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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 151)

einem gemauerten Becken, während der spähen- 
de Aktäon in einen Hirsch verwandeltwird. Nach 
hält er, schon mit Hirschkopf, den Spieß, umge- 
ben ihn seine Hunde, deren Opfer er bald 
wird". 
Besser wurde die Verwendung von drei „Tro- 
chus"-Gehäusen durch Nikolaus Schmidt in Nürn- 
berg gelösl: eine Kanne in Drachengestalt zu 
einer Schüssel mit Perlmutterplattierung. Hier 
sollen die abgeschliffenen Muscheln Flügel- und 
Schwanzfedern, originell gelockt, andeuten. 
Schmidt war eine Zeitlang Mitarbeiter bei Wen- 
zel Jamnitzer, was an seinem „Nautilus"-Pokal 
im Buckingham Palace zu London klar zum 
Ausdruck kommt. Sa gut dieser gegliedert und 
aufgebaut ist, so erscheint die „Drei-Trochus"- 
Kanne schwach und ist vielleicht als ein Jugend- 
werk zu bewerten". 
Bevor ich zu einer näheren Würdigung der 
Muscheltafelaufsötze, insbesondere der „Nauti- 
lus"-Becher, übergehe, ergibt sich die Notwen- 
digkeit, etwas über das natürliche und nachträg- 
lich künstliche Aussehen der Schalen zu sagen. 
Schon deshalb, weil anscheinend bei vielen 
Kunstgelehrten hierüber keine klaren Kenntnisse 
verbreitet sind. 
So gut wie alle Meerschnecken, und sa auch 
die Doppelschaler oder eigentlichen Muscheln, 
vermögen aus dem Seewasser Kalkverbindun- 
gen und andere Mineralien aufzunehmen und 
diese dann durch besondere Drüsen des soge- 
nannten „Mantels" in unlösbarer rasch härten- 
der Form wieder auszuscheiden und nach ver- 
erbten Prinzipien in arteigenen Formen meist 
phantastischen Zeichnungen und Farben aufzu- 
bauen. Für die Schnecken bildet ein kegelförmi- 
ger Trichter den Grundplan, der, von der Spitze 
aus gesehen, in Uhrzeigerrichtung gewunden er- 
scheint. Äußerst seltene linksdrehende Ausnah- 
men interessieren nicht an diesem Ort. Bei so 
gut wie allen Arten sind die Windungen anein- 
andergeschweißt; das Wachsen der Tiere be- 
dingt die progressive Ausweitung des Raumes, 
in den es sich bei Gefahr weit zurückziehen kann, 
mit einer besonderen Verschlußklappe aus horni- 
gern oder kalkigem Material. 
Die vom Mantel abgesonderte Schale ist prinzi- 
piell in drei verschiedenen Schichten aufgebaut: 
eine äußere hornartige Haut, das sogenannte 
„Conchyolin" mit den Farbstoffen, in arteigenen 
Farben und Zeichnungen; unter dieser die 
„PrismenschichW, in welcher Kalk und andere 
Mineralien in oft dicken Lagern angesammelt 
werden; endlich eine dritte, an welcher das 
Weichtier ständig entlanggleitet: die eigentliche 
Perlmutterschicht. Hier werden dieselben Mineral- 
Verbindungen als hauchdünne Blättchen abgela- 
gert, deren besondere Mikrostruktur die dem 
Perlmutter eigenen Lichtbrechungen bedingt. 
Echte Perlen bestehen ausschließlich aus letzte- 
rem Material, das bei Zuchtperlen um einen dik- 
ken Kern sich ablagert. 
Eine „Nautilus"-Schale im Naturzustand zeigt 
die Conchyolinschicht, also die Außenhaut, elfen- 
bein- bis cremefarben, belebt durch eine orange- 
bräunliche Flammenreihe, die vom Muschelrücken 
zur Mitte strebt. Das Tier, aus der Familie der 
Cephalopoden, auch Polypen oder Tintenfische 
genannt, lebt im Chinesischen Meer in 80 bis 
100 Metern Tiefe frei schwebend und vermag 
durch wechselnde Luftzufuhr in die innersten 
Zellen der Schale zur Nahrungssuche und Paa- 
rung bis an die Wasseroberfläche zu kommen, 
bzw. durch Luftablassung wieder abzusinken - 
mit anderen Worten: die hydrostatischen Kam- 
mern der Tauchboote hat der Schöpfer längst 
erdacht. 
Eine „Nautilus"-Schale, möglichst ein „gem quali- 
ty specimen", ist ein obligates und dazu auch 
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