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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 92)

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iert Kronen". sagte Kolo Moser, ,.könnten 
anfangen." Wärndorfer zog seine Brieftasche 
legte den für die damalige Zeit keineswegs 
ngfügigen Betrag van 500 Kronen auf den 
1. Schon am nächsten Tage brachte Kola 
er die Nachricht, daß er im 4. Bezirk, in der 
mühlgasse 6, eine aus zwei Zimmern und 
m Kabinett bestehende Wohnung gemietet 
sie auch bereits möbliert hätte. Die 500 Kronen 
l zwar dabei draufgegangen. aber man dürfe 
Wärndorfers Interesse an der Sache ja wohl 
eres Betriebskapital erwarten. Tatsächlich er- 
te sich Wärndorfer bereit. noch eine Summe 
50000 Kronen zur Verfügung zu stellen. und 
ging es unverweilt an die Arbeit. Mit drei 
hulten Handwerkern namens Koch, Schindel 
Kalter wurde in dem einen Zimmer der 
ien Wohnung eine MetalI-, in dem andern eine 
zrwerkstätte eingerichtet, und im Kabinett 
ite die „Direktion", die aus Wörndorfer als 
merziellem Direktor, Hoffmann und Moser 
den künstlerischen Leitern bestand. Diese 
an Verhältnisse dauerten jedoch nur bis zum 
:-ber1903, wo man in die geräumigen Ateliers 
der Neustittgasse 32_34 beziehungsweise 
lergasse 4 übersiedeln konnte. Dort gesellten 
zu den bereits vorhandenen zwei Werkstätten 
l eine Buchbinderei und eine Lederwerkstütte, 
Tischlerei und schließlich sogar ein Baubüro, 
die „Wiener Werkstätte" in die Lage ver- 
e, an die Errichtung und Ausstattung ganzer 
ser zu schreiten. Über die Grundsätze. nach 
an das junge Unternehmen zu arbeiten be- 
:htigte, gibt eine kleine, 19OS--erschienene 
rierte Broschüre Auskunft. in welcher Pro- 
r Hoffmann folgendes Programm entwickelte: 
.,Wir wollen einen innigen Kontakt zwischen 
Publikum. Entwerfer und Handwerker herstellen 
und gutes. einfaches Gebrauchsgeröt schaffen, Wir 
gehen vom Zweck aus. die Gebrauchsfähigkeit ist 
uns erste Bedingung, unsere Stärke soll in guten 
Verhältnissen und in guter Materialbehandlung 
bestehen  Es soll die Arbeit des Kunsthand- 
werkers mit demselben Maß gemessen werden wie 
die des Malers und Bildhauers. Wir können und 
wollen nicht mil der Billigkeit wetteifern: dieselbe 
geht vor allem auf Kosten des Arbeiters, und 
diesem wieder eine Freude am Schaffen und eine 
menschenwürdige Existenz zu erringen. halten wir 
für unsere vornehmste Pflicht." Im Sinne dieser 
künstlerischen und sozialen Prinzipien wurde die 
Einrichtung getroffen, daß jeder in der ,.Wiener 
Werkstätte" hergestellte Gegenstand außer dem 
Firmenzeichen  und der registrierten 
Schutzrnarke auch das Monogramm des ente 
werfenden Künstlers und des ausführenden Ar- 
beiters tragen sollte. Später wurde dies insofern 
vereinfacht. als dann nur mehr der Werkstätten- 
stempel und das Künstlermonogramm eingepreßt 
wurden. Da die Arbeiten der „Wiener Werk- 
stätte" heute bereits selten geworden sind. ist die 
Zeit nicht mehr ferne, da dein Monogramm „WW" 
kein geringerer Wert beigemessen werden wird 
als dem Bindenschild auf den Erzeugnissen der 
Altwiener Porzellonmanufaktur. 
Der erste große Bauauftrag, der der "Wiener 
Werkstätte" nach der Vergrößerung ihres Be- 
triebes zuteil wurde, war die architektonische Ge- 
staltung und Inneneinrichtung des Sanatoriums 
Purkersdorf. das nach den Plönen Josef Hoffmanns 
in den Jahren 1904-1906 erstand, Es war der 
erste moderne "Zweckbau" in Österreich, zu! 
gleich der erste rein kubische. flachgedeckte Bau 
auf dem Kontinent. also ein architekturgeschicht- 
liches Denkmal von größter Bedeutung. das nur 
leider in der Folge dadurch völlig entstellt wurde. 
daß man ihm einen dritten Stack mit schiefem 
Dach aufsetzte. Aber zu seiner Zeit erregte dieser 
Bau gleich Hoffmanns mustergültigen Villen auf 
der Hohen Warte auch im Auslande störkstes 
Aufsehen und veranlaßte den belgischen Kohlen- 
magnaten Adolphe Stoclet. Professor Hoffmann 
und die ..Wiener Werkstätte" mit der Planung 
und Ausführung seines Palais in der Brüsseler 
Avenue Tervueren zu betrauen. 1905 begonnen 
und 1911 vollendet. wurde es ein wahres Gesamt- 
kunstwerk alter in Betracht kommenden Kunst- 
zweige und Kunsttechniken. da Hoffmann hiezu 
nicht nur das ganze Personal der ..Wiener Werkv 
statte", deren künstlerischem Stube sich 1904 auch 
der hochbegabte Maler und Graphiker Carl Otto 
Czeschka angeschlossen hatte. sondern auch eine 
Reihe anderer hervorragender Wiener Maler 
und Bildhauer, wie Gustav Klimt. Berthold Löffler. 
Michael Powolny. Franz Metzner und Richard 
Luksch. zur Mitarbeit einlud. ..Für mich ist es das 
schönste Haus der Welt". pflegte Monsieur Stoclet 
noch 25 Jahre später sein Palais zu rühmen. und 
in der Tat stellt es die edelste Leistung der Junge 
wiener Kunst dar. von der nur zu bedauern ist, 
daß sie sich im Auslande befindet. Auf österreichi- 
schem Boden entstanden in ähnlichem Zusammen- 
wirken heimischer Kunstkrüfte die von Hoffmann 
mit Hilfe der "Wiener Werkstätte" erbauten 
Villen Ast. Skywa und Knips in Wien sowie die 
Landhäuser Primavesi in Winkelsdarf und Ast in 
Velden. Als infolge des Weltkrieges die Bautätig- 
keit der ..Wiener Werkstätte" ein Ende fand.
	        

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