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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 132)

Aktuelles Kunstgeschehenl Bundesländer 
 
Salzburg 
Galerie Welz 
Eduard Bargheer 
Im bildnerischen Werk des heute 72iährigen Ham- 
burger Malers verloren in den vergangenen zwei 
Jahrzehnten das Gefüge der Beziehungen von 
Gegenständen und die perspektivischen Angaben 
immer mehr an Bedeutung. In fast folgerichtiger 
Ausschließlichkeit nahm die Farbe Besitz vom 
Bild. In diesem schwierigen Prozeß besann sich 
Bargheer auf Paul Klee, in dessen Werk er einen 
Hinweis für die eigenen Absidtten erkannte. Diese 
Absichten zeigen sidi im Mittel der formalen 
Beschränkung und Abkürzung sowie in der Steige- 
rung der farbigen Differenzierung. 
(5.-30. 9. 1973) - (Abb. 13) 
Anton Mahringer 
Der 71iährige Maler lebt im Kärntner Gailtal, einem 
für die österreichische Malerei im 20. Jahrhundert 
nicht unwichtigen Schauplatz. So war das Dorf 
Nötsch der Geburtsort Franz Wiegeles und der 
spätere Wohnsitz von dessen Schwager Anton 
Kolig. Mahringer war 1928 Koligs erster Schüler an 
der Stuttgarter Akademie; er holt sozusagen für 
diesen großen Figurenmaler die Gestaltung der 
Landschaft nach. Mahringer bedient sich dabei der 
formalen Reduktion und führt die natürlichen 
Phänomene auf ihre farblichen Werte zurück. So 
entrückt er die Landschaft nach und nadi der 
Natur, um sie in klare, aus kantigen Kristallen 
oder kurvig ausschwingenden Gefügen bestehende 
Gebilde zu verwandeln. „Der Natur wird ein 
farbiges Gleichnis gegenübergestellt", hat Bruno 
Grimschitz von diesen Bildern gesagt, „das fast 
unabhängig ist von ihr, iedoch in allen Zügen an 
der Wirklichkeit kontrolliert erscheint." 
(2. 10.-Ä. 11. 1973) 
Trakl-Haus 
Eduard Bäumer 
Eine umfangreiche Auswahl aus dem Lebenswerk 
dieses in Frankfurt am Main geborenen und seit 
1933 in Salzburg lebenden Malers wurde dank der 
Kulturabteilung der Salzburger Landesregierung in 
den Räumen des Kunstvereins im Trakl-Haus am 
Waagplatz gezeigt. Schon früh unternahm Bäumer 
Reisen nach dem Süden, ins Tessin, in die Abruzzen, 
nach Assisi, Arezzo und Pasitano. „In dieser 
mediterranen Welt empfand ich manchmal etwas 
wie Urheimat", schreibt Bäumer selbst. Befreundet 
mit ltten, hatte er 1927-1928 ein Atelier in Berlin 
besessen in der Wohnung von Carl Hafer, dem 
Onkel seiner Frau; 1930-1931 arbeitete er in Paris, 
„froh, begeistert", ein künstlerischer Weltbürger in 
einer geographisch kleiner werdenden Welt. Seit 
ungefähr zwei Jahrzehnten aber ist Kalabrien, 
„elementare Natur und einfaches Leben", Mittel- 
punkt für Gedanken und Werk. Bäumers Liebe zum 
Süden ist nicht die Freude an malerischen Winkeln 
alter Städte, ist nicht die romantische Genüßlichkeit 
der Toskana. Bäumer malt expressiv, kraftvoll, von 
großer Überzeugung des farbigen Ausdrudcs. Er 
malt die wilde Natur, die Berge und Hügel, das 
Meer, „ein Stück klassisches Land wie von Jahr- 
tausenden her" (Abb. 14). 
Galerie Academia - Franz Zadrazil 
Ein qualitätsvolles Beispiel aus der in Salzburg nicht 
gerade häufig präsentierten „realistischen" Richtung 
der zeitgenössischen Malerei. Für Zadraiil ist fast 
ausschließlich die „Vedute" Grund zur Bestandsauf- 
nahme seiner Heimatstadt Wien. Er schließt aus 
diesen Bildern die Darstellung des Menschen aus 
und gründet in gekonnt gesetzten Farbvaleurs 
seinen persönlichen „Stil". 
Robert Doxat 
Die Olbilder und Federzeichnungen des 43iährigen 
Wieners werden zwar öfter zusammen mit denen 
der Maler der „Wiener Sdiule des Phantastischen 
Realismus" gezeigt. Zwar war auch der große 
Albert Paris Gütersloh sein Lehrer. Doxat verbindet 
aber mit dem hohen Intellekt einer feinen Ironie, 
einer minuziösen Technik und mit einer besonderen 
Delikatesse der Farbe eine große Vorliebe für die 
Kunst und Kultur des Orients. Franz Wagner 
40 
Steiermark 
Graz - Neue Galerie 
Oswald Oberhuber 
309 Exponate. Sehr unterschiedlich in der Auffassung 
und Herstellung, jedoch fast ausschließlich nur auf 
zweidimensionale Werke beschränkt. Die große 
Spannweite des Schaffens Oberhubers wird deut- 
lich, auch das Herkammen des Künstlers und sein 
ständiges Vorstoßen in ein für Österreich unge- 
wohntes Formen. Eine außerordentlich informative 
Schau. (6. 7.-26. 8. 1973) - (Abb. 15) 
Werke der VIII. internationalen Malerwochen in der 
Steiermark. Die Arbeiten der 14 Teilnehmer der 
Malerwochen, die heuer in Gleisdorf stattfanden, 
zeigten fast durchwegs eine spartanische Selbst- 
beschränkung. Die Sparsamkeit, manchmal audi 
Dürftigkeit, ist zu einer internationalen Erscheinung 
geworden, ebenso die Kasperliaden für den 
Fotografen (siehe Katalog I). Jedes der vertretenen 
Länder hatte aber auch. einen Künstler gestellt, der 
uns, ohne Gesichter zu schneiden, nicht nur etwas 
zum Denken, sondern auch zum Schauen gab: 
Jugoslawien Hasanefendic, Ungarn Komai, Italien 
Troianis und Usterreich Nöbauer. 
(21. 9.-14. 10. 1973) - (Abb. 16) 
Heribert Nothnagel, Holzplastiken 
Im neugestalteten Ecksaal stellte der 27iährige 
Holzbildhauer 43 Exponate aus, 35 Plastiken und 
acht Graphiken. Seine Arbeiten sind rustikal 
konstruktiv, behauen und zu Gliedern gefügte 
Klötze, in humanem Zusammenhang. Die Organisa- 
tion ist einsichtig. Es ist nichts dagegen zu sagen. 
(4. 1G.-28. 10. 1973) - (Abb. 17) 
Trigon '73 - Audiovisuelle Botschaften 
Eine Ausstellung, die von den Besuchern viel Zeit 
und ein hohes Maß an Einfühlung forderte. Hier 
wurde mehr noch als in den zwei vorangegangenen 
Trigonausstellungen (1967 und 1969) klar, daß wir in 
einen neuen Abschnitt mensdilidien Gestaltens 
eintreten. Was mit Tatlin, Bruni und Naum Gabo, 
ia, auch mit der Op-Art so harmlos begann, weitet 
sich zu einem mit verfeinerten technischen Apparaten 
erstellbaren Medium aus, das sich weit von den 
seit der Frührenaissance herkömmlichen Ausdrucks- 
mitteln der Malerei und Plastik, aber auch von 
Theater und Musik entfernt hat. Hier wird nun mit 
den technischen Apparaten der Fernsehindustrie 
operiert, eine audiovisuelle Modulation des Men- 
schen wird auf verschiedene Arten bewirkt. Die 
Ausstellung, von Italien, Jugoslawien und 
Österreich mit guten Kräften beschickt, stellte 
manches in Frage, wies aber unzweifelhaft in eine 
Zukunft, vor der es unsinnig wäre, die Augen 
verschließen zu wollen. (6. 10.-11. 11. 1973) 
Fritz Silberbauer, 
Trigonpersonalausstellung 6 
Mit 308 Nummern wurde das grafische Lebenswerk 
des 90iährigen Künstlers dokumentiert. Grafik, 
Kohle, Rötel, Kreide, Sepia, Tusche, die ver- 
schiedensten Arten der Druckgrafik, alle Techniken 
waren vertreten, in allen war Silberbauer zu Hause. 
Der stilistische Bogen spannte sich vom Jugendstil 
über den Realismus und den Surrealismus bis zur 
starken Ausdruckskunst der zwanziger Jahre, um 
dann schließlich, nach einer kubistischen Beein- 
flussung, großflädiiger zu surrealen Gestaltungen 
zurückzukehren. Sehr interessant auch die Blätter 
zur Formenlehre kurz vor 1930. Sie allein würden 
manchen Heutigen genügen, schon an die Öffent- 
lichkeit zu treten. (19, 10.-11. 11. 1973) - (Abb. 1B) 
Oberösterreich 
Linz - Neue Galerie 
Bildnerische Tatbestände - 
Beispiele österreichischer Kunst heute 
Zum 25iöhrigen Bestehen der Galerie und anläßlich 
des Wechsels in der Leitung wurde diese Aus- 
stellung, noch einem Festakt der Arntsübergabe, 
durch den Bürgermeister eröffnet. Peter Baum, der 
neue Direktor des Hauses, hatte bewußt Werke 
von 25 Künstlern ausgewählt, die oft vorn üblichen 
Gestalten, wie es das Tafelbild ist, abweichen. 
Obiekte, wie Pfaffenbichlers „Vogelkäfig" oder die 
„Tonbrücke" der Schellander, werden, wenn 
auch vielleicht manche heimische Beobachter 
schockieren, da sie der Kunst das „Hehre" 
sicher bald die Zustimmung Einsichtiger gew 
Schwerer werden es Krätschmer 8. Schwarz 
mit ihren allzusehr im Design verankerten 1 
haben. Vollkommen untergegangen ist Josel 
Bauers „Raumtext", zu Recht sehr gut ploi 
beachtet Frantisek Lesak und D. J. Prelog. H 
Krumpel mit seinen beiden Acrylbildern bila 
neben Karl Korab und der Doris Reiter, die 
Verbindung zu überkamrnenem Formdenken 
Ausstellung, die nach dem Willen der Veran 
Denkanstöße geben soll. 
(14. 12. 1973-3. 2. 1974) - (Abb. 19, 20, 21) 
Niederösterreich 
Perchtoldsdorf - Galerie Romanum 
Lothar Bruckmeier, Graphik '73 
Die strengen Muster der früheren Blätter sch 
sich in den neuen Zeichnungen Bruckmeiers 
lösen. Surreale Töne werden stärker. Ein iro 
Akzent ist nicht überhärbor. 
(3. 10.-23. 10. 1973) - (Abb. 22) 
Oscar Asboth, Malerei 
Asboths Malerei ist durch sein Herkammen 
Technischen stark beeinflußt. Phantastisches 
Utopisches will sich vermischen. (14. 11.-4. 11 
Lindabrunn - Bildhauersymposion 
Unter der Leitung von Mathias Hietz a 
heuer insgesamt neun Künstler im Steinbrui 
gestaltete einen eigenen Stein, daneben wu 
auch an dem großen Freiraum als Gemeinsc 
werk gearbeitet. Diese eine größere und eir 
kleinere Arena miteinander verkoppelnde Ai 
wurde in den Hang des Kirschgartens oberhi 
Steinbruchs hineingearbeitet. Das aufgeriss 
reich wird in einigen Jahren wieder verwach 
sein, so daß die bloßgelegten und gestaltete 
Felswände, die steinernen Tische, Nischen ur 
Meditationsobiekte mit der umgebenden Na 
Ganzes bilden werden, in dem sich Mensche 
gemeinsamen Aktionen, Festen oder Spieler 
So wurde schon heuer vorn Symposien in Zu 
menarbeit mit dem Literaturkreis PODIUM z' 
Abende mit Musik und Lesungen in diesem 
gestaltet, die beim erstenmal von etwa 100 l 
beim zweitenmal von 200 Personen besuch 
Das Symposion lief vom 16. 7.-26. 9. 1973 (AI 
St. Pölten - Galerie Hippolyt 
Fritz Wotruba 
Ein sehr dankenswertes Bemühen dieser Gal 
nach Kokoschka nun den großen österreichis 
Bildhauer mit einer Ausstellung von Zeichnui 
Plastiken und Druckgraphiken nach St. Pölter 
bringen. Die Kleinplastiken und Graphiken v 
zum Teil in der Ausstellung der Albertina zu 
(I5. 11.-27. 12. 1973) 
Nö. Landesmuseum - Wien, Herreng 
Johannes + Charlotte Seidl, 
Robert Hammerstiel 
Johannes und Charlotte Seidl: keramische Pi 
von Ohnsorg herkammend. Neben Vasen un 
Lampen aufgerissene Formen, menschlichen 
Knochen ähnlich: Schaugebilde, Zeichen. 
Robert Hammerstiel: großformatige HOIZSCfII 
Menschen, expressiv, ausdrucksstark, mit eint 
Gestik. Oft bezieht er die Holzstruktur in die 
Gestaltung ein, nicht immer zum Vorteil. 
(9. 11.-9. 12. 1973) 
Burgenland 
Eisenstadt - Landesgalerie 
Johannes Wanke 
Holzschnitte, großflächige, kräftige, in Hell t; 
Dunkel gut abgewogene echte Wanke. 
(5. 12. 1973-13. 1. 1974) - (Abb. 24) 
Werkstatt Breitenbrunn 
Adolf Luther 
Ein Spiel mit Licht und Spiegeln. Der uns umi 
Raum soll bewußtgemacht werden. (1. 11. 1 
Alo
	        

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