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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 188)

iuenden geharnischten Fahnenträgers überträgt. 
egen die Erscheinung der Madonna in der Gloriole 
tezugspunkt der gesamten Darstellung nicht abbil- 
kann letztlich nur als ein Übertragungsfehler gese- 
werden; das Szenario wurde anscheinend en bloc 
nommen. die Gestaltung des Hintergrundes war 
eranderliche Größe. Erkiarbar istdie Existenz zwei- 
eicher, aber nicht identischer Fassungen des rrAra- 
iri-Themas unserer Meinung nach durch die Exi- 
z eines beiden gemeinsamen Vorbildes oder eines 
er entfernten Urtypus der Komposition. 
e hier postulierte gemeinsame Wurzel selbst ist 
tgreifbar.wirwerden abernochweitere Indizien für 
n Existenz nennen. 
bereits erwähnt, wurde die Silbermann-Fassung 
ie Beerzugeschrieben.Wirbegeben unswiederum 
insicheres Terrain, wenn wir hierzu Friedländers 
rlegungen zum Werkkomplex des Jan de Beer - ei- 
der wenigen namentlich faßbaren Vertreter der 
ierpener Manieristen - zitieren." Friedlander au- 
mit allen Vorbehalten die Vermutung. jene Werk- 
ipe des wPseudo-Biesir-Meisters könne möglicher- 
e mit dem Frühwerk Jan de Beers identisch sein. 
iwird Jan de Beer als FreimeisterderAntwerpener 
isgilde genannt. gesicherte Werke von seiner Hand 
zren jedoch wesentlich später? Überlegungen 
erArt sind auch fürdie Datierungsfrage von größter 
itigkeit. 
ibt stilistische Verbindungen zwischen Tafeln der 
iudo-Blesk-Gruppe und Arbeiten Jan de Beers. die 
Friedländer um eine Mailänder Epiphaniedarstei- 
gruppiert werden und eine noch stärker manieristl- 
lll Formtendenzen folgende Handschrift zeigen." 
t auf dem graphischen Sektor lassen sich stilisti- 
rund ikonographische Beziehungen zwischen gesi- 
cherten Arbeiten Jan de Beers und der Hand des 
iiPseudo-Blesu aufzeigen. die auf eine mögliche Werk- 
staitverbindung hinweisen. Als einem für das Akade- 
mie-Tüchlein relevanten Beispiel ist eine - signierte 
und datierte - Zeichnung Jan de Beers von Inter- 
esse", ein Blatt mit männlichen Koplstudien. Darunter 
befindet sich jenes charakteristische Profil eines älte- 
ren Mannes mit den physiognomischen Besonderhei- 
ten einer langen Nase, eines herabgezogenen Mund- 
winkels und des Doppelkinns; Merkmale, die sich bei 
einem der kaiserlichen Begleiter der Akademie-Tüch- 
leiri wiederfinden. desgleichen bei einem Zuschauer in 
der Berliner Johannesenthauptung. Schulzusammen- 
hänge liegen hier auf der Hand. 
Weitere Indizien fürdas Vorhandensein jenes schon ein- 
mal inZusammenhangmitderzweiten Tüchleiniassung 
vermuteten Urtypus der Komposition bietet eine kleine 
Gruppe von Zeichnungen, die in ikonographischer Hin- 
sicht für die Tüchiein-Komposition relevant sind. 
Eine Zeichnung in den Uffizien" gibt das aus einem 
größeren bildlichen Zusammenhang herausgelösle 
MotivderSibyllewieder. dieden neben ihrknienden Kai- 
ser auf die - darüber zu denkende - Vision hinweist. 
Hinter ihrsind eben noch zwei Frauen ihres Getolges zu 
sehen. Dargestellt ist somitdas kompositionelle Haupt- 
motiv einer Weissagung der Tiburtinischen Sibylle. wie 
sie das WienerTüchlein ausfcrmulien zeigt. DerStil der 
Zeichnungen ist jedoch ein gänzlich anderer, und sie 
gibt auch nicht identisch die Wiener Gestaltung der 
Gruppe wieder. Mit dieser gezeichneten Teilkopie 
scheint essichwiemitdem Siibermanri-Tücnieinzuver- 
halten: Die Verbindung zum Akademiebild besteht in 
einem gemeinsamen Vorbild. 
Zur Stilbestimmung bietet dieses Florentiner Blatt zu 
6 Antwerpener Manierist. Umkreis des rrPseudo-Blesrr 
irEnthauptung Johannes des Täulersii. Zeichnung 
BerlimStaatl. Museen Preußischer Kulturbesitz. Kupfer 
kabinelt 
7 Anlwerpener Manierist, "Die Tiburtinische Sibylle und K 
Augustusa. Zeichnung, Florenz. Gabinetto Drsegni e St, 
degli Uiiizi 
Anmerkungen 31 - 41 (Anm. 24- 30 s. S. 4, 5) 
" iriv. Nr. 4350, 22.6 X192 cm, Tuschleder aul griinlichem i 
Frlediander-Bock-Ftosenherg, Zeichnungen Niederläridischer h 
im Kuplerstlchkabinett Berlin, Berlin 193D, Bd. l. b. 50, Hd II, PI. 54 
vgl. weilers Friedländer Ed XI, PI. 207 B. 
" K G. Bodn, Nelherlandish Drawingsotthe 15th and 16th century 
log des Rijksprenten-Kabinetts Amsterdam). Amsterdam 197a 
p. 202. 
" J LlltLP Perdnzetßpeculumhumanae salvationrsMiihlhauser 
TQXtBd p 192i .Tal Bd. PI. 16, 130.WelterSAbb. beiMRJamei 
culum humanae Salvalionis. Oxford 1926. D. 19, Kap. BH 
M Chantilly. lol. 22r. zur burgundischen vAra-Coeliir-lkcnographie a 
eines Emaille-Medaillons vgl. Ph. Verdier. A Medalllon o1 ihe nAra 
an lhe Netherlandish Errarnelsolthe 15th ceriiury. int TheJourna 
Walters Art Gallery XXIV. 1961 . p. 9 tt 
1' Abb. in Opera cornpieta dei van Eyck in Brignelli-L. Faggrn. c 
dell'Arte Hd. 17). Mailand 1968, p. 9B. Nr 31. 
r- Berlinßlaati.Kunstsrnign.Preuß Kulturbesitz.GemäldegalerieI 
535. 
" Zitiert riachderAusgabe Die Legenda Aurea des Jacobusdevoi 
aus dem Lateinischen uberseizi von R. Benz. Heidelberg p.J ,i 
" Vgl. das Heaiiexikon zur Deutschen Kunstgeschichte Ed. I, vAugt 
Spalte 1269 7 1275. weiters Ph. Verdier In. Trie Journal 01 the VI 
Art Gaiiery 1961, D 2D, Anm. 31. Vgl. auch Aachener Kunstbiitt 
ieaz. Schenkungen vch F. u I Ludwig iur das Suermondt-Mu 
p 24, Abb. 
" FranklurtlMairi. Staedelsches Kunstinstirui. lnv. Nr 1068. Abb 
länder Eid. III. PI. 8A, p. 69. Nr. 74. 
" Antwerpen, Koriinkiijk Museum vcor Schone Kunsten. lnv Nr 55 
Catalogue descriptil, Mailres ancrens. Antwerpen 1970, n. 169 
" ÄUCh Jan Gossaerr hat das rrAraCoelu-Wurider In einer Zeichnu 
stattet (Staail. Museen Preuß. Kuiturbes .Kuo1erstichkabinett).c 
sehen 1503 und 1508 datiertwird: Gussaert gibt eine völlig ande 
Stillung des Themas Die Haupteprsode milder Slbylle und Aui 
lindet erhöht eui einer Loggia statt und Ist damit aus dem Wtrbe 
liguranreichen Stadtleben: herausgehoben Die Augustus-Sy 
Gruppe zeigt Elemente italienischer ikonographle. die besonde 
Plaketten seit dem 14. Jh zu lassen rsl: in bezug eui den Wiener 
ist Jedoch die von reicher Fhantasiearctiilektur gesaumte -st 
SChiuChlI von Interesse. in einzelnen Elementen dieser Architel 
iisse wurden Aniwerperier Gebaudelormerr gesehen. daher die 
rung In GussaertsAnlwerpener Periode; Abb. vgl. Katalog der Ai 
lurig: Jan Gossaen geriaamd Mabuse. Brugge 1965. Nr. 44. p. l
	        

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