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Volltext: Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

Barock eine Welle der Fortwirkung aus. Die Augsburger, Ant- 
WCPPCIICI" und französischen Meister werden von hier aus iahr- 
zehntelang beeinflußt. Wie und wann dieses Ensemble von Helm 
und Schild von Karl V. an Erzherzog Ferdinand II. gelangte, 
ist unbekannt. jedenfalls ließ sich dieser bereits in den sechziger 
Jahren ganz im gleichen Stil Kragen, Brust und Rücken dazu 
anfertigen. Damit angetan, ließ er sich mehrfach porträtieren. 
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Eine Reihe von Werken der Walienschmiedekunst, und zwar 
durchwegs Hauptwerke, sind hier erstmalig mit der Person 
Karls V. verknüpft. Der Kenner älterer Literatur wird anderer- 
seits eine Anzahl von Werken vermissen, die früher traditionell 
mit ihm in Verbindung standen. Werke von besonderer Vor- 
nehmheit, klassischer Haltung sowie künstlerischer und tech- 
nischer Vollendung wurden gerne ohne jede weitere Begründung 
Karl V. zugeschrieben, gleichwie als ihr Schöpfer ohne weiteres 
Benvenuto Cellini genannt wurde. 
Man sucht daher in obiger Liste vergeblich: die Blau-goldene 
Harnischgarnitur (A 576) und den engstens verwandten Riefel- 
harnisch (A 534), beide süddeutsche Arbeiten um 1550 für den 
späteren Kaiser Maximilian 11.; den getriebenen Rundschild 
(A 562), Werk des Eliseus Libaerts um 1560165; den Golddegen 
(A 588), in den Kunstkammcrinventnrcn Erzherzogs lierdinands 
das „Spanische Rapier" genannt, wohl Florentiner Arbeit um 
1560170; die goldtauschierten Sporen (A 598) und Steigbügel 
(A 1154) von etwa 1560[70; den Streitkolbenknauf (A S97) sowie 
die getriebene blanke Sturmhaube mit Szenen aus der Äneis 
(A 558), für die beide kein irgendwie gesicherter Beweis der 
Zuschreibung gegeben ist. 
Folgende Werke in Wien werden eher unter dem Einfluß, nach 
dem verbindlichen Vorbild der Waffen Karls V. entstanden sein, 
als daß sie selbst dem Kaiser zugehört hätten: die italienischen 
zusammenlegbaren Gardestangenwaifen (A 458, A 457), die 
italienischen Streitkolben (A 511, A 513), der deutsche Streit- 
kolben mit Ringschlüssel (A 294). 
So bezeichnend und hochwertig, reich und vielfältig die persön- 
liche Hinterlassenschaft Karls V. in Wien sich ausnimmt, so 
ganz unvergleichlich stellt sich in der Wiener Wallensammlung 
seine Zeit, seine Umgebung, das Rüstzeug von Freund und Feind 
seiner Politik dar. Darunter ragt ein Harnisch besonders hervor, 
der des Wilhelm Freiherrn von Rogendorf (A 374). Es ist ein 
Meisterwerk des Kolman Helmschmid, Holplattners Karls V., 
ein Kostümharniseh kühnster Prägung mit Eigenheiten, wie sie 
gerade auch an des Kaisers eigener Garnitur „mit den Lilien" 
vorkommen. Der Besitzer ist gebürtiger Österreicher, sein Grab 
befindet sich in Pöggstall, Niederösterreich. Er spielte eine 
höchst bedeutsame Rolle als Feldherr und Politiker zwischen 
Spanien und Ungarn. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzu- 
nehmen, daß der Kaiser ihm 1524- mit dem Calatrava-Ordcn 
diesen Harnisch als Geschenk überreichte. Die Körpermaße, wie 
sie etwa der gesicherte Wiener Harnisch Karls V. von 1543 
(A 54-6) aufweist, stimmen mit dem Rogendorfharnisch erstaun- 
lich überein. Es ist zweifellos verlockend, hier einen Harnisch 
zu vermuten, der ursprünglich für den Herrscher selbst geschla- 
gen wäre, um dann erst als Zeichen seiner besonderen Gnade an 
seinen erfolgreichen Statthalter von Katalonien überzugehen! 
Alle abgebildeten Gegenstände hellnrlen sich In der Wnlhnuammlung des Kunst- 
hlslorlschen Muleuml, Wien. 
 
I] 
Wnppcnschildchvrx uinu" Roiisurn Karls V. D. Hclm- 
schmicd, um 15-55.
	        

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