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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 160 und 161)

vermehren ließen - vor allem um die ob des Dekora- 
tionsreichtums geschätzte Palette orientalischer 
Anregungen. 
Die eigentliche Wiener Ausformung des Jugendsti- 
les. die Wiener ß-Secessionu, dagegen hat einen viel 
strengeren Charakter demonstriert. der sich im 
Werke Otto Wagners und einiger seiner Schüler bis 
zu einem Protokubismus steigern konnte. Zu diesen 
gehörte etwa Max Fabiani mit dem Haus Fix 8- Patois 
von 1897 (Abb. 5). Die Bemühung. die historische 
Signalwirkung historisierender Fassaden abzustrei- 
fen, läßt hier die Fläche. die klardefinierbare geome- 
trische und stereometrische Form dominieren - wie 
dies seil dem sogenannten Revclutionsklassizismus 
des späten 18. Jahrhunderts möglich war. Das Or- 
nament. sich gern auch im Material-etwa in Metall- 
deutlich absetzend. hat Applikationscharakter, wäh- 
rend es bei den anderen Bauten viel stärker inte- 
griert ist. Keine Frage. daß jene Werke. die man der 
Wiener Secession zurechnen kann, weitaus radika- 
lerjenem Drange des Jugendstiles entsprachen. der 
der erdrückenden Fülle der Geschichte. "der Schlaf- 
losigkeit. dem Wiederkäuenw entrinnen wollte. als 
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die dem gleichen Zeitstil verpflichteten späthistori- 
stischen Bauten. 
Was hat dieser Stilpluralismus für Hintergründe und 
warum dehnt sich zwischen dem Jugendstil bezie- 
hungsweise der Secession und seiner späthistori- 
stischen Variante eine solche Kluft, daß man letztere 
nur selten zu würdigen bereit ist? 
Zunächst wird man für den Stilpluralismus gesell- 
schaftliche Spannungen ins Treffen führen können. 
Nicht nur in Wien waren die Verfechter des Ju- 
gendstils in seiner reinen Ausprägung beziehungs- 
weise der Secession Mitglieder einer intellektuellen 
und künstlerischen Elite. einer Avantgarde. der es 
um einen esoterischen Lebensstil und das Ausbre- 
chen aus der als Fessel empfundenen Tradition und 
Geschichte ging. Dieser Gruppe standen als Antipo- 
den die Träger der offiziellen Kunsttätigkeit gegen- 
über, die vom Kaiser über den Thronfolger abwärts. 
weiters von Beamten und Bürgern gepflegt wurde 
und die sich an die verschiedenen Variationen des 
Historismus hielten. Der wkleine Manne konnte sich 
beider Möglichkeiten erst in dem Moment bedienen. 
wo sie aus der elitären Isolierung der Einzelanferti- 
4 Georges Chedanne. Französische Botschaft. Wien 4. 
Schwarzenbergplatz, Balkon der Beletage, 1906-1909. 
(Foto Fiegl Nr. B40) 
5 Max Fabiani. Haus Fix B. Patois. Wien 3. Ungargasse 59. 
1597-1900. (Foto Fiegl)
	        

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