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Volltext: Alte und Moderne Kunst VIII (1963 / Heft 71)

Fürstenornat. Der blaue Himmel der frühen Mosaiken weicht dem 
Goldglanz der späteren Zeit. Betrachten wir nun diesen goldum- 
strahlten Hofstaat des Neuen Jerusalem, dann erkennen wir, wie all 
dieser glitzernde Prunk für den Orientalen Attribut der Heiligkeit ist; 
in dem Gold der byzantinischen Mosaiken fühlen wir die Lichtmystik 
der iranischen Weltanschauung leuchten. Blickt man in solch einem 
goldfarbigen Kuppelraum um sich, dann glaubt man das überwesent- 
liche mitternächtliche Sonnenlicht zu sehen, welches die Mysterien in 
die Welt der antiken nüchternen Helle brachten. 
Aber es ging ia auch ohne Gold. Gerade die rechtgläubige Geistigkeit 
erwehrte sich einer totalen Orientalisierung, eines Verdammerns in 
irrationaler Mystik und vernunftfeindlicher Berauschung. Das helle- 
nische Geisteserbe blieb lebendig, und man meint das auch in der 
bildnerischen Kunst festzustellen. Gerade die ältesten russischen Ikonen 
sind von einer Einfachheit in der Formen- und Farbgebung, die eben 
klassisch genannt werden muß. Diese Ikonen erinnern uns denn auch 
an das, was der Historiker immer wieder ins Gedächtnis rufen muß: 
Rußland, das Reußenland, liegt in Europa. Es ist von der Mitte Europas 
nicht weiter entfernt als England. Bis zum Lateinereinfall war Kon- 
stantinopel die kulturelle Hauptstadt der Christenheit 7 die Kaiserstadt. 
Paris stand um 1200 zu Konstantinopel wie heute Dallas zu Paris. 
Und bis zum Tatareneinfall, der nur ein Menschenalter später einsetzte, 
war Kiew mit seiner griechischen Geistlichkeit ebenso eine europäische 
Stadt wie Magdeburg, und Nowgorod war es nicht weniger als Lübeck. 
Später wurde das anders! 7 Wlohl wurden die Tataren verjagt; die 
tatarischen Hauptstädte Kazan, Astrachan, Sibir wurden rus: 
Zarenmetropolen; und unter Johann dem Schrecklichen schuf 
Rußland seine eigene Reichsweltanschauung. Die aber wurde aufg 
in bewußtem Gegensatz zum lateinischen Westen. Im Westen 
der polnische Erbfeind: im Osten lockten die Wüstenfelder bis 
kaukasischen Bergland. Damals nun entstanden lkonen wie dir 
Öirin und den sonstigen Werkstätten der Zaren und der Konq 
rlnren von Sibirien 7 des Hauses Stroganov. Diese Ikonen sind h 
den persischen Miniaturen sehr verwandt. Man betrachte die 
glänzenden Paradieseslandschaften, die liebevolle Nachbildung der 
durchwirkten SeidenstoEe, nicht zuletzt aber die Inschriften. Als g 
lehenspendendes Element des Sakralbildes sind sie unentbehrlii 
die mit kalligraphischer Eitelkeit durchgeführte ornamenrale 
schnörkelung macht sie dem Durchschnittsleser unauflöslich 
zeichnenderweise sind die lnschriften auf diesen orientalisien 
lkonen meist auch in der Dimension wichtiger als vorher. - 
ist dieser orientalische Zug der altrussischen Malerei wohlver 
erwarten wir ihn doch dort von vornherein. Auch ist dieser Z 
jüngster Zeit auf eigenartige Weise neu ausgebildet worden. - 
knnntlich wurde im bäuerlichen Kunsthandwerk von Palech 
Umgebung die Tradition der lkonenmalereien weitergepllegt. l 
ein Verdienst der Sowjetregierung, die Schule von Palech nich 
erhalten, sondern durch Publikationen zugänglich gemacht zu h 
Nun zeigt dieses bäuerliche Kunsthandwerk seit einiger Zeit, 
wohl unvermeidlicherweise, einen gewissen bewußten Exotismus, 
 
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