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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 64 und 65)

IQURT ROSSACHER Der uerxebollelze Srbatgj der Ergbixehöfe von Salzburg III. 
Neue Enldeekrlrlgen in den Xanmllungen de: Palaggo Pilli in Flareng -„1Urrerlej Kirrhengier" 
ANMERKUNGEN: 
l) Franz Martin. Erzbischof Wolf Dietrich und 
die Goldschmicdckunst, Salzburger Mu- 
seumsblättcr 5l6. 1929, S. 177. 
1) Gunther Thiciti, Der Silberaltar im Musco 
degli Argcnti in Florenz, Mitteilungen dts 
Kunsthistorischen Instituts in Florenz, 1959. 
S. 155- 166. 
1) Katalog dcr Salzburgcr Residenzgalcric. 
-) Das Gewicht der Salzburger Mark beträgt 
256.036 256.024 Gramm. gemäß Bernhard 
Koch, der Szlzhurger Pfennig. Numismati- 
schcs hhrbuch. Bd. 75{1953, S. 40. 
S) Der Verfasser bereitet ubcr den gesamten 
Salzburgcr Schatz einschließlich der erhal- 
tenen Objekt: des Dnmschatzes eine Publi- 
kation vor. 
i) Mmm s. s. 
7) Die Verwendung der einfachen Raitcnnner 
Kugel ohne wt Zutat bestätigt die 
archivalisrli gesicherte frubr Daricrung. 
3) Ein drittes Paar ist unbekannten Aufent- 
haltcs. 
V" Nach G. Tliicni befinden sich dic Original- 
zeichnungen des Stmdanus in Windsor 
Castlc (46954697 4713). Der Salzburg?! 
Mcistcr benutzte als Vorlage wohl dit- 
danarli gestrichene Folge von Adrian und 
Jan (Iollucrt sowie Jacques Granthotnmc. 
w) Nora Wattcrk. geschnitztcs Steinbockhorn 
- ein vergessenzr Zweig des Salzburgt-r 
Kunsthansiwurks, Alte und Moderne Kunst 
58159. s. 27-31, Abb. 1. 
u) Norm Wnttcck (w) Abb. 11. 
 
Der Besucher des Museo degli 
Argenti im Florentincr Palazzo 
Pitti passiert zwischen den beiden 
ersten Schauräumcn einen kurzen 
Vcrbiridungsgang, in welchem 
nischenförmig vertieft cine sehr 
kleine Falastkapclle eingebaut ist. 
Sie gibt nicht mehr als zwei 
Bctern Raum. Der kleine Altar ist 
mit silbernen Geräten überladen. 
Am acffallendsten wirken vier 
großc Altarleuchter und ein dazu- 
gchöriges großes silbernes Stand- 
kreuz. Ihr Dekor ist im Florenz 
des späten 16. Jahrhunderts in 
der Nachfolge Cellinis und Gi0- 
vzinni da Bolognas durchaus mög- 
lich. 
Es wird darum keineswegs ver- 
wundern, wenn diese bedeutenden 
Goldschmiedcarbeiten im Halb- 
dunkel der kleinen Kapelle, an 
der der Besucher meist achtlos 
voriibergeht, für Plorentiner Ar- 
beiten gehalten wurden. Erst wenn 
die silbergerahmten Kanontafeln, 
die das untere Drittel der Garnitur 
verdecken, weggerückt werden, 
sieht man auf der dreiseitigen 
Basis die Wappen des Erzstiftcs 
Salzburg, das große gevierte 
Wappen Wolf Dietrichs des Rai- 
tenauers und seine Devise, den 
von Stürmen umtosten festen 
Turm. 
Vor uns stehen Erzbischof Wolf 
Dietrichs herrliche Altarleuchter 
(Abb. 1, 2, Kam-Nr. 84-87) und 
das Standkrcuz (Abb. 3, Kat.- 
Nr. 83), von denen wir wissen, 
daß sie 1597 der aus Fulda stam- 
mende Silberschmied und Erz- 
gießer Hans Mentz gearbeitet 
hat l). Sie waren verschollen. Der 
kunstvoll reliel-ierte Dekor aus 
gegossenen Engelsköpfen, Engels- 
hermen und Girlanden, die auf- 
fallende klare horizontale Glie- 
derung der Schäfte erinnern in 
manchen Details an Bronzeleuch- 
tcr des Niccolo Roccatagliata, der 
wundervoll verhaltene Corpus des 
Christus an Giovanni da Bologna. 
Kein XWunder, daß diese Meister- 
werke, die Ferdinand lll. von 
Toscana ebenso wie die zahlrei- 
chen anderen Salzburger Schätze 
des Palazzo Pitti 1806 in Salzburg 
entführt hatte, so lange uner- 
kannt als edelste Florentiner Ar- 
beiten gelten konnten. Franz 
Martin, dem die Garnitur in 
Florenz unbekannt war, vermutete, 
daß die großen Bronzeleuchter in 
der Salzburger Stiftskirche Sankt 
Peter von diesem Hans Mentz 
gearbeitet sein könnten. Der Stil- 
vergleich mit der Silbcrgarnitur 
erweist, daß die Bronzzlcuchter 
von anderer Hand sind. 
Wo dies: Garnitur, die im lnvcn- 
tar von 1612 und in allen späteren 
lnvcntaren aufscheint, gestanden 
haben mag, ist nicht bekannt. Sie 
wird wohl in der Kapelle der 
Residenz oder in den Privat- 
gemächern des Erzbischofs einen 
kleinen Altar geschmückt haben. 
Jedenfalls war sie 1806 nicht im 
Dom, sondern in der Residenz, 
da sie sonst wie die -wcnigen 
geretteten Stücke des Domschatzes 
dem Zugriff des „Kurfürsten von 
Salzburg" entzogen gewesen 
wäre. 
[m anschließenden Saal der „Ar- 
gentcria" steht als behcrrschendes 
Hauptstück eine auffallende große 
silberne Retabel (Abb. 4, Kat.- 
Nr. 88) in schwarzem Rahmen mit 
gravierten Darstellungen aus dem 
Marienleben. Um ein großes 
Mittelfeld mit der Maria im Rosen- 
hag gruppieren sich wie ein 
Rahmen 16 kleine quadratische 
Szenen. Auch dieses Objekt 
stammt aus dem Salzburger Re- 
sidenzschatz. 
ln den Mitteilungen des kunst- 
historischen Institutes in Florenz 
hat Günther Thiem 1959 diesen 
Altar im Rahmen einer Unter- 
suchung über Jan van der Straet 
publiziert?) Es ist ihm dabei 
überzeugend gelungen, die kleinen 
Szenen der Umrahmung (Abb. 5, 6, 
7) auf den Inventor Stradanus zu- 
rückzuführen. Der in seiner Un- 
tersuchung versuchte Beweis, daß 
der Silberaltar alter Bestand des 
Medici-lnventarcs sei, ist jedoch 
keinesfalls geglückt. 
Er schreibt, daß die Pitti-lnventare 
zwischen 1624 und 1761 den Altar 
nicht enthalten, ebensowenig der 
(Eeneralkatalog von 1825. Erst 
im Jahre 1890 findet er sich unter 
Nr. 73 ohne Hinweis der Her- 
kunft. Thiem versucht aber dann 
doch, den Altar in den alten 
lnventaren zu finden, und er 
präsentiert uns dazu folgende Ein- 
tragung im Inventar der Guarda- 
roha der Medici: "Diciotto qua- 
dretti in rame intagliati da stam- 
parc dümmagine di (Iristo e 
della nostra Donna ed altri Santi 
fattoci M. Aliprando CZPIlOlO da 
Trento addi Ottobre 1584" (acht- 
zehn Kupferbildchen zum Druk- 
ken gestochen mit der Darstellung 
Christi und unserer lieben Frau 
und anderer Heiliger gemacht von 
M. Aliprando Capriolo in Trient, 
Oktober 1584). Es handelt sich 
hier sichtlich um 18 einzelne 
Stücke auf Kupfer gestochener 
Stichplatten des Capriolo. Unser 
Altar ist hingegen ein: einzige 
große Silberplatte mit 16 kleinen 
und einer großen Darstellung aus 
dem Marienleben. Der Versuch, 
den Silberaltar im alten Medici- 
Inventar nachzuweisen, muß also 
als mißlungen bezeichnet werden, 
nachdem weder das Material noch 
die Anzahl übereinstimmen. 
Wichtig ist auch G. Thiems Hin- 
weis, daß es ihm nicht gelungen 
ist, die Vorlage für das große 
Mittelbild mit der sitzenden Ma- 
donna (Abb. 8) zu Enden. Nur die 
kleinen Szenen aus der Umrah- 
mung gehen auf Stradanus zu- 
rück. Mit diesem Mittelfeld be- 
ginnen aber unsere Beweise für 
die Behauptung, daß auch dieses 
Hauptprunkstück des Palazzo Pitti 
aus Salzburg stammt. 
Das gesuchte Vorbild für die 
Madonna im Mittelfeld finden wir 
noch heute in der Salzburger 
Residenz. Das Ölgemälde der 
Madonna von Caspar Memberger, 
dem aus Konstanz stammenden 
Hofmaler Erzbischof Wolf Diet- 
richs, hängt als eines der wenigen 
noch vorhandenen Gemälde in 
der Residenzgalerie3) (Abb. 9). 
Es erweist sich in der Darstellung 
der Madonna und des Kindes bis 
in die kleinsten Details der Dra- 
perie unbestreitbar als die Vorlage. 
Verändert und angereichert sind 
lediglich die Zutaten, der Rosen- 
hag an Stelle der beiden Engel, 
die Szenen im Hintergrund, die 
Tiere zu Füßen der Madonna. Die 
Blumenvase links vorne ist auf 
dem Ölbild an derselben Stelle an- 
gebracht. Es kann angenommen 
werden, daß Membcrger dem 
Stecher im Auftrage des Erz- 
bischofs eine verändert: Vorlage 
gezeichnet hat, um dem gestellten 
Thema der Maria im Rosenhag 
gerecht zu werden. 
Die Tafel ist unpunziert wie fast 
alle der für den Fürsten ange- 
fertigten Stücke des Salzburger 
Schatzes. 
Die Salzburger Inventars erwäh- 
nen auch dieses Stück seit 1612 
21
	        

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