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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

Varia 
 
Stift Herzogenburg 
Kunst der Ostkirche 
Fast 250 Exponate vieler berühmter Sammlungen 
in aller Welt waren den ganzen Sommer über 
in dem renovierten Trakt des Klosters zu sehen. 
Wesentliche Obiekte stellten das Kunsthistarische 
Museum Wien, das Österreichische Museum für 
angewandte Kunst Wien, der Pariser Louvre, das 
Benaki-Museurn in Athen, das Belgrader National- 
museum, das lkonenmusieum in Recklinghausen 
u. v. a. bedeutende Sammlungen zur Verfügung. 
Das Hauptkantingent bildeten die Ikonen, Bildtafeln 
verschiedener Herkunft. Von frühchristlichen Zeug- 
nissen, 4.-5. Jahrhundert ausgehend, wurde die 
Entwicklung innerhalb eines sehr fixierten Bild- 
schemas bis ins 1B. Jahrhundert verfolgt. Auch die 
Unterschiede der lkonenmalerei einzelner Länder, 
durch soziale und landschaftliche Gegebenheiten 
bedingt, kamen, bei aller Verbindlichkeit des 
gemeinsamen Farmenkanons, bei der Schau deutlich 
zum Ausdruck. Eine Ausstellung von internationalem 
Format auf dem Boden Niederösterreichs. 
7. 5-30. 10. 1977] - (s. Abb. r. oben] 
Stift Göttweig 
Emblemata 
Die 26. Ausstellung des Graphischen Kabinetts 
und der Stiftsbibliothek befaßt sich mit Beispielen 
der barocken Symbolsprache. Hier wird verdeutlicht, 
welche wichtige Rolle die Emblematik im Barock 
spielte und wie sehr sie verbreitet und ihr Sinn 
iedem Gebildeten geläufig war. Daß die Emble- 
matik nicht nur auf Gedrucktem zu finden, sondern 
in vielen Formen an Bauwerken, in der Architektur- 
malerei anzutreffen ist, wird dem Besucher bewußt. 
So werden auch dem Laien, der die Ausstellung 
sieht, Zusammenhänge verdeutlicht, Rätselhaftes 
verständlicher. Ein umfangreicher Katalog (118 
Seiten] mit einem Beitrag der Grazer Wissensdiaft- 
lerin Grete Lasky und vielen Bildbeispielen gibt 
Orientierung über ein Gebiet, das den meisten 
Mensdnen heute nicht ohne weiteres zugänglich ist. 
(15. 5.-26. 10. 1977] - (s. Abb. r. unten] 
Wien 
Künstlerhaus: Borobudur 
Die Kunst und Religion im alten Java, in einer Zeit- 
spanne vom 8. bis zum 14. Jahrhundert, sollte diese 
Schau dem österreichischen Kulturinteressierten 
nahebringen. Zur Einführung sah man Fotos der in 
tropischer Umwelt stehenden Kunstobiekte und das 
Hauptwerk, den Borobudur, ein riesiges, pyramiden- 
artiges, kultisches Bauwerk, nach dem die Ausstel- 
lung ihren Namen bekam, im Modell. Das Original 
ist 113 Meter lang und 35 Meter hoch, hat fünf 
quadratische und drei runde Terrassen und ist mit 
unzähligen Reliets ausgestattet. Wir finden hier 
400 Buddhafiguren, eine Darstellung der Kosmologie 
und Erlösungslehre. 
Im Mittelsaal des Künstlerhauses konnte man einige 
Originalskulpturen: fünf Buddhastatuen und Relief- 
tafeln dieses gigantischen Bauwerkes bewundern. 
Der rechte Seitensaal bot Metallplastiken und Klein- 
obiekte in Metall aus der Zeit vom B. bis 10. Jahr- 
hundert. Schmuck aus Gold, 10. bis 14. Jahrhundert. 
lm linken Saal waren Textilien, Kunstgewerbe, Holz- 
arbeiten und bemalte Kultfiguren aus dem 19. Jahr- 
hundert sowie zeitgenössisches Kunstgewerbe zu 
sehen, wobei festgestellt werden konnte, daß sich, 
für ein europäisches Auge zumindest, die Formen 
durch die Jahrhunderte ziemlich stabil hielten. Nur 
beim Silbersdtmuck machten sich westliche Einflüsse 
stärker bemerkbar. Die ganze Ausstellung war sehr 
lodrer gestaltet und konnte uns sicher nur eine 
Ahnung von der ganz anderen Welt des Fernen 
Ostens geben. Der reichbebilderte Katalog ergänzte 
die gezeigten Objekte wesentlich. Die ständig 
laufenden Filmvortührungen hatten eher Fremden- 
verkehrswerbungsniveau. 
(19.6.-2.10.1977) 
Linz - Neue Galerie - 
Hommage ä Kubin 
Aus Anlaß des 100. Geburtstages des Künstlers 
76 
  
  
Bundesministerium für Wissensdwaft 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
hgiäeen und Kunstsammlungen 
1 
Das Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen in den Monaten 
Juli 165.101 
August 158.963 
September 161.210 
Besucher gezählt wurden. 
Triumph der Engel, Kreta, 17. Jh. 
au. 
M , Adler Pt "a s mit 
auf zusammengeralltem Fuchs, Emblem für Rudolf n. 
„Et sei bereit.' 
bereitete die Galerie, die die drittgrößte öffentliche 
Kollektion von Werken des Meisters in Österreich 
besitzt, eine sehr repräsentative Schau, die 120 
Exponate umfaßt. Alle wichtigen Perioden im 
Schaffen des Künstlers waren vertreten. Audi die 
verschiedensten Techniken, die Kubin ausübte, waren 
zu sehen. Die Beziehungen des großen Zeichners zu 
Linz und Oberösterreich wurden in dem sehr 
umfangreichen und gediegen gemachten Nach- 
schlagewerk, das aus diesem Anlaß von der Galerie 
herausgegeben wurde und das sechs Farb- 
abbildungen und 40 Schwarzweißwiedergaben 
beinhaltet, in dem Geleitwort von Peter Baum, der 
auch den „Katalag" gestaltete, hervorgehoben. 
(31. 11.-30. 4. 1977) 
BadenlKleine Galerie am Hauptplatz 
Anton Wichtl 
Zu Alfred Kubins 100. Geburtstag präsentierte uns 
sein geistiger Schüler Anton Wichtl Schlaf- und 
Wachträume, mit denen er seine alte Verbundenheit 
mit dem Zwickledter Meister und seine ihm eigene, 
eigenständige Versponnenheit und Beredsamkeit 
mit dem Zeichenstift erneut unter Beweis stellte. 
Viele imaginäre Szenen gaben dem Künstler Anlaß, 
mit kühnen Strichen vertraute Umwelt mit erdachtem 
Geschehen zu vereinen. 
(1. -29. 7. 1977] 
Wien 
Galerie am Graben 
Peter Skubic 
Die Schmuckstücke des Skubic werden immer mehr 
und mehr zu Miniaturplastiken, wobei der Künstler 
doch auch darauf Bedacht nimmt, daß diese 
Obiekte ein Liebhaber auch noch an den Finger 
stecken oder ein anderes an die Bluse heften will. 
Hier waren vor allem exakt die Arbeitsweise ihrer 
Entstehung wiederkennenlassende Exponate zu 
sehen. Eine Bewußtmachung, ein Zug zur Ehrlichkeit 
und zur Freude am Entstehungsprozeß zeichnet sie 
aus. Bewegliche Teile lassen dem Besitzer die 
Möglichkeit, an dem Obiekt weiterzuhantieren. 
06.-28. s. 19771 
Galerie Ariadne 
Walter Weer 
Der Künstler beschäftigt sich schon seit einigen 
Jahren mit dem Thema Wasser. In Tusche- und 
Pastellkreidetechniken werden die durch dieses 
Element bedingten Erscheinungsformen, wie 
Sohlieren, Wellen etc., festgehalten. Bei aller 
Erfassung konkreter Einzelheiten werden dahinter- 
liegende Emotionen sichtbar. Angst, Einsamkeit u. ä. 
Gefühle sprechen aus den in lockeren Farb- 
abstufungen gehaltenen Blättern. 
(21. 11.-20. 5. 1977) 
Junior-Galerie 
Karl A. Wolf 
27 Ulbilder, davon acht ganz großformatige, 
zeigten eine neue Entwicklung in Wolfs Malerei. 
Von dem eher unbestimmbaren Formgewoge seiner 
früheren Bilder geht er sichtlich zu großflächigeren 
und geordneteren Einheiten über. Waren 
„Anatomie einer Landschaft" und „Der Garten 
Eden" eher noch in der alten „kasmischen" Art 
gemalt, so finden wir bei „Bodenstation", „Jonglier- 
maschine" und „Warten auf die Auferstehung" 
Realitätsfragmente und -ausschnitte, die von Wolfs 
charakteristischen Blautönen, die freilich auch sdton 
oft von einem Rot und Violett abgelöst werden, 
getragen sind. Die Ordnung wird evident und weist 
in ein spätes, zum Ende neigendes Stadium. 
(19. 4-28. 5. 1977) 
Renate Merzinger-Pleban 
Ein neuer Name, den man im Auge behalten soll. 
Die Graphiker, bewußt oder unbewußt eher 
bescheiden und zurückhaltend, verraten eine sichere 
Hand. 
(17. 7. -30. B. 1977) 
Alois Vogel
	        

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