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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

hohen Eckturm zur Linken. Die etwas 
schmalere Eckachse unterhalb des Turmes 
zeigt im Enlgmrboß keine Ödnung, wohl 
aber eine Kielbogenbektönung wie bei den 
beiden anderen Erdgeschoßachsen mit reich 
profilierten Spitzbogenöffnungen. Diese 
beiden Spitzbogenportale mit Kielbogen- 
bekrönung sind übrigens auch nicht gleich 
breit. Das rechte (äußere) Portal ist be- 
trächtlich breiter als das linke Portal 
(2,25:3,5:3,8 Maßeinheiten, rechts bis zur 
idealen Achse ergänzt gedacht). 
Im 1. Obergerrlrof? finden wir über den beiden 
mit Portalen versehenen Erdgeschoßachsen 
je zwei Achsen mit dreiteiligen Maßvcerk- 
fenstern, während vor der äußeren „Turm- 
achse" nur ein einziges (breiteres!) drei- 
teiliges Fenster zu Bnden ist. 
Sämtliche Spitzbogenfenster dieses Geschos- 
ses werden durch Kielbogen abgeschlossen. 
Während an der Ecke links von der Turm- 
achse eine reiche Baldachingruppe mit min- 
destens 3 Statuen anzunehmen ist, sehen 
wir zwischen den Fenstern übercckstehende 
Baldachine mit je zwei Sockeln für Statuen- 
schmuck. Das Maßwerk des Eckfensters 
im 1. Obergeschoß linder man nochmals 
auf Riß 189 sowie auf der Rißgruppe 75 
und 211 (rechtes Fenster). 
Im 2. Obergmbqß sind die Fensterachs- 
abstände wieder durchwegs halbiert, so 
daß auf eine Fensterachse des LOber- 
geschosses hier je zwei Achsen entfallen. 
Da die Eckachse aber im 1. Obergeschoß 
wesentlich breiter war, sind auch die hal- 
bierten Fensterachsabstände hier breiter 
ausgefallen, während sich die übrigen 
Achsenabstände trotz den leichten Diver- 
genzen im Erdgeschoß allmählich anglei- 
chen. Die spitzbogigen Fenster sind auch 
hier durch Kielbogen mit Krabben und 
Kreuzblumen gekrönt. Den Abschluß dieses 
Geschosses bildet eine Maßwerkgalerie 
zwischen Fialen, die über den Fialen des 
2. Obergeschosses stehen, also genau die 
Achsenteilung dieses Geschosses aufneh- 
men. 
Für die gesamte Fassade typisch ist die 
Unterteilung der geschlossenen Mauer- 
Bächen in den Bogenzwickcln durch vor- 
geblendetes Stabwerk mit Bogenabschluß. 
Im Erdgeschoß sind es (außer der „Turm- 
achse") je vier Blenden mit schräggestellten 
Wappen, im 1. Obergeschoß je zwei Blen- 
den zu beiden Seiten der Kielbogen- 
abschlüsse. Nur im 2. Obergcschoß sitzt 
der Bogenfries auf Lilienkonsolen auf. 
Auch der achteckige Erkturm ist in der 
Höhe dreigeteilt. Auf einem geschlossenen, 
nur durch Blenden gegliederten Unterbau 
oberhalb der Dachgalerie folgen zwei 
Fenstergeschosse zwischen Eckhalen, die 
auf Konsolen aufruhen. Unterhalb des Ge- 
simses über dem Lhenstergeschoß sieht 
man einen Bogenfries, das 2. Fenster- 
geschoß wird durch eine Maßwerkgalerie 
mit eigenartiger Fialengliederung abge- 
schlossen. Während beim Mittelfeld eine 
Weitere Fiale zentrisch über der Kreuz- 
blume des Kielbogens angeordnet ist, fehlt 
diese Mittelfiale bei den beiden übereck 
stehenden Feldern. Diese Anomalie ist leicht 
16 
durch zeichentechnischc Schwierigkeiten zu 
begründen. Bei übereek stehenden Fenstern 
wählte man nicht eine verkürzte Projektion, 
sondern ließ die Fenster von außen be- 
ginnend in die an sich richtig verkürzt 
projizierten Wandilächen einbinden und 
nach innen zu unvermittelt aufhören. S0 
konnte auch die mittlere Kreuzblumc des 
Bogcnabschlusses nicht mittig sitzen, son- 
dern mußte beträchtlich nach innen ver- 
schoben erscheinen. Die wieder achsial 
sitzenden Fialen hätten diese ungleiche 
Teilung allzu deutlich in Erscheinung tre- 
ten lassen. Der Grundriß dieses Turmes ist 
auf den Rissen 21 R und 283 R dargestellt. 
Dort erscheinen die Fenster des zweiten 
Fenstergeschosses gegenüber dem ersten 
Fenstergeschoß etwas zurückgestuft. 
Den Abschluß des Turmoktogons bildet 
ein hoher Pyramidenstumpf mit Eckpro- 
rilen und Horizontalgesimsen, die zwei 
Geschosse abschließen. Über dem obersten 
massiven Geschoß sehen wir einen etwas 
unbeholfen gezeichneten Zinncnkranz. Ob 
diese obere Plattform den Abschluß der 
Pyramide bezeichnet oder ob darüber noch 
eine hölzerne Helmspitze zu ergänzen ist, 
muß eine oEene Frage bleiben. 
Unterhalb des Fassadenrisses ist ein Hori- 
zontalriß (Grundriß) der vorderen, hier 
dargestellten Wand des Gebäudes mit Ein- 
tragung der Profile von Fenstern und Por- 
talen verschiedener Geschosse, wie dies bei 
gotischen Planrissen üblich ist, gezeichnet. 
Da Riß 21 R dieselbe Wand als Bestand- 
teil eines Gesamtgrundrisses enthält und 
dieselbe auf Riß 21 ähnlich dargestellt ist, 
darf auf die Eigenart und die Problematik 
dieser Darstellung bei der Behandlung 
dieses Risses näher eingegangen werden, 
der selbst wieder in Zusammenhang mit 
Riß Nr. 283 R gesehen werden muß. 
Riß 21 R, Grundnß de: 2. Obergmboue: 
(Abb. 3) 
Die Rückseite des Risses Nr. 21 zeigt als 
Riß Nr. 21 R den Grundriß desselben Ge- 
bäudes, dessen Fassade auf der Vorderseite 
dargestellt ist. Die Vorderwand dieses Ge- 
bäudes unterhalb des Eckturmes entspricht 
durchaus der unter dem Fassadenriß Nr. 21 
isoliert gezeichneten Wand. 
Wie es bei gotischen Planrissen durchaus 
üblich ist, sind die Profile mehrerer Ge- 
schosse in ein und dieselbe Horizontal- 
ebene projiziert. Beim vorliegenden Riß 
21 R sind Profile vom Erdgeschoß bis zum 
dritten Turmgeschoß - also insgesamt von 
sechs Geschossen - eingetragen. Da der 
Turm eine Sonderstellung einnimmt, die 
zunächst für unsere Untersuchung der 
Stockwerkgrundrisse ohne Bedeutung ist, 
werden zunächst die anderen Proßle unter- 
sucht. Bei beiden Grundrissen (Nr. 21 und 
21 R) wurde die Fensterwand des 1. Ober- 
geschosses zum Ausgangspunkt gemacht. 
Sämtliche Fenster dieses Geschosses sind 
in beiden Grundrissen - wenn auch mit 
Unterschieden in der Projektion A einge- 
tragen. Vom Erdgeschoß finden wir das 
rechte Gewändeprofil des linken sowie 
beide Gewändeprofile des rechten Portals
	        

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