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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 163)

tinuismus verwendet. Die Moirewirkung und das 
schimmernde Tiefenlicht der Maserung ent- 
wickeln sich nur bei glänzender Politur, die da- 
mals häufig war, und Im soeben erwähnten Grafen- 
egger Raum bei dessen teilweisen Wiederherstel- 
lung - die erfreullcherwelse die in Grafenegg 
häufig gewesene gemalte Ornamentpatronierung 
der Wände einschloß - vor einigen Jahren durch 
den Kunsttischier Johann Lakner durchgeführt 
wurde. 
Als Ganzes zeigt der Ahnensaal, wie schon bei Be 
sprechung seines Plafonds auch bemerkt, im Ver- 
gleich zum Großen Salon weniger düstere großfor- 
mige Dramatik, sondern mehr Abwechslung in 
Form und Farbe und eine Vielteiligkeit, aber klar 
rhythmisiert und zu Höhepunkten hin gesteigert in 
der Komposition. Durch Verwendung von Bändern 
aus Diamantquadern (Kamin) und von punktuell 
vergoldeten Eierstäben und Zahnschnitten wer- 
den die vielfältigen Reize des Raumes noch durch 
eine flimmernde Wirkung bereichert. Auch dieser 
Raum wird etwa 1870 entstanden sein. Es sei noch 
erwähnt, daß die beiden metallenen Lampadaire 
Träger (Geharnischte) auf den Treppenbalustra- 
denpfeilern, links auf Abb. 3 sichtbar, jetzt auf 
Treppenpfeiler des Vorraums vorn Grafenegger 
Rittersaal gesetzt wurden. 
Der Vorraum im Palais Breunner (Abb. 4) hat allge 
mein wieder in der unendlich phantastischen In- 
tensität vielfach ineinander verbundener Detail- 
formen eine Stimmung, welche den andern be- 
sprochenen Palaisraumen und generell denen in 
Grafenegg entspricht. Beim Türfronton findet sich 
Knorpelwerk, wie im Großen Salon, dessen unend- 
liche Vielfalt dichtester formaler Bezüge bizarren 
Selbstgenuß ausdrückt, der dämonisch ist, jen- 
seits des "Menschlichenu - Erlesenheit im Bizar- 
ren. Von den Deckenfilllungen gilt bei romanti- 
scher, also legitimer, Sicht dasselbe. Der Kamin 
des Vorraums delegiert die Herstellung tektonisch 
wirkender Symbolik weitgehend an Skulptur, beim 
Aufsatz fast ganz an ornamentale, die schwung- 
voll gelöst wirkt. Dies sind Züge des Spätkonti- 
nuismus, welche der Verfasser 1976 zuerst nach- 
wies, und zwar am Wiener Wohnbau-W. Der Kamin 
dürfte kurz vor 1880 entstanden sein, dieses Auf- 
satzes wegen. lrgendwelche Bezüge zu Hugo oder 
gar Leopold Ernsts Stil kann der Verfasser an ihm 
nicht finden, wohl aber Parallelen zum Stil des er- 
wähnten Franz Schönthaler (was den Kaminauf- 
satz angeht) bei seinen Treppenhausstukkaturen 
in Wien l, Goethegasse 3 (Baukonsens 1862), ob- 
wohl diese Stukkaturen noch dem reifen Konti- 
nuismus angehören". 
Der Bauherr Grafeneggs und der Singerstraßen- 
räume, Graf August Ferdinand Breunner- 
Enkevoirth, schuf in den Palaisräumen eigentlich 
ein Milieu, in welchem er, mitten in der Metropole, 
einen Anruf seines Grafenegg empfand. Er war 
nicht mehr in der Metropole. Er war in sich selbst. 
Eck angeordnet; von dieser Anordnung war 
lesprechung des Großen Salons die Rede, wo 
iiCh auch findet. Der Kaminautsatz zeigt eine 
z verräumlichte Aedikula. Eine solche Spiegel- 
kula. wobei auch wieder der Splegelrahrnen 
stark plastischem Ornamentband besteht und 
I das Weitgeschwungene und Verräumlichte 
e korinthische Säulen mit oben kannelierten, 
n ornamentierten Schalten vorhanden sind, 
ils Rahmung einer Diwannische das schon er- 
nte Herrenzimmer Löwelstraße 22, 2. Stock, 
iutlich im Frühjahr 1874 vollendet und Karl 
golph Kayser zugeschrieben". In der Lowel- 
Se ist das Fronton aber vielleicht gesprengt 
hat im Scheitel eine monumentale ornamen- 
e Bekrönung. 
:iguratlon der Flustlkaschnitzerei des Kamin- 
aufsatzes im Ahnensaal spreizt sich pathetisch 
facherförmig in großer Dramatik. Zur Spreizung 
steht die feierliche Starre des rechtwinkligen 
Autsatz-Konturs in Kontrast. Aus diesem Kontrast 
entsteht Einheit - solche Kontrastharmonle wur- 
de ja bereits im Gesamteindruck des Großen Sa- 
Ions nachgewiesen. 
Die tiefsten Füilungsflächen der Ahnensaalboise- 
rie bestehen aus honigfarbenem Holz mit schim- 
mernder, wie Moireseide wirkender reicher Mase 
rung. Die tektonisch wirkenden Täfelungsteile 
sind wirkungsvoll durch dunklere Färbung gerüst- 
haft kontrastiert. Ein derartiges goldig gelbes 
Holz mit Moire-Maserung zeigt auch die Tafelung 
des Schrelbzimmers des Grafen in Grafenegg 
(Beletage, südwestlicher Eckrau m); es wurde auch 
bei noch erhaltenen Grafenegger Möbeln des K0n-. 
Anmerkungen 41-49 
" Eisenberg Ludw. u. Richard Groner. Das geistige wien. Jahrgang 
1890. Wien 1890. Bug. 244-245 
" Eggen. zit. Anm. io. Bildarläuterungen. passim; cl. ldem. Die Wie- 
ner Ringstraße. wien (m1). pag 14, 2a. a2. 51. ss (e Wiener Ge- 
schichtsbücher) 
" Falke. Jacob v.. Die Kunst im Hause. s. Auil. Wien lsßa. pag. 222 
" zil, Anm.43. pag. 239 
ß Zit. Anm. 43. 95g. 201. ähnlich 99g. 284 
" über das Konslantinshcgenmotiv bei Semper cl. Eggen Klaus, 
Gottfried sarriaar, Carl v. Hasenauer. Wiesbaden 191a. pag. 
1737174 (I Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche. Träger Fritz 
Thyssen Stiftung. au. Vllll2l Zusammengebunden mit einem Text. 
dessen Urheberin Plannar-Stainerdem Verfasser unbekannt ist. ZU 
diesem Text hat seine Abhandlung uber Semper und Hasenauer 
keinerlei Beziehung 
" Zit. Anm. 14. 16 (dort Vincenii) u. Anm. 15 
" Zit. Anm. 13. besonders pag. 435, 436 
"' Palais Goethegasse 3: vgl. Eggert. zlt. Anm. 13. peg. 250-257 
F1 Anschrift des Autors: 
Dr. Klaus Eggen 
2092 Riegersburg Nr. 1 INÖ 
19
	        

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