprechender gedacht werden. Die eine Partie sind Tischdecken, 
Servietten, zumal auch Fenstervorhiinge. Sie haben zwei Eigenschaften, welche fiir die 
Franzosen Neuerungen. kühne Neuerungen sind, denn dieselben widerstreben ihrer bis- 
herigen Art, ihrem bisherigen Geschmack. Zuerst zeigen sie stylisirte Muster, iiber welche 
die französische Jury des Jahres 1867 noch mit Verachtung hinwegsehen zu können 
glaubte und welche sie geradezu als „Dnmmheiß verwarf. 
Am Ende der Ausstellung lautete das Urtheil freilich schon etwas anders und die 
„Betisen" wurden nicht ohne Eifer aufgesucht. Hier sehen wir also die Franzosen auf 
unser Genre eingegangen; denn nachgerade sind wir so weit, das stylisirte Genre, wie es 
zu Ehren kommt, dem französischen Zopf und Naturalismus gegenüber als unser, als 
deutsch in Anspruch nehmen zu können. Ja es sind die Muster zu diesen Geweben 
theilweise selbst deutschen Werken entnommen. Wir meinen die der Leinendsmnste. Die 
Vorhlngs haben durehbrochsne, aber stylisirte, selbst geometrische Muster in der Art der 
durchbrochenen Gewebe des 15. und 16. Jahrhunderts, deren Ornamentntion guf der Vor- 
wendung und Verwerthung der durch ausgezogene FKden entstandenen Lücken beruht. 
Zum Vorbild haben alte Stufe im Musee de Cluny gedient, wie deren auch die Sammlung
	        

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