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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 200)

Österreichisches Museum für angewandte Kunst 
 
Günter Praschak - Keramik 
1940 in Wien geboren. Obsieger riet zu handwerklicher Lehre. 
Diese erfolgte bei Hans EskalBRD Später Schüler Ohnsorgs 
und Teilnehmer beim Josef-Hoffmann-Seminar. Von 1964 bis 
1970 Designer in Dänemark. 1970 - 1972 Leiter, ab 1973 Pro- 
fessor an der Linzer Hochschule für Kunst und industrielle 
Gestaltung. 
Günter Praschaks gesamtes reiches Werk ist sowohl Spiegel 
seiner künstlerischen Vielfalt wie auch seiner Neigungen und 
Interessen. Vor allem zur alten traditionellen Keramik. beson- 
ders der ostasiatischen. Historisch gründliche Bezugslinien 
führen zur Archäologie und Vorgeschichte. 
Praschaks Keramikgefaße als Hauptwerk stehen unter einer 
typischen ästhetischen Komponente, die alle seine Arbeiten 
auszeichnet. Sogutwie dekorlos bestimmen sie die reine Form, 
das noble Oraquele. Praschaks Skulpturen und Objekte, wie 
iiVogelmenschii, DlkafUSlt oder i-Paerei, sind Beweise gelunge- 
ner figuraler Gestaltung. aufgrund intensiver Zeichnungen als 
Auseinandersetzung mit spontanen Vorstellungen zu neueren 
Arbeiten. 
Praschaks Baukeramik sind vorwiegend Schöpfungen für die 
ÖffentlichkeiLwie Brunnen, Reliefs u. ä In ihrem Erscheinungs- 
bild wirken traditionelle undhistorische Sentenzen und Struktu- 
ren, resultierend aus handwerklicher Meisterschaft. 
Praschaks Modelle und Rekonstruktionen sind ein Sonder- 
kapitel technischen Vermogens und gründlicher historischer 
Betrachtung. Sein etruskisches Dorf ist von erfrischender Au- 
thentizität. Sein etruskischer Tempel kann als Paradebeispiel 
für vollkommene und sinnvolle Anwendung technischer Prinzi- 
pien wie auch künstlerisch ausgewogener Materialgerechtig- 
keit gelten. Günter Praschak, Künstler und keramische Fach- 
persönlichkeit. ist Lehrer und mitführend bei Symposien wie 
Gmunden und Stoob. Eine sehr klare übersichtliche beispiel- 
hafte Schau. (1, iiVogeimensch-i. Detail, 1983. Terrakotta) - 
(21.2.-15.4 1985) 
Gabriele Hain - Arbeiten in Porzellan für Bing 81 
Grdndahl 
1955inAigenIOÖ.geboren,Erzieherin.StudiumderPhilosophie 
und Archäologie. Erwin Reiter (s. Künstlerprofil AMK 1981199) 
unterweist sie Anfang 1973 in Arbeiten in Tori. 1975- 1980 
AbsolventinderMeisterklassetürKeramikbei Günter Praschak 
(Hochschule für Kunst und industrielle Gestaltung in Linz. 1980 
Aufbruch nach Skandinavien, Studium in Helsinki als Stipen- 
diatin. 
Gabriele Hain arbeitet vielfältig in Holz, Acrylglas, Papier und 
Fotografie. Ab 1981 wird für sie ein mehrfach verlängerter Ver- 
trag bei der Firma Bing 8 GrondahliKopenhagen bestimmend. 
Workshops in Linz bei Eschlbock und New York in iiContem- 
porary porcellainr. 
DieausgestelltenArbeitensindSerienprodukte. Vornehmlich in 
Weißporzellan gibt sie röhren- und kubenartigen Formen den 
Vorzug Riffelungen und Lineamente sowie Kragenaufbruche 
mildern designerische Strenge und Kühle (2. Neuere Arbeiten 
für Bing äi Grdndahl) - (1. 7 31 3 1985) 
Olivia Charlton - Bilder aus Glas 
1953 in Stuttgart geboren, ab 1972 freie Kunstschule in Stutt- 
gart für Bildhauerei u. a. bei Hoflehner. Glasmalerei, Lehrsemi- 
nare für Waldorfpädagogik und Kunsterzieherin. 1981 eröffnet 
0. Charlton ein eigenes Atelier in Wien. Die Serie ihrer Glasbil- 
der bestimmt das gewohnte Bild der Bleistege. Diese aber ste- 
hen in völlig freier Funktion als zeichnerisches und bindendes 
Element. Goethe und Rudolf Steiner wirken farbtheoretisch seit 
den Anfangen der Künstlerin iiBilder aus Glasii, die hohe 
Leuchtwerte im Sinne von lmaginationen freier Landschaften 
erstehen lassen. O. Charlton: iiFarbtone aus Licht entstehen im 
Hinhören auf die den Farben innewohnende Musikx (3, Bild aus 
Glas) - (19. 4 e 19.5.1985) 
Meisterklasse für Malerei Prof. O. Unger 
Rechenschaft und Emeritierung 
Carl Unger übernahm 1 964 die Meisterklasse nach Eduard Bäu- 
mer Seine Tatigkeitals Lehrender setztejedoch schon 1947 an 
der seinerzeitigen Akademie für angewandte Kunst ein. Er 
wurde Assistentbei Prof Kenner. Dem damaligen Professoren- 
kollegium unter Präsident Max Fellerer gehdrten W. Wimmer- 
Wisgrill, O. Haerdtl. F. Schuster, P. Kirnig, Ft. Obsieger und 
O. Niedermoser an. Der junge Lehrer Unger stand erstmals 
jenen Professoren gegenüber, die den Rufderwiener Kunstge- 
werbeschule mitbegründeten. Mit ihnen in Diskussion und in 
erschopfenden Gesprächen erfuhr er das Wesentliche um die 
Aufgaben eines lehrenden Künstlers. Demzufolge bildete sich 
die Erkenntnisin ihm aus. daß eine allgemein künstlerische Aus- 
bildung beste und zweckmaßigste Voraussetzung und Forde- 
rung ftir den Studenten sei Damit ware jedweder schopferi- 
schert Begabung genugend Freiraum zur künstlerischen 
Entfaltung geboten. 
Carl Unger wirkte schon anfangs in seiner Klasse vorwiegend 
mit dem Studium der menschlichen Gestalt. Ein Grundanliegen 
war ihm, vor der Natur arbeiten zu lassen Beides waren ent- 
scheidende Pfeiler seinergesamten Lehrtätigkeit. Ungers eige- 
1185 Werk beweist arri siiiriraiiigsien diese Vorgartgsweise. Aus 
demriaturriahenVorbildanalysierendflossen in Seine Komposi- 
tionsübungen Stilmerkmale und Tendenzen des Konstruktiven. 
 
 
Kubistischenf und Surrealistischen mit ein. Der Mensch und 
seine Darstellung waren eines für ihn und zentralesThema. Wie 
die Farbe, deren Lehren und Gesetzlichkeiten von Goethe bis 
ltten ihn faszinierten, Besonders in Johannes ltten erlebte er 
einen persönlichen Ansatz, der ihn geradlinig zur heutigen 
malerischen Ausdrucksform führte. Experiment, phantasie- 
volle Improvisationen stellte Unger bei aller gebotenen Zucht an 
oberste Stelle seiner Lehrtätigkeit. Und zwar entscheidend. 
denn nur so halt er dem jungen Künstler auf offenste Weise sein 
eigenes Formen- und Farbengefühl entwickeln und wichtige 
Erfahrungen sammeln. 
Mit dieser Ausstellung gibt Unger Rechenschaft, ein überrei- 
ches, vielschichtiges Bild der Meisterklasse für Malerei. wäh- 
rend er sie führte. Auch i-altei Schüler bis in die Anfange der 
50erJahre sind beteiligt, womit zwangsläufig ein Kapitel oster- 
reichischer Malerei mitaufgerollt ist. dem der Lehrer Ungerden 
Stempelautdrückte. Von Arbeiten dernochtastenden. unerfah- 
renen Studenten. die unbefangen dem malerischen Abenteuer 
huldigten, bis zu reiferen Werken hochbegabter Schulabgan- 
ger. Figur und Akt sind sowohl in Zeichnung mit zum Teil post- 
klimtischer Frivolität bis zum perfekt gebauten. gemalten Akt 
Schwerpunkt. Die Namensreihe drückte die lnternationalitat 
aus. Nicht in Erscheinung tritt - von hauchdünnen Assozietä- 
ten abgesehen - die nUngerscher Malspracheri im Werk der 
Schüler. Das sprichtfürdenwahren undguten Lehrer Unger. So 
offeriert sich eine differenzierte Vielfalt als echter Spiegel freier 
schulischer Entwicklung. Wie weit Unger seine Schüler gehen 
läßt. beweisen die jahrgangsjüngsten Arbeiten. Zu diesen kann 
man mitRechisagen. hieräußertsich rnalerischerZeitgeistvol- 
lig unmodisch zum Teil als Versprechen für die Zukunft. 
Carl Unger, in Emeritierung befindlich, verdient für alle an der 
HochschuiegeübteTatigkeit hohe AnerkennungSeine zünden- 
den Reden als Rektor, seine Mahnungen und Appelle zu würdi- 
gem Studenten- und Künstlertum, zu Disziplin und Verantwor- 
tung, sind noch im Ohr. Unger kann mit Recht als lebendigstes 
Bindeglied eines Lehrkörpers gelten. das aus den schulischen 
Traditionen der Jahrhundertwende direkt in die Gegenwart 
führt. Wir meinen, das Feuer des initiativen Künstlers und Leh- 
rers Carl Ungerwar stets mitentscheidend. Amt undAufgabe zu 
nähren. Sein oft heftiger Zorn über mental-apparative Unmetho- 
dikwarin Wahrheitein heilig-nützlicherZorn.derLuft reinigtund 
alles weiterbringt. Somit unterstreichen wir ehrlichen Herzens. 
was der amtierende Rektor Oswald Oberhuber von ihm sagt: 
iiUnger ist mehr für unser Haus _ er ist eine Institution - das 
Gewissen, die Verantwortung, der angenehme und unange- 
nehme Mahner. Seine Verdienste als Lehrer sind unerlaßlich, 
seine Leistung wird (wurde) hier (in der Ausstellung) gezeigt." 
(4, Jörg Gaisbauer. Schwarzweiß 84. Acryl und Molino, 100 x 
140 crn, 5. Norbert Schröckenfuchs, Glaswand 80. Betonglas- 
fensterSLJosefaufderHeide,Wien11)-(22.3. - 21 4.1985) 
Literatur im März 
Unter dem Titel i-Schönsein Wohlfühleni- antizelebrierte man 
wochenlang eine Veranstaltung des Kunstvereins Wien in 
Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft fur 
Literatur mit Unterstützung des Kulturamtes derStadt Wien. Im 
Programmdieser sog. Literaturwoche eine flankierende Schau 
nAsthetik des Alltagsii. Triviales täglichen Gebrauchs veran- 
schaulichte sinnbildhaft Aspekte des Themas. Wetters eine 
i-SchreibwerkslattrqeineiiVideoii-Kunstiervideos aus derArbeit 
der Hochschule für angewandte Kunst Dazu "Malaktionen", 
vDfSkUSSlOnEfW, Lehrstück-Workshops. Spielversuche mit 
einem Lehrstücktextvon Bert Brecht sowieeine Schminkstraße 
der Selbstbeobachtung, Selbstbewunderung. Als weitere 
Punkte von Lucius Burckhardt iiDie Wohlfahrt und die Schön- 
fahrtii, das gewandelte Verhältnis zwischen Hochkultur und 
Subkultur sowie iiStadtische Umwelt sichtbar machen i eine 
Stadtexpedition vori Schülern des BG ttii. Ferner iiTäuschun- 
gen - Ansprechenri - iiDas Schone - des Schrecklichen 
Anfangfßk, rlDICklChf der Städten - iiKein Schoner Landu. iiEin 
Schöner Heimatabend-i _iiFläume - Traumei - iiGewohntes 
Lebentr iiDie schöne Hautii, iiWohl-Lust-i. weiters Malaktionen 
und am Ende ein (riesiges) Fest: iiSchön sein, sich wohl fuhlenrr. 
Ausklang mit i-Erittauschungen-Aussprechenrr - Literatur kuli- 
narisch, in allem dazwischen eine Modeschau. (23. 2. 7 2. 3 
1985) leopold netopil 
Weitere laufende Ausstellungen 
Sepp Schmölzer - Schmuck, Objekte und Fotos (noch bis 
30 6 1985) 
12 Keramiker stellen vor - BaumgartnerlEschlböckiFunderl 
GeftkelHainlJansalLehmannlMiura-GriningerINußbaurnerI 
ReisingerIStraußfWaltl (noch bis 16. 6. 1985). 
Mariano Fortuny - Der Magier des textilen Design Gemein- 
same Veranstaltung mitder Hochschuletür angewandte Kunst, 
Wien (noch bis 21. 7. 1985). 
Gabriella Naiiaori - TeXUlSChmlJCk ll'l der Reihe iiÖSteffEICTfI- 
sches Kunsthandwerk der Gegenwart" (noch bis 14 7. 1985) 
Meisterwerke des Historismus - Glas. Keramik. Metall. Email 
SchloB Grafenegg bei Krems (1. 5. i 27. 10. 1985) 
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