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Objekt: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 106)

Berichte 
Informationen 
Aus der Kunstwelt Streiflichter 
 
 
Unterricht 
Bundesminister für 
Dr. Alois Mock 
Bundesminister für Unterricht Dr. Alois Mock 
wurde am 10. Juni 1934 in Euratsleld, Bel. 
Amstetten, Niederosterreich, geboren und 
legte im Jahre 1952 am humanistischen Gym- 
nasium im Benedrlttinerstift Seitenstetten die 
Reifeprulung ab. 
Dr. Mock absolvierte Sein rechlswissenschaft- 
liches Studrum an der Rechts- und staats- 
wissenschaftlichen Fakultät der Universität 
Wien. Während dar Studienzeit nahm er aktiv 
am studentischen Leben teil und wurde bei 
den Hochschulwahlen zum Leiter der Fach- 
schaft JLlllSiEh an seiner Fakultät gewehlt. In 
dieser Funktion war er auch Mitglied des 
Zentralausschusses der Osterreichischen Hoch- 
schülerschaft und hatte auf diese Weise Ge- 
legenheit, mit allen Studentenproblemen ver- 
traut zu werden. 
Nach Abschluß seiner rechtswissenschaltlichen 
Studien ergänzte er seine Ausbildung durch 
den Besuch eines Post-graduate-Kurses am 
Bologna-Center der John Hopkins-Universtty 
in Italien. Bei diesem Kurs wurde vor allem 
internationales Recht und diplomatische Staa- 
tengeschichte gelehrt. 
Am 1.Februar 1958 trat Dr. Mock in die 
Hochschulsektion des Bundesministeriums für 
Unterricht als Beamter ein. Er arbeitete in der 
Abteilung für allgemeine und legislative Hoch- 
schulangelegenheiten und war Referent lur 
alle studentischen Probleme und mit der Aus- 
arbeitung von Hochschulreformgesetzen be- 
traut. Unter anderem leistete Dr. Mock damals 
schon Vorarbeiten für des Allgemeine Hoch- 
schulsludiengesetz und für das Studienbei- 
hilfengeseiz. 
lm August 1960 wurde er in die Sektion llir 
wirtschaftliche Koordination des Bundes- 
kanzleramtes berufen, wo er für die Angelegen- 
heiten der Europäischen Integration zuständig 
war. 
Ab Janner 1962 war Dr. Mock der öster- 
reichischen Delegation bei der OECD in Paris 
zugeteilt und hatte hier Gelegenheit. die Ar- 
beiten dieser wichtigen internationalen Orga- 
nisation auf dem Gebiete der Wirtscnalts, 
Wissenschalts- und Bildungspolitik kennen- 
zulernen. 1965 wurde Dr. Mock auf Grund 
seiner Leistungen bereits vertretungsweise trr 
das Kabinett des Herrn Bundeskanzlers be- 
rufen. Seit 1966 war Dr. Mock Kabinettschel 
des Herrn Bundeskanzlers. In dieser Funktion 
betreute er neben außenpolitischen Fragen 
die Vorbereitung und Koordination von Re- 
gierungsentscheidungen. 
Bundelmlnllterium für Unterricht 
Besucherstatiatik der Staatlichen l 
Museen und Kunstsammlungen l 
Das Bundesministerium für Unterricht gibt 
bekannt, caß in den ihm unterstehenden 
Staatlichen Museen und Kunstsammlun- 
geri in den Monaten Juli rasa 116.154 
und August 1969 132.711 Besucher ge- 
tarnt wurden. 
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' tretet 
Museum des 20. Jahrhunderts - 
Charles Rennie Mackintosh 
Parallel zur Ausstellung der Wiener 
Schule der Musik zeigte das Museum 
des 20. Jahrhunderts in Wien bis 
20. Juli eine von Dr. Otto Graf ein- 
gerichtete Exposition (Abb. 1) über 
das Werk von Charles Rennie Mack- 
intosh. Ein umfassender Katalog mit 
informativen Texten und zahlreichen 
Abbildungen erschien aus diesem 
Anlaß. 
Die vergangenes Jahr in größerem 
Umfang während des Edinburgh- 
Festivals gezeigte Schau enthielt 
108 Objekte - Pläne, Photos, Innen- 
dekorationen, Textilentwürfe, Ge- 
mälde, Zeichnungen und Druckgra- 
phik -, welche auf breiter Basis die 
Arbeitsweise und den Stil des 1888 
geborenen und 1928 verstorbenen 
schottischen Architekten und De- 
' signers dokumentierten. Weitere 27 
Exponate stammten von Frances be- 
ziehungsweise Margaret Macdonald, 
der Gattin des Architekten. 
Mackintosh zählte einerseits zu den 
maßgebendsten und einflußreichsten 
Meistern des heute wiederum so be- 
liebten Jugendstils, besitzt anderseits 
aber auch - was am markantesten 
aus seinem Hauptwerk, der Glasgow 
School of Art, hervorgeht - als Ver- 
einer progressiv-funktionellen 
Architektur Bedeutung. Mit Wien ver- 
banden ihn eine Reihe interessanter 
Fakten: 1900 war er mit einem Tee- 
zimmer, das er gemeinsam mit seiner 
Frau entworfen und ausgestattet hatte, 
auf der achten Secessionsausstellung 
vertreten. Wiens Künstlerjugend fei- 
erte Mackintosh und seinejunge Frau 
als Avantgardisten, die man im ge- 
schmückten Wagen vom Bahnhof zur 
Secession geleitete. Für Fritz Wärn- 
dorfer, den prominenten Mäzen und 
Mitbegründer der Wiener Werkstätten, 
entwarf Mackintosh 1902 ein Musik- 
zimmer, das großes Aufsehen erregte. 
Mit dem bedeutenden Architekten 
Josef Hoffmann, der zweifellos in 
manchem von Mackintosh beeinflußt 
worden war, verbanden ihn wesent- 
liche Gemeinsamkeiten in künstleri- 
schen Uberlegungen, 
Eine aufschlußreiche Ausstellung, die 
die größeren Maßstäbe von gestern 
und die Versäumnisse von heute in 
Erinnerung brachte. 
Secession - Aktzeichnungen 
Eine der schönsten und aufschluß- 
reichsten Ausstellungen der letzten 
Zeit fand in der - beinahe schon über- 
aktiven _- Secession statt. lhr Titel 
lautete .,Osterreichische Aktzeichnun- 
gen von Klimt bis heute". Sie umfaßte 
292 Exponate und war aus Anlaß des 
fünfundsiebzigsten Geburtstages dem 
Gedenken an Herbert Boeckl gewid- 
met, jenem erst spät im rechten Maße 
erkannten Maler und Zeichner, der 
als Professor an der Wiener Akademie 
der bildenden Künste für die öster- 
reichische Kunst nach 1945 wesent- 
lich mit" die Weichen stellte. 
Ohne Ubertreibung Iäßt sich das zu 
wesentlichen Teilen aus privaten 
Sammlungen stammende Kontingent 
an Kohle-, Bleistift-, Rötel- und 
Tuschezeichnungen als spezifischer 
kunstgeschichtlicher Abriß der öster- 
reichischen Moderne wenen. Die 
Qualität lag im allgemeinen beachtlich 
hoch, doch auch die Auswahl der 
Namen deckte sich in der Regel mit 
der tatsächlichen Bedeutung der Be- 
treffenden. Daß einige Maler erst 
knapp vor Ausstellungsbeginn ihre 
Liebe für das Aktzeichnen entdeckten. 
war zumindest bei guten Ergebnissen 
kein Manko. Wer in Osterreichs Kunst 
Rang und Namen hatte, war beinahe 
ausnahmslos mit von der Partie. Der 
andeutungsweisen Zartheit eines 
Thöny stand die Sinnlichkeit praller 
Frauenleiber bei Hans Böhler gegen- 
über, dem expressiven, oft sezieren- 
den Strich eines Kokoschka. Schiele, 
Jungnickel und Hanak die grandiose 
unerreichte Könnerschaft von Gustav 
Klimt. Nur am Rande als Aktzeichner 
zu apostrophieren sind Alfred Kubin 
und der verspielt tändelnde Herz- 
manovsky-Orlando. Die mittlere und 
ältere Generation der Lebenden war 
mit guten Blättern von Stransky, 
Merkel, Ecken, Karger und Wotruba 
vertreten, die jüngere und jüngste mit 
herausragenden Arbeiten von Avra- 
midis, Fritz Martinz, Prantl, Stau- 
dacher, Hrdlicka, Hollegha, Bischof. 
Mikl, Pack. Alfred Czerny, Frohner, 
Jungwirth und Heinz Stangl. 
Galerie nächst St. Stephan - 
Kunst ohne Künstler 
.Surrealismus ohne Surrealisten, 
Kunst ohne Künstler" präsentierte bis 
30. Juni die Galerie nächst St. Ste- 
phan. Unter dem begrifflich weit- 
gesteckten, doch anfechtbaren Motto 
hatte Oswald Oberhuber eine überaus 
interessante und diskutierenswerte 
Ausstellung arrangiert, die den Be- 
griff, die gesellschaftliche Funktion 
und die Relativität von Kunst provo- 
zierend in Frage stellte, Die imponie- 
rende Mischung von Arbeiten promi- 
nenter und wenig bekannter Künstler 
ergab eine Konfrontation, wie man sie 
sich gegensätzlicher kaum vorstellen 
kann. Neben Graphik eines Ensor. 
Corinth, Giacometti, Picasso, Beck- 
mann oder Warhol sah man Bilder 
von Mara, Schröder-Sonnenstern und 
Attersce sowie Plastiken und Objekte 
von Pichler, Hollein, Ernst, Cornelius 
Kolig und Niki des Saint-Phalle. Ein 
erfrischender Cocktail der Richtungen, 
Stile und Tendenzen, aber auch ein 
Drink, der Kopfschmerzen bereitete, 
Eine Photodokumentation über die 
Schau, die im Anschluß an Wien auch 
in Innsbruck zu sehen war, kann über 
die Galerie nächst St. Stephan, 1010 
Wien l, Grünangergasse 1, bezogen 
werden. 
Künstlerhaus Wien - Junge Kunst 
"Junge Kunst" lautete der gleicher- 
maßen knapp formulierte wie an- 
spruchsvolle Titel einer ambitioniert 
gestalteten Großausstellung (Abb. 2 
bis 4) im Wiener Künstlerhaus. Die 
umfangreiche Schau vereinte Schüler- 
arbeiten der Malerklasse Rudolf Haus- 
ner (WienlHamburg), der Klasse für 
Bildhauerei von Professor Knesl, der 
Druckgraphikklasse von Max Melcher 
an der Wiener Akademie der bilden- 
den Künste sowie der Klassen von 
Prof. Norbert Schlesinger (Architek- 
tur), Ferdinand Welz (Medailleur- 
kunst) und Hermann Eisenmenger 
(Institut für Zeichnen und Malen an 
der Technischen Hochschule Wien). 
Alle genannten Hochschulprofessoren 
sind Mitglieder der veranstaltenden 
Vereinigung. Sie wollten mit der 
interessanten Dokumentation die Me- 
thoden heutigen Lehrens zur Diskus- 
sion stellen und die vielschichtige 
Problematik eines auf relativ großer 
Autonomie beruhenden Akademie- 
betriebes aufzeigen. Auf einzelne Ar- 
beiten hier näher einzugehen, läßt 
schon der vorgegebene Umfang einer 
derartigen Besprechung kaum zu. Zu- 
sammenfassend läßt sich jedoch fest- 
halten, daß dem Bemühen der Lehrer 
graduell beachtliche Erfolge nicht ab- 
zusprechen sind. Manches, das im 
Künstlerhaus zu sehen war, überragte 
beträchtlich den hauseigenen Durch- 
schnitt des sonst Gebotenen. Inwie- 
weit freilich andere Lehrmethoden als 
die in Osterreich praktizierten der Ent- 
wicklung junger Künstler und Päd- 
agogen förderlicher wären, ließ sich 
auf Grund des Gezeigten allerdings 
ebensowenig beantworten wie die 
Frage nach der Qualität des ,.Schüler- 
materials", dessen Beschaffenheit 
letztlich für das erreichte Lehrziel min- 
destens ebenso ausschlaggebend ist 
wie die Qualität der Professoren. 
Galerie Basilisk - Zechyr 
Othmar Zecher, der unter dem Künst- 
Iernamen Zechyr besser bekannte, aus 
Linz gebürtige Zeichner und Maler, 
stellte sich mit neuen graphischen 
Blättern in der Galerie zum Basilisken, 
Schönlaterngasse, vor. Gegenüber 
seiner letzten Kollektive in der Wiener 
Galerie auf der Stubenbastei (Sep- 
tember 1968) hat der als Einzelgänger 
zu charakterisierende Zeichner einen 
beachtlichen Schritt im Sinne adä- 
quater Weiterentwicklung getan. Ze- 
chyr nennt seine neuen dynamischen 
Federzeichnungen „Exploramas". Viele 
von ihnen setzen sich ähnlich 
wie Comic-Strips zusammen, ent- 
halten also mehrere zueinander in 
einem bestimmten Spannungsverhält- 
nis stehende Tusche- bzw. Sepia- 
Zeichnungen. Inhaltlich lassen sich 
die zum Teil virtuosen, innerhalb der 
österreichischen Kunstszene ohne 
Vergleich dastehenden Blätter als 
architektonisch-maschinelle Visionen 
im Raumfahrtzeitalter charakterisieren, 
Handschriftliche Anmerkungen mit 
gelegentlich graphischer Autonomie, 
die als wichtige Bestandteile des Kom- 
positionsganzen anzusehen sind, er- 
läutern in Phasen Utopien, die schon 
morgen zur gewohnten Realität wer- 
den könnten. Daß freilich das Wiener 
Sammlerpublikum trotz günstiger 
Preise zwischen 2500 und 4000Schil- 
ling nur sehr zögernd zugriff, zählt 
zu den permanent wiederkehrenden 
Rätseln am österreichischen Mini- 
kunstmarkt. 
Galerie Seilerstätte n Karl Stark 
Die neugegründete, von Professor 
Rudolf Bachleitner geleitete Galerie 
Seilerstätte, die mit einer Gruppen- 
ausstellung von Werken Frohners. 
Meissners, Redls und Bertonis eröff- 
nete, setzte ihr bisher nur auf öster- 
reichische Künstler beschränktes Pro- 
gramm im Juni mit einer Ausstellung 
von Gouachen und Gemälden des 
Wieners Karl Stark fort, für die Otto 
Breicha einleitende Worte verfaßte. 
Starks Malerei wurzelt im Expressio- 
nismus, vor allem in jenem der Oster- 
reicher Boeckl, Gerstl und Kokoschka. 
In kraftvollen, satten Farben gehaltene 
Landschaften, Selbstporträts und die 
- qualitativ schwächeren - Blumen- 
stilleben veranschaulichen zugleich 
die thematische Spannweite und die 
Art der künstlerischen Umsetzung sei- 
ner in der Regel durchaus beherrsch- 
ten Malerei, die in dem Sinn als zeitlos 
anzusprechen ist, als sie sich nicht 
um das kümmert, was heute en vogue 
ist und der Sensation um jeden Preis 
anhängt. Der zuletzt auch in Amerika 
wiederholt erfolgreiche und dort von 
Otto Kallir gemanagte Künstler er- 
reicht in seinen Landschafts-Gouachen 
die stärksten und beeindruckendsten 
Ergebnisse. Es finden sich darunter 
Darstellungen, die sich durch großen 
Stimmungsgehalt, Eigenständigkeit 
und den kraftvollen Zusammenklang 
der spannungsreich gesetzten Valeurs 
auszeichnen.
	        

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