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Volltext: Alte und Moderne Kunst V (1960 / Heft 11 und 12)

 
lß Paxlon: Glaspalas! in London. 
ll Paxton: Lilienhaus in Chzusworth. 
11 
 
 
„es neg. ..a........ .... lldllb, "n... 
die Artikel allein, als vollkommen 
fertiges Produkt, auszustellen, wie 
dies in den gewöhnlichen Industrie- 
ausstellungen geschieht, sondern 
man will z. B. die rohe Baumwolle 
ausstellen und daneben, in einer 
Reihe, die Baumwolle durch alle 
Stadien der Bearbeitung bis zum 
fertigen Fabrikat." 
ln unserem Zusammenhang ist noch 
ein anderer Passus 15 derselben 
Schrift bemerkenswert, wird hier 
doch vom Glas und vom Lieht ge- 
handelt: „Es ist vorauszusehemdaß 
in einem Gebäude, dessen Wände 
und Decke fast nur aus Glas be- 
stehen, das Licht fast zu grell wer- 
den dürfte. Um diesem Übelstande 
vorzubeugen und das Licht etwas 
zu mildern und gleichmäßiger zu 
machen, werden die ganze Südseite 
des Gebäudes und die Dachfliiche 
mit Segeltuch dergestalt bedeckt 
werden, daß noch ein Luftstrom 
zwischen dem Glase und dieser 
Bcd Hung stattfindet, während 
letztere bei sehr heißer Witterung 
mit Wasser besprengt werden soll." 
Besonderen Wert legte man natür- 
lich - sowohl in Anbetracht der 
eingeschlossenen Räume und Ge- 
wächse als auch im Hinblick auf die 
Besuehermengen - auf eine aus- 
reichende Lüftung. Man versah die 
Fensterrahmen mit S-förmigen 
Klappen, die nicht nur frisch:- Luft 
eindringen ließen, sondern die auch 
den Regen abhalten konnten. 
Zusammenfassend läßt sieh der 
Glaspalast von 1851 folgendzrmas- 
sen charakterisieren: Grundriß und 
Aufriß sind nach Art von fünf- 
schiffigen Kirchen mit basiiikalem 
Querschnitt gestaltet. Trotzdem ist 
jeglicher sakrale Eindruck vermie- 
den, weil anstatt geschlossener 
Wände das durch Glasplatten ver- 
bundcnc Slützenwerk in all seinen 
Teilen überall sichtbar wird und 
darüber hinaus der Innenraum als 
solcher von außen eingesehen wer- 
den kann. Eine Schauseite ist nicht 
ausgebildet, da die Halle von allen 
Seiten gleichmäßig in drei Geschos- 
sen mit Arkaden überzogen ist. 
Das Gigantische der Ausmaße ist 
mehr in der Länge und Breite als 
in der Höhe zu sehen, da hier go- 
tische Kathedralen schon vergleich- 
bare Maße bieten. 
Die ausgestellten Objekte zeigen 
ebenso wie die innerhalb des Ge- 
biiudes stehenden Bäume die Macht 
des Menschen über die Natur. Man 
darf geradezu von einer musealen 
Aufstellung sprechen. Der Glaspa- 
 
reits typische Glashäuser sind. Im 
Park von Chatsworth (Derbyshire) 
hatte er zwischen 1836 und 1840 das 
Palmenhaus, the great conservatory 
genannt, erbaut, das erst 1920 zer- 
stört worden ist." Schon hier macht 
sich das Überdimensionale der Maße 
bemerkbar, beträgt doch bei einer 
Höhe von fast 20m die Länge des 
Treihhauses über 86 m! Das recht- 
eckige Gebäude ruht auf einer Back- 
stein-Basis und steigt mit eisernen 
Rippen in die Höhe. Aui dem 
Grundriß eines kleineren Recht- 
ecks wachsen dann im Dachstuhl 
weniger stark gekrümmte Rippen 
noch einmal empor. Der klassizi- 
stische Portikus ist die einzige Re- 
miniszenz an ältere Baugewohnhei- 
ten. Das Treibhaus diente als 
Pilanzstätte für große Palmen, 
Baumfarne und andere tropische 
Gewächse. Die gekrümmten Glas- 
wände vermittelten eine besonders 
intensive Sonnenbestrahlung. 
Nach anderem Schema ist Paxtons 
Wasserlilienhaus in Chatsworth 
(1850) erbaut, das auf dem Grund- 
riß eines dem Quadrat angenäher- 
ten Rechtecks errichtet ist." Über 
dem Sockelgeschoß erheben sich 
Arkaden, deren Bögen das Dachge- 
sims tragen. Man meint, hier das 
Innere eines alten Klosterkreuz- 
gangs vor sich zu haben, in dessen 
Mitte sich das Becken für die Li- 
lien befindet. Auch hier sind Eisen 
und Glas die einzigen Materialien 
des Baus. 
Nun hat es derartig verglaste 
Treibhäuser schon im 18. jahrhun- 
dert gegeben. Technisch ermög- 
licht wurde ihre Errichtung durch 
die Erfindung des Lucas de Nehon; 
seitdem konnte man nämlich 
größere Glastafeln gießen." Ein 
frühes Werk ist das „Glashaus" 
vom Unteren Belvedere in Wien, 
das um 1715 gebaut und bald dar- 
auf von Salomon Kleiner in einem 
Stich wiedergegeben worden ist." 
In drei Zonen - man darf kaum 
von Geschossen sprechen-ist das 
Gebäude hochgezogen. Der Mittel- 
risalit kontrastiert dazu. durch 
größere Fensterhöhe. Ihm ist noch 
eine Laterne mit drei Fenstern auf- 
gesetzt. Die Schlichtheit des Gan- 
zen läßt erkennen, einen wie un- 
tergeordneten Charakter das Treib- 
haus zu jener Zeit hatte. Das Glas- 
haus wäre nie zu seiner heutigen 
Bedeutung gelangt, hätte es sich 
nicht die Ausstellungshauten er- 
obert." 
Wir haben den Weg vom modernen 
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