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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIV (1979 / Heft 166 und 167)

Notizen 
 
Bonn - Rheinisches Landesmuseum 
Mit außergewöhnlich schwierigem technischem Auf- 
wand wurde die am 28. 11. 1979 eröffnete Ausstellung 
"Die Numider - Reiter und Könige nördlich der Saharair 
zusammengetragen. Nur ein minuzios eingehaltener 
Zeitplan ermöglichte das Heruberbringen aller 500 Ob 
jekte aus Algerien und Tunesien. Erstmals verließen die- 
se ihren Standort. Überraschende Begleiterscheinungen 
beunruhigten den Zug des Transports, was neuerdings 
die Problematik des Ausstellungswesens schlaglichtar- 
tig beleuchtet, Die zum Tell kolossalen Plastiken, darun- 
ter die fast 2']: Meter hohe Panzerstatue von Cherchel, 
1 Tonne und 3 Zentner schwer, gaben einiges aufzulö- 
sen. Diese Schwierigkeiten lassen neuerdings überle 
gen, wie solche Ausstellungen in Zukunft ohne größere 
Zubringerrisken veranstaltet werden könnten, ohne auf 
das Entscheidende, nämlich die originalen Kunstwerke, 
zu verzichten. Die interessante Schau, bei Redaktions- 
schluß noch im Anmarsch, kann bis 29. 2. 1980 in Bonn 
besichtigt werden, sollte nicht versäumt werden, da sie 
in dieser Zusammensetzung kaum mehr nach Europa 
kommen wird. (Abb. 1) 
Cleveiand - Museum of Art 
Kinder im Mittelpunkt einer neuen Aktivität. Bei den 
"Wednesday Evening Festlvalsu erstmals sog. "Studio 
Classes for the Familyw. Leitgedanke, Kinder mit Eltern, 
Großeltern oder älteren Freunden vor den Kunstgegen- 
standen im musealen Circuit zu vereinen. Ein Weg, der 
der Übersättigung der Konsumgesellschaft und dem Di- 
rigismus des TV-Giganten entgegensteuert, ob er zu 
neuer Selbstfindung und Verinnerlichung führen kann? 
wThe Face of China as Seen by Fhotographers and Tra- 
veiers from 1860 to 1912m. 200 Bilder aus 10.000 Foto- 
grafien, selektiert von Leihgebern aus Europa und Ame 
rika. Eine eindrucksvolle Darstellung von Chinas Land, 
Volk und Kultur. Angeführt vom ersten westlichen Foto- 
grafen in China, Felice A. Beato, 1860 mit der Anglo- 
Französischen Armee nach Tientsin unterwegs, schufen 
weitere Pioniere der Fotografie, wie Ernest H. Wiison, 
Donald Mennie und die "White Brothersu, eindringliche 
Bilder dieser Zeit. Chinas Menschen des 19. Jahrhun- 
derts, die eigenwillige Architektur des gelben Mammut- 
reiches sind außerordentlich gut eingefangen. 
Esslingen - Villa Merkel 
Einen weiteren Akt der Nachstenhilfe setzte die Stadt 
Esslingen am Neckar mit der Verleihung ihrer Paten- 
schaft an heimatvertriebene Böhmerwälder aus Krum- 
mau an der Moldau. Zum Anlaß die Ausstellung über 
den Böhmerwald in der bildenden Kunst des 19. Jahr- 
hunderts. lnteressant, daß hierbei erstmals in der Of- 
fentlichkeit gezeigte Werke von A. Kubin, E. Schiele, 
H. SteinerIPrag, J. Hegenbarth u.a. zu sehen waren. 
Faenza - Museo lnternazionale deiie 
Ceramiche-Faenza 
Relativ spät, 1908, begründete Gaetano Baliardini, pro 
funder Kenner der italienischen Keramikhistorie, dieses 
Museum. Mil einer schlichten Ausstellung im ehemali- 
gen Kloster San Maglorio feierte man damals auch den 
300. Geburtstag des Evangelista Corricelli. Man zeigte 
Keramiken aus alten Töpfereien Faenzas und bedeuten- 
den europäischen Manufakturen. Das war der Anfang. 
Schenkungen in der Folge wuchsen sich aus zum Fun- 
dus und festigten die Institution. Kern des heutigen Ke- 
ramikmuseums die irSammlung der Nationentr, laufend 
hinzu Demonstrationen von Arbeiten zeitgenössischer 
Künstler, Werkstatten, Fabriken. 1965 wurde das nMu- 
seori ehrenvoll in die Reihe der wGroBen Museen-i aufge- 
nommen. Derzeit umfaBt dieses in traditionsreichem 
Rahmen 32 Raume. 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
Gleichsam in Fortsetzung nach w-Kunst und Kultur der 
Kykladen-i ab Mitte Marz 1980 hier die Schau "Kunst 
und Kultur Sardiniensrt. Dr. Jürgen Thimme, Leiter der 
Antikensammlung des Museums, vereinigte sardische 
Kunst vorn Neollthikum bis zum Ende der Nuraghenzeit. 
300 Leihgaben aus Museen Italiens und von Schweizer 
Privaten, zu denen Museen in Leningrad, London. Paris 
und den USA erlesene sardische Bronzen beistellen. 16 
international bekannte Wissenschafter erarbeiten einen 
handbuchartigen Katalog, davon eine englische Version, 
(Abb. 2) 
MünchenINeuperiach - Kunstzentrum 
Ausstellung der Engelhornstiftung "Die Gruppe der Fünf 
+ 3 - Malerei-Plastik-Grafika. Sie umfaßt B Künstler. 
Prof. Siegfried Wichmann, der die jungen Künstler vor- 
stellte, findet auffallend, wie vielfallig die plastischen 
Möglichkeiten an den heutigen Kunstakademien sind. 
Daß aber Metall, Stein, Holz, Gips, Beton bereits vom 
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Kunststoff stark unterlaufen werden. Wir sehen hi- 
Siemens, Bildhauerin, naturalistisch bis symbol- u 
torsohaft, gegenständlich, figurativ - Wonner, Pi: 
ker, zwingt starres Stahlblech in Formen drangent 
Kräfte - Willems, Maler in Ocker bis Rostbraun, l 
im Einzelgestus beschwörend - Schad, Gestalter 
zeitnaher Objekte mit feinstrukturierten Oberfläch 
zen - Kausch, Gestalter in Polyester, Groteske Ul 
Grimasse als menschenähnliche Spielobjekte - l 
Bildhauerin, schalt Kern aus natürlichen Erscheint 
gen, kultische Ästhetizismen - Frey, Vergroßerer 
einzelnen als bleibende Form, bindet diese zum G 
penzusammenschluß - Rathgeb, Gestalter von Fr 
der Umwelt mit affinen Zügen und Feinstrukturen. 
Viel junge Vehemenz, urwüchsig, spontan, im Mal 
schen wie im Plastischen. Groteske Verschnitte N 
serschmidtscher grimassenhafter Züge, exorbitan 
größerungen realer Dinge flöiien Schrecken ein, w 
dunkle Bereiche weisende Visionen schockieren L 
aufrütteln. (Abb. 3 bis 6) 
Regensburg - Ostdeutsche Galerie 
Ehrung von lda Kerkovius zum 100. Geburtstag. Di 
1879 in Riga geborene Malerin starb 1970, kurz vo 
offnung der Ostdeutschen. Man zeigte i-Landscha 
von 1910- 1969m Kleine Kostbarkeiten in Öl, Pasl 
Aquarell, Zeichnung. Das Baltikum, das Schwäbis 
und Landstriche Europas, die sie liebte und bevor 
Eine lebensfrohe Palette, die ihre Frische bis ins 
Alter behielt. Ein Lebenswerk als ein Kontinuum r 
ewig Marchenhaften, voll der uraltesten Geheimni 
ein Offenlegen eigenwilliger malerischer Leidensi 
lichkeit. 
lda Kerkovius, hilfreicher bedeutender Mensch un 
Künstlerkollege, war auch am vorbereitenden Aufl 
der Entwicklung der "Ostdeutschenrt starkstens b 
ligi. ihr posthum Dank mit dieser würdigen Homn 
LaibachlWien - Josef Plecnik 
Über das Werk des Damjan Predovsek wurde mar 
Josef Plecnik (1872 - 1957) aufmerksam. Der Autc 
der Edition Tusch behandelte dessen "Wiener Art 
von 1896 -1914i- als die eines Architekten, der fa 
schon vergessen ist. Plecnik, SchLller Otto Wagni 
dessen Projekten mitarbeitend und beteiligt, sche 
teressant genug, über seine Person die Wiener Ai 
turszene neu zu sehen. immerhin schuf er den er: 
Stahlbetonbau in diesem Bereich mit seiner Heili 
Geist-Kirche in WienIOttakring und eines der mar 
sten Architekturwerke um 1900. das Zacherlhaus. 
Probleme, die den "Nichtfunktionalistenri Plecnik 
benslang plagten, haben heute neuerlich Aktualit 
langt, wie man aus Predovseks Abhandlung ersel 
kann. ldeenskizzen, unveroffentlichte Zeichnunge 
ne und Fotos bereichern dieses interessante Wer 
einen Menschen, der stets die Begegnung mit de 
fentlichkeit scheute und nur seinem architektoni: 
Wirken lebte. (Abb. 7) 
Zürich - Spink Kt Sohn und Galerie Kt 
Oktober 1979, Versteigerung der i-Ernesi Brurrime 
Coliectionir. Die in 60 Jahren entstandene Samml 
besteht vorwiegend aus Objekten der griechisch; 
römischen Antike, vorchristlichen des nahen Ostt 
und hauptsächlich solchen des Mittelalters und l 
naissance. 650 Werke sind erstmals im Blickfeld, 
ter zahlreiche profunde Emaiiarbeiten aus Limogi 
Liege, Norditalien sowie erlesene Elfenbeinarbeif 
Stundenbücher u.a. m. (Abb. 8) leopold 
1 Demontage der Panzerstalue des Museums von CheK 
Skulpturenhof 
Bronzemodeil eines Bootes, Sardisch, e e 7. an v cn 
sches Landesmuseum Karlsruhe 
Robert Schad. Wilrischel F., 1979 
Christiane Slemers, (einer von zwei) Kasten, 197a 
Volker Ratgeb, Berg, 1979 
Jörn Kausch, Kopf, 1977 
Josef Plecnik, Zacrißrl-Haus, Wien, 1904 
Reliquienschrein, Limoges, um 1205v1215. Ernail auf 
22 x 23 x 9,4 cm. Versteigerung der "Ernest Brummer t 
tion" bei Galerie Koller mit Spink 6 Sohn, Zürich 
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