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Volltext: Alte und Moderne Kunst IV (1959 / Heft 11)

 
Winkel im Steinbruch St. Margarethen, Burgenland. 
Symposions. Warum nämlich sollte Kunst immer oder doch in 
der Regel nur für Museen, Galerien, für öffentliche oder pri- 
vate Schmuckzwecke geschaffen werden? Gibt es nicht auch 
heute wieder wie im Mittelalter und im Barock nicht nur die 
Möglichkeit, sondern geradezu die Verpflichtung - und das 
besonders auf dem Gebiet der Plastik -, gleichsam Gebilde 
hervorzubringen, die sich als Zeugnisse und Wahrzeichen in 
unser Leben stellen? Solche Zeugen und Bekenntnisse müssen 
ja nicht unbedingt in einem konfessionellen Sinne religiös sein. 
Es genügt, wenn sich in ihnen etwas von unserer inneren Not, 
aber auch von unserer Kraft, von unserer Sehnsucht, aber auch 
von unserem Vermögen, von unserer Position und Bestimmung 
als Mensch in unserer Zeit zu erkennen gibt. _]a, es genügt, daß 
ein Künstler, wenn er nur wirklich einer ist, seine ganz persön- 
liche Würde und seine Freiheit, sein ja zum Leben und seine Be- 
reitschaft zum Schicksal zur Gestalt erweckt, und eben diese 
dann sich als ein Bekenntnis, als ein Ruf und Gleichnis mitten 
unter die Menschen pflanzt. Dann ist schon das Nötige gesche- 
hen, gleichgültig, ob nun jeder diesen Ruf vernimmt und das 
Gleichnis als solches wahrzunehmen sich imstande zeigt. Es ist 
ohnedies bereits bekannt, daß das „aus dem Ganzen" und „für 
das Ganze" nicht mit dem „für Alle" gleichbedeutend ist. 
Der „Grenzstein" Prantls also gab den Anstoß. Warum nur an 
den Grenzen und nicht auch an markanten Punkten in den 
Städten? Wieviel mehr aber ließe sich noch erreichen, wenn 
solche Wahrzeichen von Künstlern anderer Länder kiirncn, also 
ein Gruß aus diesen Ländern wären? Und damit gleich der 
nächste Schritt: Wäre es nicht ein Vorhaben besonderer Art, 
wenn man die Künstler verschiedener Länder zu einem Sympo- 
sion zusammenbrächte, bei dem sie solche Werke schufen? 
Gewiß hätten solche Gedanken an einem anderen Ort, zum Bei- 
spiel in einem noch so großen und noch so gut eingerichteten 
Bildhauer-Atelier nicht entstehen können. Hier war vielmehr 
schon der Margarcthener Steinbruch der letzte und höchste 
Trumpf. Die ihn kennen, werden das verstehen, und die ihn 
nicht kennen, haben noch ein nicht zu verachtendes Erlebnis vor 
sich. Eine großartigere Arbeits-Landschaft läßt sich schwerlich 
denken. Zwei Millionen Kubikmeter wurden bereits gefördert. 
Die Römerwand, also der von den Römern benutzte Teil des 
Steinbruchs, steht unter Denkmalschutz. Sie ragt sicher über 
40 Meter empor. Auch die übrigen Steilwände dürften etwa diese 
Höhe haben. Die Neubruchstellen leuchten, zumal bei Sonne 
und blauem llimmel, in einem kräftigen Gelb, während die 
Altwände in grau verwittern. Nach Südosten gibt eine schmale 
Schlucht einen Blick auf St. Margztrethen frei. In den Steinbruch- 
wänden nisten ungezählte Dohlen, deren schimmerndes Schwarz 
sich vom Gelb und Grau der Wände, in die sich streifenweise 
eine spärliche Vegetation hineingefrcssen hat, erregend abhebt. 
Das Ganze ist wie eine Weihcstätte irgendwelcher Riesen, eine 
gewaltige offene Halle, wie geschaffen, auch anderen Veranstal- 
tungen wie etwa Bläserkonzerten, Raum zu bieten. 
Für das Symposion aber ging es natürlich um den Stein und
	        

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