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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

Unter den vorwiegend ornamentalen Bildhauerarbeiten nehmen ausser 
den von C. Bühlrnayer vergoldeten, von J. Pokorny im Oberlicht- 
saale IV nach den Zeichnungen Heinr. v. FerstePs ausgeführten orna- 
mentalen Stuccdreliefs, noch die in Holz geschnitzten Ornamente des- 
selben Künstlers in dem von Professor V. Teirich entworfenen Cabinet, 
und zwei in Birnbaumholz ausgeführten Füllungen von Franz Oppelt 
eine erste Stelle ein. Beide Arbeiten gehören zu dem in ihrer Art Voll- 
endetsten, was seit langer Zeit auf diesem Gebiete aus dem Atelier eines 
österreichischen Künstlers hervorgegangen ist. 
Eine ganz exceptionelle Stellung nehmen in der Ausstellung die Ar- 
beiten von Prof. Otto König und seiner Schule ein. Bildhauer König 
ist bekanntlich aus Dresden für die Lehrkanzd für Plastik an die Kunst- 
gewerbeschule berufen worden. Nachdem König seine erste Jugend in 
der Meissner Porzellanfabrik zugebracht, sich später in der Dresdner Aka- 
demie, sjaeciell im Atelier HähneVs ausgebildet hat, ging er zur Vollen- 
dung seiner Studien nach Rom, und folgte dann dem Rufe, der ihn an 
die Kunstgewerbeschule nach Wien führte. 
Bildhauer König ist seit seinem ersten Auftreten eine ausgespro- 
chene künstlerische Individualität, ohne alle Frage das erste Talent auf 
dem Gebiete der kleinen figuralen Plastik in der gesammten deutschen 
Kunst. Ausgestattet mit einem reichen Funde schalfender Phantasie, zeich- 
nen sich alle seine Arbeiten durch eine eigenthümliche Poesie aus, einen 
feinen Schönheitssinn in den Linien, eine keusch: aber doch lebens- 
volle Behandlung des Nackten und durch eine bis ins Kleinste gehende 
vollendete Durchführung im Detail. In der Ausführung in Bronze lassen 
sich oft die Vorzüge seiner plastischen Entwürfe nicht vollkommen beur- 
theilen; denn so grosse Fortschritte auch unser Bronzeguss in den letzten 
Zeiten gemacht hat, so geht er doch nicht immer auf alle Feinheiten des 
Originales ein; auch stören häufig im Bronzeguss allzngrelle Metall-Lichter 
den Genuss des plastischen Kunstwerkes. Professor König hat daher 
schon Recht gehabt, ausser seinen von l-lanusch, Grüllemeyer und 
Turbain ausgeführten Bronzearbeiten, noch einige Compositionen in 
Gyps zur Ausstellung zu bringen, darunter einige, die für den in Bronze 
ausgeführten, vom Kaiser bestellten Talelaufsatz gehören, ausserdem noch 
eine Venus mit einem Amor, der einen Spiegel in der Hand hält und 
eine trauernde Victoria, bestimmt für ein Kaiser Max-Monument. Hoffent- 
lich wird es dem Künstler in nicht zu ferner Zeit möglich sein, seine 
sämmtlichen Modelle und Entwürfe, von denen die wenigsten noch aus- 
geführt wurden, zur Ausstellung zu bringen. 
Seit den Zeiten Grassi's Ü, also seit mehr als einem halben Jahrhun- 
dert, hat es in Wien kein entschiedenes Talent für kleine figurale Plastik 
') Mehrere Gruppen nach Modellen Grussfs und seiner Zeit beänden sich, von 
De Ceme ausgefnln, auf der Ausstellung.
	        

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